Aufstieg und Fall der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim geschildert

Von: ptj
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„Eine Bank prägt das Rheinland“ und Haushistorikerin Gabriele Teichmann vermittelt ihre Geschichte: Hier referiert sie im vollbesetzten LVR-Kulturhaus Landsynagoge in Rödingen über die Privatbank Sal. Oppenheim. Foto: Jagodzinska

Rödingen. Unter der Überschrift „Eine Bank prägt das Rheinland“ durchlief Referentin Gabriele Teichmann 225 Jahre Wirtschafts-, Kultur- und Gesellschaftsgeschichte in rund 100 Minuten im LVR-Kulturhaus Landsynagoge.

Sie ist seit 30 Jahren bei Sal. Oppenheim beschäftigt und seit 1990 Leiterin des Unternehmensarchivs. In der Vermittlung der Oppenheim-Geschichte sieht die Haushistorikerin ihre Hauptaufgabe. „Ich erforsche schon so lange die Oppenheim-Geschichte, da gehen mit mir schon mal die Pferde durch“, warnte sie ihr Publikum in der vollbesetzten ehemaligen Synagoge vor Zeitüberschreitung.

Ausführlich und kurzweilig

Die Zuschauer erlebten tatsächlich einen mehr als ausführlichen, dabei stets kurzweiligen, mit humorvollen Beschreibungen und ungewöhnlichen Seitenblicken gespickten Vortrag: Die Geschichte eines bahnbrechenden und außergewöhnlich erfolgreichen Familienunternehmens – bevor es 2010 ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der Deutschen Bank wird und sich vom Investment-Banking trennt.

„Innovativ, aufbrechend und wagemütig“, gründet der erst 17-jährige Salomon Oppenheim aus einer jüdischen Händlerfamilie 1789 in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus. 1798 verlegt er den Unternehmenssitz nach Köln, wo „Juden wieder leben dürfen und er seine Zukunft sieht“. Schon 1810 ist Sal. Oppenheim das zweitgrößte Bankgeschäft Kölns. 1837 macht das Familienunternehmen als Mitbegründer der Rheinischen Eisenbahn Köln zum Verkehrsknotenpunkt Westdeutschlands und beteiligt sich 1843 an der Köln-Mindener Eisenbahn.

In der Folge ist Sal. Oppenheim unter anderem ebenfalls Mitbegründer der „Colonia Kölnischen Feuerversicherung“, ein erster Schritt Kölns zur Versicherungsmetropole. Ferner bei der „Crédit Mobilier“, der Aktiengroßbank Europas in Paris, wohin er eine Tochter verheiratet hat, oder bei der internationalen Bank in Luxemburg. 1858 konvertiert Gründer-Enkel Albert Oppenheim anlässlich seiner Hochzeit zum katholischen Glauben. Ein Jahr später tritt sein Bruder Eduard bei seiner Heirat zur evangelischen Kirche über. Teichmann interpretiert den Glaubenswechsel als „Mittel der Anerkennung, denn die Oppenheims wurden die Diskriminierung nicht los“.

Im Dombauverein engagiert

Aus ähnlich gelagerten Gründen unterstützt das jüdische Familienunternehmen auch zahlreiche kulturelle Projekte. Das berühmteste ist die Vollendung des Kölner Domes: „Über 40 Jahre sind die Oppenheims im Kölner Zentraldombauverein geblieben, mit sehr großen Beitragszahlen und aktivem Engagement“, sagte Teichmann. 1867 wird Simon Oppenheim für seine Verdienste um die Eisenbahnfinanzierung vom österreichischen Kaiser Franz Joseph in den erblichen Freiherrnstand erhoben, sein Bruder Abraham ein Jahr später in Preußen. 1880 ist Sal. Oppenheim Mitbegründer der „Kölnischen Unfall-Versicherungs-AG“, die 1919 mit der Colonia fusioniert.

1904 kommt es indes nach einer Fehlinvestition in der Elektroindustrie zur Krise. Die Bank wird in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt, an der sich die große Disconto-Gesellschaft bis 1919 beteiligt. Unter dem Druck des Nationalsozialismus sieht sich das private Bankunternehmen zu einer Namensänderung gezwungen und firmiert von 1938 bis 1947 unter dem Namen seines Teilhabers, „Pferdmenges & Co“. 1952 gründet Sal. Oppenheim mit 27 Unternehmern der deutschen Eisen- und Stahlindustrie das Konsortium für Kurssicherung.

1964 wird Alfred von Oppenheim persönlich haftender Gesellschafter und baut die Vermögensverwaltung neben dem Firmenkreditgeschäft als zweite Säule aus. 2007 wird das Bankhaus Sal. Oppenheim zur neuen Konzernobergesellschaft und sein Geschäftssitz nach Luxemburg verlegt. „Man hat sich verzettelt, nicht mehr strategisch geplant. Aber viele Facetten haben dazu beigetragen, dass das Unternehmen den Bach heruntergegangen ist“, analysierte Teichmann, die sich naturgemäß „sehr verbunden fühlt mit diesem Bankhaus“ und ihm „eine Zukunft innerhalb des Frankfurter Bankenkonzerns wünscht“.

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