Auftritt von Nessi Tausendschön: Den Nerv der Zeit genau getroffen

Von: hivi
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Nessi Tausendschön brillierte in verschiedener Bekleidung im Kuba. Foto: W. Emde

Jülich. Intelligentes Kabarett brachte Nessi Tausendschön im gut besetzten Kuba auf die Bühne. Gleich zu Anfang wurde klargestellt, dass Comedians „wegen dem Geld“ spielen, Kabarettisten aber „wegen des Geldes“. Damit waren die Weichen gestellt, und ein Feuerwerk an intelligentem Kabarett prasselte auf die Zuhörer ein.

Das Publikum ging begeistert mit, als die Künstlerin, die von ihren Eltern zu diesem Beruf gezwungen wurde und die viel lieber den blutigen Beruf einer Chirurgin ausüben wollte, zum Zeitgeschehen Stellung nahm. Ihr Ziel, in lachende Gesichter zu sehen, hatte sie schon nach wenigen Minuten erreicht.

Unterstützt von dem musikalischen Allroundtalent William Mackenzie, unter Einsatz aller Facetten ihrer Stimme und verschiedenster Instrumente wurden ihre Songs zum Naturereignis.

Der Titelsong „Die wunderbare Welt der Amnesie“ erzählte von der Möglichkeit des Verdrängens und Vergessens. Durchaus realistische Beispiele wie vergessene Hochzeits- und Muttertage wurden zum Anlass eines melancholischen, persönlichen Rückblicks auf die Zeit der Kindheit. Das Beispiel des hingebungsvollen Zubereitens der Trauben durch die Mutter (durchschneiden, Kerne rausschlotzen) zeigte wahre Mutterliebe.

Postfaktisches Denken wurde analysiert, Fake News und Schönheitsoperationen unter die Lupe genommen. Die Politik bekam ihr Fett weg. Die Parodien von Nessi ernteten gewaltige Lachsalven und großen Applaus. Ihr Gesang mit vollem Stimm- und Körpereinsatz, war ein Naturereignis, ihre Choreographie künstlerisch wertvoll.

Dem Bericht über Sexhotlines folgte die Einlage der Sportreporterin Nessi Tausendschön, die fachkundig über das spezielle wirklich mitreißende Sportereignis „das Kunstvögeln“ anschaulich und detailverliebt mit großem Temperament berichtete.

Der Kontakt zum Publikum wurde ständig gehalten, einzelne Personen angesprochen und Kommentare gezielt angebracht-.

Aber auch die leisen, nachdenklichen und melancholischen Töne beherrschte Nessi, vor allem wenn sie sich selbst mit ihrer jammernden, singenden Säge, ihrem „handgemachten Tinnitus“ begleitete. Bei dem Song „Antriebslos“, mit einer Schnecke als Wappentier wird deren Schleimspur zum Symbol der Geruhsamkeit.

Ihr Lieblingsthema allerdings war sie selbst. Die Wutausbrüche ihres Lieblingsschauspielers Jean Gabin waren Anlass, zu zeigen, wie viel schauspielerisches und gleichzeitig komödiantische Talent in ihr steckt. Nessi als Wutbürgerin war schon ein Erlebnis.

Ihre Satire war nicht leise und still, ihr „Ziegenficker Blues“ zur Verbesserung der Welt durchaus hörenswert. Die Alkoholabhängigkeit ihres Schutzengels führte zum Antitrinkerlied „Bar der Vernunft“. Verschiedene Kleiderwechsel waren sichtlicher Grund der Freude beim Publikum. Die dadurch entstehenden kleinen Pausen wurden elegant und amüsant von ihrem Partner „weggezaubert“.

Als „Russin aus Kasachstan“, die ihren Biobauern heiraten will, hielt sie unserer Gesellschaft den Spiegel vor. Ihr Heimweh nach Russland versuchte sie durch Aufenthalte in Pelz gekleidet in der Gefriertruhe zu bekämpfen.

Nessi traf den Nerv der Zeit, brachte aktuelle Themen, aber auch allgemeingültige, zeitlose Weisheiten. „Gehen Sie gut mit Ihren Erinnerungen um“ so lautete der Rat, den Nessi Tausendschön ihrem Publikum mit auf den Weg gab. Die Erinnerung an diesen Kabarettabend mit dieser Spitzenkünstlerin wird sicherlich gut im Gedächtnis der Besucher bleiben.

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