Augen auf und Daumen drauf: K.O.-Tropfen keine Chance geben

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Machen sehr schnell willenlos und sorgen für Erinnerungslücken: K.O.-Tropfen. Foto: dpa
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Sabrina Dicken von der Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“ gibt Tipps, wie man sich schützen kann. Foto: Mengel-Driefert

Jülicher Land. K.O.-Tropfen wirken schnell. Innerhalb von 15 Minuten treten die ersten Symptome auf: Schwindel und Übelkeit. Die Tropfen machen willenlos, führen zum „Filmriss“, also zeitweiligem Erinnerungsverlust. Sie sind geruchlos und geschmacksneutral.

Es reicht aus, sein Getränk kurz aus den Augen zu lassen, zur Seite zu blicken, schon können sie verabreicht werden. Auch im Jülicher Land treten immer wieder Fälle auf. Gerade um die Karnevalszeit suchen Frauen und Mädchen die Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“ in Jülich auf, berichten von verstörenden Erlebnissen, die sie sich nicht erklären können. Die Schilderungen weisen auf K.O.-Tropfen hin, sagt Diplom-Sozialpädagogin Sabrina Dicken. „In dem Moment, wo mir eine Frau berichtet, dass sie normal gegessen und keinen Alkohol getrunken hat, sich jedoch plötzlich nicht mehr erinnern kann – von jetzt auf gleich – ist das ein Indiz für die Verabreichung von K.O.-Tropfen.“

Es gibt wirkungsvolle Methoden, sich zu schützen. Tipp Nummer 1 ist natürlich, sein Getränk nicht aus den Augen zu lassen. Noch besser sei es, aus der Flasche zu trinken. Zum einen sieht man wie die Flasche geöffnet wird, zum anderen, kann der Daumen auf die Öffnung gelegt werden. Wer sich unsicher ist, ob er ein Getränk annehmen soll, aber niemand vor den Kopf stoßen will, kann einen Trick anwenden: Das Getränk annehmen, jedoch nicht trinken, sondern zur Seite stellen und stehenlassen.

Die meisten Mädchen und Frauen gehen in der Gruppe aus, das sei ein guter Schutz, sagt Dicken, die häufig Präventionsveranstaltungen in Schulen durchführt. Den Schülerinnen schärft sie ein: „Zusammen kommen, zusammen feiern und zusammen gehen.“ Denn: Gegenseitig aufeinander zu achten, sei die beste Versicherung. Passiert es dann doch, einem Mädchen wird plötzlich schwindelig oder übel, sei es wichtig, sofort Kontakt zu den Freundinnen oder dem Personal zu suchen. Auf keinen Fall sollten Betroffene allein auf die Toilette oder an die frische Luft gehen. Genau dieser Moment werde von dem Täter genutzt. Unter dem Vorwand zu helfen, bietet er sich an und kann das Opfer so problemlos an den Ort seiner Wahl bringen.

Das ist möglich weil das Mittel schnell betäubend und willenlos macht, die Umgebung dies aber kaum mit bekommt, weil die Betroffenen noch sprechen und laufen können. Lassen die Freundinnen das Mädchen dann nicht alleine, kann nichts Schlimmeres passieren. Im Verdachtsfall sollte die Polizei und auch der Notarzt hinzugerufen werden. Ist es zu einer Straftat gekommen, bietet die Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“ Hilfe an. Sabrina Dicken betont ausdrücklich, wer Opfer geworden ist, solle nicht die Schuld bei sich suchen und Hilfe in Anspruch nehmen. K.O.-Tropfen werden mit Blut- und Urintests nachgewiesen. Das muss zeitnah erfolgen, da sich die Substanzen sehr schnell abbauen.

Eine neue Erkenntnis ist, dass K.O.-Tropfen vermehrt in Beziehungen angewendet werden, oft im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt, informiert die Fachfrau in Jülich. Die Frauen haben dann Erinnerungslücken, finden Fotos von sich, die sie bewusstlos zeigen. Die Täter sind also nicht nur Fremdtäter. Und: Es sind nicht nur junge Frauen betroffen.

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