Audiovisuelles Konzert: Der Computer wird zum Instrument

Von: jan
Letzte Aktualisierung:
13471668.jpg
So sieht ein Bild aus, das mit Hilfe von Klängen entsteht: Hiromi Ishii und Wilfried Jentzsch präsentieren eines ihrer Werke in der Schlosskapelle. Bei der Aufführung am Donnerstag wird alles größer: die Leinwand und die Beschallungsanlage beispielsweise. Foto: Jansen

Jülich/Kreis Düen. Am Donnerstag gibt es in der Jülicher Schlosskapelle eine Antwort auf die Frage, was der Computer mit Kunst zu tun hat. Sehr viel; sagen die Komponisten und Künstler Prof. Wilfried Jentzsch und Dr. Hiromi Ishii. Am 24. November stellen sie ihre Werke ab 19 Uhr vor.

90 Minuten dauert die Vorstellung, die der Kunstförderverein des Kreises Düren präsentiert.  Der Eintritt ist frei.Das, was die beiden Musiker in der Schlosskapelle präsentieren, ist neu im Kreis. Visual Musik heißt die Kunstform, der Name ist Programm. Ishii und Jentzsch geben sehr unterschiedliche Antworten darauf, wie Musik aussehen würde, würde sie als Bild gemalt. Auf einer großen Leinwand bewegen sich die meist sehr abstrakten Bilder zur Musik. Die Eindrücke, die auf das Publikum kommen, sind mal sphärisch, mal meditativ, mal brechen sie mit Seh- und Hörgewohnheiten.

Zuerst seien sie skeptisch gewesen, was den Aufführungsort für die Visual Musik-Inszenierung angeht, sagte Josef Vahsen vom Kunstförderverein. Dann hätte man die Schlosskapelle besichtigt, danach sei klar gewesen, dass es keinen besseren Ort geben könne. „Die Schlosskapelle ist in einer Zeit entstanden, in der sich in Kunst, Technik und Baukunst viel geändert hat“, sagte Vahsen und spielte auf die Renaissance an. „Heute ist das Smartphone aus dem Leben kaum noch wegzudenken. Da stellt sich die spannende Frage, wie die Kunst damit umgeht“, leitete Vahsen zu den beiden Künstlern über.

Sie bedient sich des Computers, sagten Ishii und Jentzsch. „In den vergangenen Jahren war hat sich die Rechnerleistung rasant entwickelt. Das eröffnet ganz neue Möglichsten“, erklärte Jentzsch. „Darin, dass wir den Computer für unsere Kunst nutzen, sehe ich eine Analogie zur Entwicklung der Gesellschaft.“

Mal zeichnet die Musik das Bild, mal löst sie das Bild auf. In Ishiis Werk „When the bells are rebuilt“ ist ein Marienbild aus dem Kloster Isenhagen die Grundlage. Das Bild verändert sich mit den Klängen, die sie beispielsweise aus den Gesängen und Glockenklängen aus verschiedenen Klöstern entnommen hat. Mit Hilfe des Computers geraten die Bildpunkte in Schwingung, reagieren auf die Lautstärke, die Klangfarbe oder das Tempo.

Bei Jentzschs „Particle world“ ist eine Saite einer Laute der Ausgangspunkt. Mit Hilfe des Computers wird diese Saite innerhalb von Millisekunden granuliert, die Partikel bewegen sich zu den Klängen und bilden neue Formen.

Lange habe es Vorbehalte gegen Visual Musik gegeben, berichtete Jentzsch. „Der Computer hat nichts mit Kunst zu tun – das war ein immer wiederkehrender Vorwurf. Aber eine neue Zeit braucht neue Klänge und neue audiovisuelle Erfahrungen“, sagte der Künstler. Justus Peters vom Kunstförderverein erklärte, warum am Donnerstag eine neue Kunstrichtung im Kreis Düren präsentiert wird. „Wir versuchen immer, neue Wege zu gehen in der bildenden Kunst. Da passt es gut ins Bild, dass wir diese neuen Denkanstöße in Jülich präsentieren, einem Ort der Weltoffenheit und Wissenschaft.“

Jentzsch ergänzte, dass Visual Musik als Kunstrichtung nicht neu sei. Als Keimzelle gelten die Bilder Wassily Kandinskys, der als einer der Wegbereiter der abstrakten Kunst gilt. Oskar Fischer sei der erste große prominente Vertreter der Visual Musik gewesen. Sein Werk galt zur Zeit des Nationalsozialismus als entartete Kunst. „Deswegen ist er nach Los Angeles gegangen und wird heute als Gründervater gefeiert.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert