Ausstellung der Jülicher Pilz-AG besticht mit vielen Exponaten

Von: ptj
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Die Ausstellung der Pilz-AG bietet ein Forum für Mykologen, Sammler und Pilzinteressierte. Foto: Jagodzinska

Jülich. Warum sind Pilze für den Ökokreislauf wichtig? Diese Frage wusste ein Kind zu beantworten: „Pilze geben den Bäumen das Essen.“ Natürlich auch umgekehrt, mag man hinzufügen: Pilze können keine Kohlenhydrate erzeugen. Andererseits sind viele Pflanzen ohne den Pilz nicht lebensfähig.

Vielerlei Fragen und Antworten prägten die dritte Ausstellung der 2011 gegründeten Pilz AG im Jülicher VHS-Gebäude unter dem Dach der ehemaligen Schirmerschule. Die Ausstellungsfläche war diesmal bewusst vergrößert worden, die Tische aufgelockerter gestaltet. Eine „Idealpilzdarstellung“, eine Leihgabe des Naturzentrums im belgischen Ternell, komplettierte die Ausstellung.

„Es ist ein gutes Pilzjahr“, erfuhr der interessierte Besucher als erstes. Der heiße Sommer und ausreichend Regen haben etwa Riesenschirmpilze tellergroß werden lassen. „Die Leute interessieren sich zuallererst für die Steinpilze“, erläuterte Kursleiter Christoph Keßler, der gerne durch die Ausstellung führte.

Steinpilze zählen zu den Röhrlingen, und die sind bis auf eine Ausnahme, nämlich den Satansröhrling, alle essbar.

Familie, Ordnung, Art

Unterteilt war die Ausstellung in das „System der Pilze“ in Art, Gattung, Familie, Ordnung und Klasse. So zählt etwa der Fliegenpilz (Amanita muscaria) zur Gattung der Wulstlinge, zur Familie der Freiblättler, zur Ordnung der Lamellenpilze und zur Klasse der Basidienpilze (Ständerpilze).

Automatisch kamen die Pilzexperten, die alle gerne ihr Spezialwissen zu einem bestimmten Gebiet innerhalb der Mykologie zum Besten gaben, auf die gefährlichsten Pilzarten zu sprechen: „Der gelbe Knollenblätterpilz bringt Sie auf die Intensivstation, der grüne Knollenblätterpilz direkt ins Grab.“ Beide stammen aus der Familie „Amanitaceae“, der Gattung der Wulstlinge. Der Perlpilz aus derselben Familie ist hingegen essbar.

Interessant dabei ist, dass der gelbe Knollenblätterpilz sehr lecker und aromatisch ist, die Giftigkeit ist hier also nicht am Geschmack zu erkennen. Der Karbol-Champignon hingegen, der im selben Terrain wie der essbare Wiesenchampignon vorkommt und ihm sehr ähnlich sieht, warnt hingegen mit seinem unangenehmen Karbol-Geruch vor seiner Giftigkeit: „Den isst ja keiner, damit verdirbt man ja jede Mahlzeit“, meinte Heinz-Werner Schmitz aus Kerpen.

Vom Fliegenpilz, den jedes Kind als giftig meidet, „müsste man hingegen schon eine gute Menge essen“, bevor eine halluzinogene Wirkung eintritt.

Erwähnt wurde natürlich die Unterscheidung des weißen Knollenblätterpilzes vom Champignon, deren Verwechslung am häufigsten zum Tode führt. Der Knollenblätterpilz hat stets einen dicken und knolligen Fuß und auch im Alter weiße Lamellen, während die des Champignons rosafarben bis braun sind.

Die Frage nach einem heilenden Pilz führte zum Birkenpohrling, den schon der Ötzi um den Hals trug, weil er ihn als Magenbitter ins Essen rieb. „Der Birkenpohrling heftet sich als Parasit an die Birke. Er ist ein Dauerfruchtkörper, der jedes Jahr größer wird und die Birke tötet.“ Schon kommt die nächste Unterscheidung ins Gespräch: „Parasiten sind Holzzersetzer am lebenden Holz, Saprophyten am toten Holz und Mykorrhitza sind Symbionten. Sie leben in Symbiose mit den Bäumen.“

Vielfältige Täublinge

Die artenreichste Pilzgattung bilden übrigens die Täublinge mit etwa 150 Arten. Ihre Fruchtkörper zeigen in der Huthaut oft leuchtende Farben, während Fleisch, Lamellen und Stiel hingegen oft weißlich bis elfenbeinfarbig sind. Zu den Milchlingen zählen rund 80 bekannte Arten, sie zeichnen sich in der Regel durch mittelgroße, zentral gestielte Fruchtkörper mit konvexem bis trichterförmigen Hut aus.

Beim Verlassen der Ausstellung nimmt der Besucher noch eine letzte Weisheit mit auf den Weg: „Der Sammler geht immer dahin, wo er einen Pilz kennt.“ Und: „Unter den Mykologen sind wenige, die Pilze essen.“

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