Aus der Krise gestärkt in die Zukunft

Von: Simone Dolfus
Letzte Aktualisierung:
9426188.jpg
Dr. Thomas Kreßner, Carmen Gerlach, Uwe Hartge (Projektleiter bei „Möbel und mehr“) sowie Herbert Kaltenbach (v.l.) setzen sich für den Fortbestand des Christlichen Sozialwerks Jülich ein. Foto: Dolfus

Jülich. „Wir haben das Problem, dass die Leute denken, es gibt uns nicht mehr“, bringt es Carmen Gerlach, leitende Mitarbeiterin beim Gebrauchtmöbelkaufhaus „Möbel und mehr“ des Christlichen Sozialwerks Jülich (CSJ), auf den Punkt. Hintergrund ist das Insolvenzverfahren, das der Vorstand des Sozialwerks zu Jahresbeginn einleiten ließ.

„Vorsorglich“, wie Vorstandsvorsitzender Dr. Thomas Kreßner ausdrücklich betont, unter anderem auch, um seine ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder zu schützen, die bei einer Insolvenz privat mit ihrem Vermögen haften würden. Für das Jahr 2015 habe der eingetragene Verein sein Überleben zwar durchaus noch aus seinen Rücklagen sichern können, doch man habe mit großen finanziellen Einbußen zu kämpfen, seitdem Mitte 2014 Fördermittel der öffentlichen Hand weggebrochen seien.

Konkret handelt es sich hierbei um den Wegfall des Aufgabenbereichs der „Ein-Euro-Job-Vermittlung“, der seitens der Jobcom an das Christliche Sozialwerk vergeben worden war, sowie das Auslaufen des von Bund und Europäischem Sozialfonds zu drei Vierteln finanzierten Projekts „Bürgerarbeit“, aus dem vier Mitarbeiter des Jülicher Vereins bezahlt wurden. „Das waren alles Alleinerziehende, die hier gute Arbeit geleistet haben und die wir übernommen haben“, so Kreßner. Nun müsse das CSJ deren Gehalt zu 100 Prozent selbst übernehmen. Der weitere Fortbestand des Sozialwerks sei aufgrund dieser Entwicklungen für die weitere Zukunft in großer Gefahr gewesen.

Auch Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Dr. Mark Boddenberg aus Düren habe dem Verein bestätigt, dass der frühzeitige Gang ins Insolvenzverfahren einen guten Spielraum für die weitere Zukunftsplanung gebe. Denn: „Ziel des Verfahrens ist nicht die Liquidation, sondern die Fortführung des Vereins“, so Dr. Thomas Kreßner.

Mittlerweile habe man mit ersten Einsparungen reagiert, so wurde der Standort am Kirchplatz 6, wo die Alten- und Familienhilfe des Sozialwerks und die Verwaltung angesiedelt war, aufgegeben. Die Alten- und Familienhilfe, die verschiedene haushaltsnahe Leistungen anbietet, befindet sich nun wie das Möbelkaufhaus und die Verwaltung an der Schützenstraße 6. Einzig die vom CSJ betriebene Fahrradwerkstatt für Bedürftige bleibt in der Stiftsherrenstraße.

Zudem habe man vom Bistum Aachen und der Diakonie Düsseldorf – die katholische und die evangelische Kirche in Jülich sind Träger des ökumenischen Vereins – bereits konkrete Hilfszusagen erhalten. Gleichzeitig werde geprüft, ob man den eingetragenen Verein in eine gemeinnützige GmbH umwandeln und zu einem Integrationsbetrieb machen soll. Dazu laufen aktuell Gespräche mit der Aktion Mensch. „Das würde bedeuten, dass wir mindestens zu 40 Prozent Menschen mit Behinderung in unserem Betrieb einstellen“, erläutert Vorstandsmitglied Herbert Kaltenbach.

Da das CSJ, das gerade Langzeitarbeitslose mit schwieriger Jobperspektive langfristig in den Arbeitsmarkt integrieren will, bereits über einige Erfahrung mit Menschen mit verschiedenen Handicaps verfügt, dürfte dies keine allzu große Hürde darstellen. „Wir gehen liebevoll mit ihnen um“, so schildert es Dr. Thomas Kreßner.

Aktuell sind bei „Möbel und mehr“ vier Personen und eine leitende Kraft fest angestellt, dazu kommen fünf Ehrenamtler, die angesichts der zum Teil schweren körperlichen Arbeit eine Aufwandsentschädigung erhalten. Die Alten- und Familienhilfe zählt neun Mitarbeiter plus Leitung, die Fahrradwerkstatt zwei Mitarbeiter. Als Kooperationspartner im Café Gemeinsam trägt das Sozialwerk einen Teil der dort anfallenden Kosten mit. Erst einmal sind diese Arbeitsplätze nicht gefährdet, ein Teil der Angestellten würde bereits die Kriterien für den Integrationsbetrieb erfüllen.

Schwieriger dürfte das Startkapital von 25.000 Euro für eine gGmbH aufzutreiben sein, wobei die Diakonie hier bereits ihre Unterstützung zugesagt hat. Dringender denn je angewiesen ist das Christliche Sozialwerk nun auf Kunden. Kunden, die Möbel kaufen oder Möbel abgeben; Kunden, die eine Haushaltshilfe beschäftigen.

„Natürlich ist bei unserem Geschäftsmodell klar, dass wir im Bereich Alten- und Familienhilfe defizitär arbeiten“, schildert Dr. Kreßner die Problematik. Denn das CSJ bezahle seinen Mitarbeitern „keine Schwarzmarktpreise“, sondern Lohn nach Tarif – auch im Krankheitsfall – und sorge für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Daher müsse anderweitig gespart, neues Geld akquiriert und neue Geschäftsfelder erschlossen werden.

Gedacht wird an eine Erweiterung des Sortiments bei „Möbel und mehr“, die Versorgung von Schulen und Kindertagesstätten mit Essen oder an eine Art „City-Management“ – ergänzend zum Angebot der Stadt Jülich im Kiosk an der Kölnstraße. „Ich bin sehr optimistisch, dass wir bis Mitte des Jahres stabil bleiben und danach auf neuen Beinen stehen“, glaubt Dr. Thomas Kreßner an einen Fortbestand des CSJ.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert