Auf dem Jülicher Schlossplatz fallen Bäume

Von: Alexander Barth
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Auf dem Schlossplatz röhren die Kettensägen – sehr zur Verwunderung vieler Passanten. Die Arbeiter der Stadt fällen Bäume, die von Braunfäule betroffen und dadurch instabil sind. Das ist von außen zunächst nicht sichtbar. Foto: Barth

Jülich. Der Schlossplatz ist so etwas wie die „gute Stube der Stadt“. Da reagieren die Bewohner empfindlich auf jede Veränderung, auch wenn die lange vorher angekündigt war. Diese Erfahrung machten Bauhof und Stadtverwaltung in den letzten Tagen, als auf dem exponierten Areal die Kettensäge angesetzt wurde, um kranke Bäume zu entfernen. „Wir bekommen ganz schön was zu hören von den Passanten“, sagt Ralf Hölters.

Als Baumpfleger der Stadt ist er mit einer Handvoll Kollegen für das Fällen zuständig – und dabei immer wieder dem mittelschweren Volkszorn ausgesetzt. „Man wirft uns vor, wir hätten keine Ahnung, würden gesunde Bäume grundlos fällen. Die Leute sehen aber nicht, wie es im Inneren aussieht.“ Hölters hat Verständnis für emotionale Reaktionen, „aber bei Beleidigungen ist irgendwann Schluss mit meiner Geduld. Wir machen das hier, weil die Bäume nicht mehr standfest sind und damit zur Gefahr werden.“

Die Braunfäule sei eine der Hauptursachen für die Fällaktionen. Erst am Dienstag mussten acht Bäume rund um den Schlossplatz deswegen weichen. Als Ralf Hölters Kollege den Stamm einer japanische Zierkirsche in Stücke zersägt, kommt im Querschnitt das Dilemma zum Vorschein.

Die dunkle Verfärbung im Inneren sei ein deutliches Zeichen für Fäulnis, der Baum nicht mehr zu retten, sagt Hölters. Gründe für das Absterben gebe es mehrere: „In der Vergangenheit ist oft falsch beschnitten worden. Das Wurzelwerk wird durch Beton eingeschränkt und kann sich nicht mehr entfalten. Auch Luftverschmutzung und eingewanderte Schädlinge spielen eine Rolle.“

Die gerade gefällte Zierkirsche habe rund 40 Jahre durchgehalten, schätzt Ralf Hölters. „In den nächsten Jahren werden uns etliche Bäume am Schlossplatz Probleme bereiten. Wir tun alles, um das Fällen zu verhindern.“ Wenn die erhaltenden Maßnahmen aber aussichtlos seien, bliebe nur die Motorsäge als letztes Mittel. Der Experte beschreibt das Gefahrenszenario: „Wenn große Äste abbrechen, wird es richtig ungemütlich für Passanten.“

Die Reaktionen der Jülicher auf die Fällaktionen rührten oft von Unkenntnis über die Notwendigkeit, obwohl die Maßnahmen lange bekannt seien, sagt Martin Schulz, Beigeordneter der Stadt Jülich. Im vergangenen Herbst habe man im Ausschuss die gerade laufenden Aktionen beschlossen und das auch öffentlich kommuniziert. „Wir werden uns aber bemühen, die Jülicher im Vorfeld noch besser zu informieren.“

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