Auf den Spuren des Planers René von Schöfer

Von: ptj
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„Allein durch die Vielzahl der Projekte ist von Schöfer wichtig für die Stadtgestaltung“. Hier ein Blick vom Kirchturm auf den Marktplatz. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Allein durch die Vielzahl der Projekte ist von Schöfer wichtig für die Stadtgestaltung. Ihn aber als den einen großen Geist des Wiederaufbaus anzusehen, davon würde ich absehen.“ So lautete das Resümee des Architekturhistorikers Moritz Wild.

Er hielt auf Einladung des Fördervereins Festung Zitadelle Jülich nach dessen Jahreshauptversammlung im Hotel Kaiserhof einen hochinteressanten Vortrag zum Thema „René von Schöfer – sein Wirken in Jülich“.

Moritz Wild baute seine Dissertation im Rahmen eines Promotionsstipendiums zum Thema „Architekturlehre und Städtebau der 20er bis 50er Jahre im Regierungsbezirk Aachen“ mit Hilfe von „Vorarbeiten des (gastgebenden) Fördervereins“ auf.

René von Schöfer, Professor für Bauformenlehre an der RWTH Aachen (1883-1954), der durch die sogenannte Dritte Stadtgründung Jülichs nach dem Zweiten Weltkrieg bekannt wurde, war für Wilds Dissertation nur „Mittel zum Zweck“. So fand er aber einen „Oberrahmen für die großen Verstrickungen vieler Personen“, wie der ebenfalls anwesende Professor für Baudenkmalpflege, Jürgen Eberhardt, es abschließend formulierte.

Neben von Schöfers Werdegang lagen dem Referat drei Bebauungspläne (von 1939 bis 1949/50), weitere Satzungen und Vorentwürfe und vier Architekturwettbewerbe (Markt- und Kirchplatz, Altes Rathaus, Durchgangsstraße, Neues Rathaus) zugrunde. Die Präsentation letzterer war verbunden mit öffentlichen und privaten Interessen im Konflikt. Es folgten weitere Hochbau-Entwürfe und Ansätze für zukünftige Forschungen.

Ein schönes Beispiel für das Zusammenspiel von Jülicher Bürgern, Politik und von Schöfer war die Diskussion um Ort und Art des Wiederaufbaus nach der fast völligen Zerstörung der Herzogstadt. Jülicher Bürger bevorzugten die rekonstruierte „Altstadt“ an alter Stelle. Von Schöfer plädierte für einen neu gestalteten Aufbau an benachbarter Stelle neben einer „Denkmalinsel“. Der Provinzialkonservator wollte die Gestaltung einer neuen Bauform an alter Stelle.

Gestalterische Impotenz

Die Entscheidungsfaktoren waren Heimatgefühl, Grundbesitz, die weitgehend intakte Infrastruktur und damit die Wirtschaftlichkeit. René von Schöfer sprach von der „gestalterischen Impotenz der Gründerzeit“. Er idealisierte die vorindustrielle Gesellschaft und nahm deren Architekturformen zum Vorbild. Er bevorzugte klar strukturierte Formen in einem „konkav bestimmten Straßenbild“.

Als Prototyp und gleichzeitig als dringender Bedarf wurde das in Backstein-Lochfassade errichtete Stadthotel Kratz mit seinen rechteckigen Fensteröffnungen, betontem Erdgeschoss und Satteldach vorgestellt und 1947 mit Ausnahmegenehmigung errichtet.

Interessant ist der Wettbewerb für die Durchgangsstraße 1948. Hier nahm von Schöfer weder als Architekt teil noch bekam er im Nachhinein den Zuschlag. Sondern er saß mit Vertretern aus Wirtschaftsministerium, Landesplanungsgemeinschaft und Stadtvertretung im Preisgericht. Sieger wurde von Schöfers langjähriger Mitarbeiter Wilhelm Kaspar Fischer.

Teillösungen aus allen Beiträgen flossen in den Bebauungsplan 1949/50 ein. Von Schöfer hatte die Stärkung der Kaufkraft durch direkte Durchfahrtstraßen zu den Geschäften vorgeschlagen. Weil aber die Geschäftsleute dafür ein Stück ihrer Grundstücke hätten abtreten müssen, scheiterte das Vorhaben. Innerhalb des Wettbewerbs wurde auch geprüft, den Verkehr einspurig über den Marktplatz zu leiten, aber keinem der Architekten gefiel die Lösung.

Beim Wettbewerb für das „Neue Rathaus“, ein beschränkter Wettbewerb des Kreises Jülich, fungierte von Schöfer als Preisrichter, ein Preisgericht gab es nicht mehr. „Weil der Kreis nicht wusste, was er wollte“, gewann niemand den Wettbewerb. Die besten Teilnehmer sollten ihre Entwürfe für eine zweite Runde überarbeiten, die dann Wilhelm Kaspar Fischer zu begutachten hatte.

Weitere Hochbau-Entwürfe von Schöfers in Jülich sind das Autohaus Neulen, das trotz seiner „ungefähr noch vorhandenen Fassadeneinteilung“ heute kaum wiederzuerkennen ist, oder der Getreidespeicher Peltzer, heute Druckerei Gissler & Pass.

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