Ausbildungsplätze: Wenn Noten und Auftreten nicht stimmen

Von: Guido Jansen
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Ein Presswerkzeug erhält den
Ein Presswerkzeug erhält den letzten Schliff. Diese Form ist die Schablone, mit die Haarmann-Kunden später ihre Bauteile fertigen.

Jülicher Land. Der Neue muss kein Albert Einstein sein. Und auch kein Arnold Schwarzenegger. „Wir erwarten keine Wunderdinge. Unser neuer Auszubildender soll sich einigermaßen geschickt anstellen und Lust haben”, sagt Thomas Schornstein. Genie oder große Muskelkraft fordert die Firma Haarmann aus Aldenhoven vom neuen Lehrling nicht.

„Wir bringen die jungen Leute mit einer guten Ausbildung auf den richtigen Weg”, erklärt der Betriebsleiter, dass die Neulinge ihre Fähigkeiten mit der Zeit im Betrieb entwickeln.

Gefunden hat das international tätige Unternehmen, das Presswerkzeuge herstellt, trotzdem noch keinen neuen Azubi. Und damit steht das Unternehmen bei weitem nicht alleine da. 314 offene Ausbildungsplätze meldet die Agentur für Arbeit im Moment für den Kreis Düren. „Bisher hat es bei keinem Bewerber gepasst”, sagt Schornstein (38). Am 1. September soll´s los gehen mit der Ausbildung zum Werkzeugmechaniker mit Fachrichtung Zerspanung und Erosion.

Kleiner ist das Zeitfenster in der Jülicher Anwaltskanzlei Hühne und Krapp. In der kommenden Woche beginnt das Ausbildungsjahr in der Berufsschule. „Wenn es jetzt schnell geht, dann würden wir noch jemanden nehmen”, sagt Björn Hühne (48), der Fachanwalt für Strafrecht ist. Das Problem: Bisher hat kein Bewerber den Ansprüchen genügt. Das liegt nicht daran, dass die Anforderungen zu hoch sind. Die Qualität der Bewerbungen stimmt nicht. „Manchmal wundert man sich schon, was einem in den Bewerbungen unter kommt”, erzählt Björn Hühne aus seinen Erfahrungen. Rechtschreibung sei für einen Anwaltsfachangestellten wichtig.

„Wenn die Bewerbung dann Fehler hat oder die Note in Deutsch nicht gut ist, dann sind die Leute für uns nicht geeignet.” Mittlere Reife ist die Mindestanforderung, Abitur oder Fachabitur sind von Vorteil. Nicht nur wegen des vermeintlichen Plus an Bildung. „Für uns ist es wichtig, dass der Bewerber eine gefestigte Persönlichkeit hat”, so Hühne. Schließlich dürfe es den Fachangestellten im Arbeitsalltag nicht aus der Bahn werfen, wenn der Mensch am anderen des Telefons alles andere als freundlich ist.

Auch das ist Alltag in einer Kanzlei. Eigenschaften wie Loyalität, Identifikation mit dem Beruf und dem eigenen Betrieb sowie Verschwiegenheit sollte der oder die Neue mitbringen. „Wir sind eine Kleinstfirma mit sieben Leuten. Da muss jedem klar sein, dass es für alle anderen schwierig ist, wenn einer ausfällt.” Stichpunkt Team-Denken.

Bei Haarmann in Aldenhoven sind die Bewerber bisher meist aus zwei Gründen gescheitert. Entweder, weil das Zeugnis zu schlecht war. Oder aber das Auftreten beim Bewerbungsgespräch. „Wir nehmen sehr gerne einen motivierten jungen Menschen mit Hauptschulabschluss”, sagt Schornstein, der als Meister auch für die Ausbildung zuständig ist.

Voraussetzung sei jedoch, dass im Zeugnis in den Fächern Mathematik und Physik zumindest eine Drei stehe. Daran sind einige Bewerber schon gescheitert. Oder daran, dass sie eine Bewerbung abgegeben haben, die nicht in eine Mappe eingefasst, sondern zusammengetackert war.

„Ich gucke mir die Bewerbung dann trotzdem an. Aber erste Eindruck passt schon mal nicht.” Die nächste Hürde, an der Kandidaten gescheitert sind, ist das Auftreten beim Vorstellungsgespräch. „Bei uns im Betrieb herrscht eine lockere Atmosphäre. Deswegen sind Anzug, Krawatte und Lackschuhe keine Pflicht, wenn man sich bei uns vorstellt”, so Ausbilder Schornstein. „Wer hier aber mit Hose auf halb acht und Basketball-Mütze auf dem Kopf auftaucht, der hat schlechte Karten.” Jeans, Poloshirt und Schuhe in vernünftiger Qualität - das passt.

Ruhig ein wenig mehr sein darf es beim Vorstellungsgespräch in der Anwaltskanzlei. „Jeder bei uns hat Kontakt mit dem Klienten. Deswegen sollte der Dresscode angemessen sein. Wir sind nicht streng, aber zu salopp passt nicht”, erklärt Björn Hühne.

385 junge Menschen suchen aktuell eine Ausbildungsstelle im Kreis Düren. Gleichzeitig sind nach Angaben der Agentur für Arbeit noch 314 Ausbildungsstellen nicht besetzt. Einstiegstermine sind der 1. August oder 1. September. Bei jungen Männern sind kaufmännische Berufe, KFZ-Mechatroniker, Maler/Lackierer und Tischler stark nachgefragt. Junge Frauen interessieren sich am häufigsten für kaufmännische Berufe, einer Ausbildung zur Friseurin oder zur Rechtsanwaltsfachangestellten.

Die Nachfrage seitens der Ausbildungsbetriebe ist ähnlich zu den Interessen der Arbeitsuchenden. Im Bereich Verkäufer beispielsweise suchen 27 junge Menschen, 31 Ausbildungsstellen sind frei. Gesucht werden zudem KFZ-Mechatroniker, Gebäudereiniger, Maler/Lackierer, Hotelfachangestellte oder Arzthelfer. Die Firma Haarmann sucht derzeit einen Auszubildenden zum Werkzeugmechaniker mit Fachrichtung Zerspanung (Fräsen) und Erosion.

Die Ausbildung dauert drei Jahre, die Vergütung ist nach Tarif. Die Ausbildung findet teilweise beim Stolberger Unternehmen Prym sowie in der Berufsschule statt. Das Unternehmen ist international tätig und stellt so genannte Strangpresswerkzeuge her. Diese setzen andere Unternehmen dann zur Produktion verschiedenster Bauteile vom Aluminium-Fensterrahmen bis zu B-Säule im Auto ein.

Die Rechtsanwälte Hühne und Krapp haben eine Ausbildungsstelle zum Rechtsanwaltsfachangestellten offen. Die Ausbildung findet an drei Tagen pro Woche in der Kanzlei und an zweien in der Berufsschule statt. Die Vergütung erfolgt nach Tarif.

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