Ausstellung: Hexenturm Werke einer deutschen Romantik

Von: Vi-Em
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Hintergründiges: Marcus Günther vor einem seiner Exponate. Foto: Emde

Jülich. Die Ausstellung des Kunstvereins Jülich gab Marcus Günther Gelegenheit, einen Ausschnitt seiner Werke im geschichtsträchtigen Ambiente des Hexenturms auszustellen. Wer jedoch die Ankündigung dieser Ausstellung las, kam mit völlig falschen Vorstellungen.

Als ein vielseitiger Künstler arbeitet Marcus Günther mit unterschiedlichsten Techniken und verarbeitet dabei gesellschaftskritische Elemente. Er überlässt die Interpretation seiner hintergründigen Arbeiten bewusst dem Besucher. „Deutsche Romantik“ nimmt er als ironischen Titel für seine geschichts- und gesellschaftskritischen Betrachtungen.

Eine collagenähnliche Installation im Kaminzimmer besteht aus 240 Wappenschildern, bei der nicht nur die Vielzahl der Objekte und die handwerklichen Anforderungen an die Herstellung im Mittelpunkt stehen, sondern auch die Bildaussage. Die Idee zu diesem Werk kam dem Künstler aus der Inspiration durch den Raum und eine negative Äußerung einer Besucherin, die bei einer früheren Ausstellung den Raum als spießig kritisierte. Kritik an der jeweiligen Gesellschaft, symbolträchtige Bilder und Oberflächenstrukturen entlarven das jeweilige Spießertum, werfen Fragen auf und decken die banalen Ansprüche und trivialen Wertigkeiten auf.

Tiefe Symbolik findet sich in alltäglichen Darstellungen. Exzessive Formen von Sex, Gewalt, Herrschaftsansprüche, Unterdrückung und Erniedrigung werden nicht ausgespart. Hintergründig sind auch die Installationen, die vordergründig mit einer zunächst unbelasteten und unbelastenden Leichtigkeit erscheinen.

In einer Videoinstallation mit dem Titel „Tiefe“ gelingt ein Blick in die Augen des Künstlers, in sein Gesicht. Musik vertieft den magischen Moment, die umgebende Farbe Blau symbolisiert Tiefe, die verzerrt die Wirklichkeit darstellt.

Mehr Achtung vor Hühnern

Die Installationen zur Thematik „Zellteilung“ schwebt frei und leicht in den hellen Nischen des Turms, eine Leichtigkeit, die die Schwere der Auseinandersetzung mit diesem biologisch-medizinischen Thema vergessen lässt und eher an das Wunder des Lebens erinnert. Diese Installationen waren Teil der großen Ausstellung „Teilung“. Die Hälte des Erlöses dieser Ausstellung, die von 2009 bis 2013 lief, stellte der Künstler einem Hilfsprojekt für „Aids-Kinder“ zur Verfügung.

Heiter, aber hintergründig ist die Malerei von Marcus Günther. Er beschäftigt sich intensiv mit Motiven. So findet der Besucher eine Serie von Bildern von Hühnern. Oft verkannt und schändlich behandelt sind sie hier in ihrer stolzen Haltung und Farbenpracht zu sehen. Günther spricht in diesem Zusammenhang von „Renaissance“. Vielleicht kann dieser Begriff auch zu mehr Achtung vor diesen Tieren motivieren, die durchaus ihren eigenen Charme haben.

Ein Triptychon zeigt neben dem Porträt eines bekannten Bandmitgliedes zweimal auch Günthers Konterfei. „ Geister, die ich rief“ lautet der Titel, die als Einheit aussagekräftig den Menschen in seiner Welt darstellen.

Deutungsschwer sind drei Bilder, die neben der Sanftheit der Motive brutale Gewalt andeuten. „Do it“ – der Titel birgt die potenzielle Gefahr, die sanfte Wesen in ihren Tiefen bergen. Der Besucher selbst wird als Mensch von allen Seiten dargestellt in der letzten Installation, „Ich Kontrolle“, bei der Videokameras jeden Schritt und Atemzug aus jeder Perspektive aufnehmen. Aufgabe ist, sich optisch mit der eigenen Gestalt und Persönlichkeit auseinander zu setzen.

Die Begrüßung übernahm Birgit Leyens, die einführenden Worte sprach Dieter Laue. Die Ausstellung ist noch bis zum 5. Oktober zu sehen.

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