Ausstellung: 130 „Goldene Geschichten auf Glas“

Von: Kr.
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Gemeinsam hatten Dr. Myriam Wierschowsky und Prof. Dr. Klaus Tiedemann diese umfassende Ausstellung erarbeitet. Foto: Kròl

Linnich. Das Deutsche Glasmalerei-Museum in Linnich präsentiert ab Samstag, 16. März, eine einzigartige Ausstellung. In ihr werden 130 Kabinettscheiben gezeigt, die der Sammler Prof. Klaus Tiedemann im Laufe vieler Jahre zusammen getragen hat. Bereits 1961, als es auf Klassenfahrt nach Chartres ging, hat ihn die Faszination Glas gepackt, und da er zusätzlich noch über das so genannte „Sammler-Gen“ verfügt, besitzt er heute die größte Privatsammlung an Kabinettscheiben.

Im ausgehenden Mittelalter wurden diese kleinen Kunstwerke angefertigt, um die Fenster der Kabinette in Privathäusern aber auch Rathäusern, Zunftstuben und anderen Gebäuden zu schmücken. Meist entstanden sie nach druckgrafischen Vorlagen und hatten nicht selten religiöse oder mythologische Themen als Grundlage, die in ganzen Serien umgesetzt wurden. Drei Formen dieser Kabinettscheiben stellt das Museum vor.

Scherpunktmäßig hat Prof. Tiedemann sich mit dem Sammeln der sogenannten „Roundels“ (monolithe Rundscheiben) beschäftigt. Mit Silbergelb und Schwarzlot wurden die Motive auf farbloses Glas aufgetragen, durch Nicht-Bemalen oder Wegkratzen des Schwarzlots Schattierungen und verschiedene Helligkeiten erreicht. Abschließend wurden die Scheiben gebrannt; nicht ohne Grund wurde die Ausstellung „Goldene Geschichten auf Glas“ betitelt. Diese Technik beschert den Scheiben ein strahlendes Gelb in verschiedenen Abstufungen von ganz hell bis zum Ockerton.

Weiterhin umfasst die Sammlung einige Schweizerscheiben, die aus verschiedenen farbigem Glas mit Bleiruten zusammengesetzt wurden, sowie die sogenannten „Fensterbierscheiben“, die wie die Schweizerscheiben auf den Brauch der Fensterschenkung bei einem Neubau zurück gehen, aber schlichter gehalten wurden. In aller Welt hat Prof. Tiedemann seine Exponate zusammengetragen und sich intensiv mit den Motiven, die darauf zu sehen sind, auseinandergesetzt. Sie lassen ihn ihrer Detailgenauigkeit und ihrer Symbolik viel Freiraum, auf Entdeckungsreise zu gehen, und ermöglichen gleichzeitig einen Einblick in die Welt des Mittelalters und der Neuzeit.

Es sind nicht immer erbauliche Dinge, die auf diesen kleinen Kunstwerken wiedergegeben werden, vor allem dann nicht wenn es sich um Kriegsdarstellungen oder Leben und Leiden der Märtyrer geht. Doch neben dem Einblick in diese Zeiten gewinnt der Betrachter auch einen Eindruck von der künstlerischen Entwicklung, die sich im Laufe dieser Jahrhunderte vollzogen hat.

Deutlich wird dies vor allem an der Bildfolge „Der verlorene Sohn“ aus verschiedenen Zyklen, die von der eher schlichten Darstellung aus der Gotik bis zu den feinen detailgetreuen Malereien der Neuzeit reichen. „Die Künstler waren gleichzeitig auch Philosophen, die dem Betrachter oft in Bilderrätseln begegnen. Es macht den meisten Spaß, diese Bilder zu entschlüsseln“, gestand der Sammler, der sich vor der offiziellen Ausstellungseröffnung am Samstag um 16 Uhr, reichlich Zeit nahm, die museumspädagogischen Mitarbeiterinnen durch die Ausstellung zu führen.

Er wird am Samstag außerdem unter dem Thema „Legende vom glücklichen Sammler“ aus seinem Leben und von seiner Leidenschaft erzählen.

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