Ausgrabungen: Im Sommer wollen sie auf das Mittelalter stoßen

Von: Guido Jansen
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In den Ferien verändert sich der Innenhof der Zitadelle: Jetzt haben die Archäologen die große Kopfsteinpflasterschicht entfernt und graben tiefer. Foto: Guido Jansen
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Zeichnen und Interpretieren: Norbert Bartz hält die alten Strukturen im Boden auf Papier fest.

Jülich. In den Sommerferien wollen sie im Mittelalter angekommen sein. Das ist das Ziel der Archäologen, die jetzt während der Osterferien wieder im Herzen der Zitadelle nach Dingen graben, die früher mal in Jülich gewesen sind.

Das Mittelalter liegt in gut eineinhalb Metern Tiefe, da, wo auch die runde Zisternenanlage genau in der Mitte des Innenhofes gefunden wurde. „Die gehört aber nicht ins Mittelalter“, sagt Thomas Ibeling, der leitende Archäologe im Zentrum der Zitadelle. Das Zisternen-Gemäuer, das im vergangenen Jahr überraschend zu Tage kam, als im Innenhof nur ein paar Probegrabungen gemacht wurden, um herauszufinden, warum die Kellerwände der Zitadelle feucht sind, stammen aus dem 19. Jahrhundert.

Damals stießen die Bauherrn beim Graben schon einmal in Zeiten vor, die heute Mittelalter genannt werden. Interesse an der Vergangenheit hatten sie nicht, sie wollten eine Zisterne bauen. Deswegen dürften sie auch nicht gemerkt haben, dass sie in Spuren herumgebuddelt haben, die beweisen, dass die Zitadelle nicht das erste Bauwerk an dieser Stelle war.

„Wir haben hier Pfostengruben gefunden, Gräben, Teile von Fundamenten, die älter sind als die Zitadelle“, sagt Ibeling.

Alles kommt weg. Die Zisterne, die angebundene Wasserleitung. „Damit wir nachher aber noch genau wissen, wo alles war, wenn alles weg ist, muss hier sehr genau dokumentiert werden“, sagt Guido von Büren vom Museum Zitadelle. Der Archäologen-Arbeitstag besteht deshalb zur Hälfte aus Graben und zur anderen Hälfte aus Dokumentieren – etwas vereinfacht gesagt. Norbert Bartz beispielsweise zeichnet die Strukturen. Und er interpretiert. Das ist das, was mit einem Foto nicht möglich ist. Er macht Anmerkungen. „Ich markiere, welche Strukturen älter oder jünger sind“, erklärt er. Die Erkenntnisse, was älter oder jünger ist, kommt nicht vom in der Sonne sitzen und Meditieren. Erfahrung und Vergleichen ist die Basis. In jeder Schicht, die abgetragen wird, finden die Experten neue kleine Hinweise auf das Alter. Beispielsweise Bruchstücke von Tonpfeifen oder Keramikscherben. Ibeling hält ein paar Tonscherben in der Hand und identifiziert sie als bleiglasierte Irdenware. Keramik, die mit einer Glasur überzogen wurde. Ist die Glasierung mattgrau, dann ist die Scherbe älter, wirkt die Glasierung kräftiger, dann ist sie jünger.

„Es kommt auf das Ensemble an“, sagt Ibeling, also auf die Summe der Fundstücke, die in einer Erdschicht gefunden werden. So entstehe ein Gesamteindruck. Eine Münze hat die Annahme bestätigt, dass die Archäologen gerade im 17. Jahrhundert graben. 1657 steht da zu lesen, möglicherweise auch 1637. Das war am Dienstag nicht genau zu erkennen. „Das passt genau zu den Tonfunden“, sagt Ibeling. Bis zum Mittelalter sind es also noch ein paar Schichten Erdreich.

Gefunden wurden die Scherben und die Münze, als die Archäologen die Kopfsteinpflasterschicht aus dem 19 Jahrhundert abgetragen haben, die im vergangenen Sommer freigelegt wurde. Das Kopfsteinpflaster ist möglicherweise die einzige Struktur aus der neu entdeckten Jülicher Vergangenheit, die später, nach dem Ende der Ausgrabungen wieder aufgebaut wird. Entsprechende Pläne für dieses historische Pflaster gibt es. Die Entscheidung, ob im Innenhof der Zitadelle später eine Art begehbares Denkmal entsteht, liegt beim Eigentümer, dem Land NRW.

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