Auf dem Rad zum Lago Maggiore

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Jülich/Krauthausen. Vor 52 Jahren war der Krauthausener Eckhard Siegert, mittlerweile ein Europa-erfahrener Radfernfahrer, mit einer evangelischen Jugendgruppe unter der Leitung des damaligen Katecheten Gerd Johenneken von der Christuskirche in Jülich in der „Casa Moscia” bei Ascona.

Es war für ihn eine unvergessliche Jugendfreizeit. Und 29 Jahre ist es her, dass er mit dem selben Rad und dem selben Trikot auf dem Weg nach Mailand den 2106 Meter hohen St.Gotthard überquerte.

Schweizer Sonnenstube

Das Tessin, gemeinhin als „Sonnenstube der Schweiz” bezeichnet, die Berg- und Seenlandschaft - ist viel mehr als nur ein See. Die „Casa Moscia” im gleichnamigen Ort, malerisch am See gelegen, gibt es auch noch heute in bewährten evangelischen Schweizer Händen, nur unter neuer Leitung.

Hocherfreut nahm man die Reiseabsichten des mittlerweile 68-jährigen Erinnerungsreisenden mit dem Rad zur Kenntnis.

Doch hohe Berge im Norden des Tessin machen eine Anfahrt mit dem Rad zu einem nicht völlig einfachen Abenteuer. Mit sechs Etappen von rund 170 Kilometern pro Tag, einer wasserdichten Regenjacke, viel Übung und nur sechs Kilogramm Gepäck, sei es nach Meinung Siegerts zu schaffen.

Die Anfahrt erfolgte durch die Eifel im Regen, an der Ahr und dem Rhein entlang, der Besuch der geschichtsträchtigen Städte Worms und Heidelberg, die Durchquerung des Schwarzwaldes von Nord nach Süd, immer wieder stundenlang im Regen und zwei platte Reifen in den Bergen, schließlich Luzern mit seiner ältesten gedeckten Holzbrücke der Welt und der anschließende Vierwaldstättersee mit seiner berühmten Axenstraße und der Tellsplatte.

Das alles klingt gut, lässt aber alles nicht ganz so einfach erscheinen. Die gastlichen Jugendherbergen, vorher reserviert, mal einfach, mal komfortabler, erleichtern den Tages- und Nachtablauf und bringen letztlich eine Linie in die Reise, so Siegert.

In Altdorf beginnt schließlich der 47 Kilometer lange, legendäre ständig 8 bis 10 Prozent stetig ansteigende St. Gotthard-Pass, der nachdem die Autofahrer durch den Tunnel gen Süden entschwunden sind, ab Hospental mit uraltem Rennrad-feindlichem Granitpflaster das Radeln noch mehr erschwert. Gruselstimmung kommt auf, Nebelfetzen, Schneereste am Straßenrand und es regnet mal wieder.

Der Scheitelpunkt des Passes und gleichzeitig die Wetterscheide sind von herber Schönheit, gerade richtig für ein Gipfelfoto, im selben Trikot, an der selben Stelle wie vor 29 Jahren.

Dann wird die Straße trocken und die 14 Kilometer lange, in 24 Kehren verlaufende Abfahrt durch die Tremola („Tal des Zitterns”) nach Airolo, wird nicht zur Rutschpartie, wenn auch plötzlich zwischendurch auf dem alten Pflaster, recht gefährlich, der letzte Reifen platzt.

Endlich in gleißender Sonne und bei 33 Grad am sechsten Tag ist am frühen Nachmittag das Ziel kurz vor der italienischen Grenze in Moscia erreicht.

Der Aufenthalt in dem erinnerungswürdigem Haus nach 52 Jahren, der Besuch der blumenübersäten Brissago-Inseln und die 170 Kilometer lange Rundfahrt nach einem Ruhetag um den malerischen Lago Maggiore werden zum Kick der ganzen Radfernfahrt. Vergessen sind nun das schlechte Reisewetter, die Anstrengungen und die Schäden an dem nunmehr 33 Jahre alten Rad .

Nach einer 30 Kilometer langen Radfahrt in den frühen Morgenstunden am nächsten Tag über Locarno nach Bellinzona und von dort nach elfeinhalb Stunden Bahnfahrt, mit genügend Zeit zu einer Stadtrundfahrt durch Basel und dem Besuch des Baseler Münsters und der allerletzten Radfahrt von Düren über Selhausen nach Krauthausen ist Eckhard Siegert schließlich wieder daheim eingetroffen.
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