Auch Zuckerfabrik Jülich will die Produktion steigern

Von: Antonius Wolters
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Dieser Anblick der Zuckerfabrik wird künftig in Jülich länger zu sehen sein: Die Kampagne soll nämlich auf 120 bis 130 Tage ausgedehnt werden. Foto: Wolters
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Ein klares Bekenntnis zur Zuckerrübe gab Frank Walser, Geschäftsführer von Pfeifer & Langen, auf der Mitgliederversammlung der Rübenbauern ab. Foto: Wolters

Bergheim/Jülich. Das Jahr ist zwar erst gut zwei Wochen alt, doch die rund 500 Mitglieder des Rheinischen Rübenbau-Verbandes (RRV) nahmen bei der Versammlung in Bergheim vor allem die 2017 anstehenden Veränderungen auf dem Zuckermarkt in den Blick. Das wird sich natürlich unmittelbar auf das Werk Jülich von Pfeifer & Langen und seine Produzenten auswirken.

Im kommenden Jahr fällt das bestehende Quotensystem weg, so dass auf dem Zuckermarkt mit einem schärferen Wettbewerb und großen Preisschwankungen gerechnet wird, auf die sich alle Marktteilnehmer frühzeitig einstellen müssen.

Dazu gehören bei den Landwirten namentlich die Anbauer von Zuckerrüben, die derzeit unsicher sind, wie es weitergeht und ob die süße Feldfrucht ihren hohen Stellenwert in Konkurrenz zu den übrigen Ackerkulturen wahren kann. Auch geht es um neue Lieferverträge mit den Zuckerfabriken und den Preis, der dabei erzielt werden kann.

Der Unsicherheit angepasst war das Interesse an der Mitgliederversammlung des RRV, der die Interessen der Rübenanbauern im Rheinland vertritt und die Konditionen mit der Pfeifer & Langen GmbH & Co. KG (P+L) aushandelt, die als Betreiber der rheinischen Zuckerfabriken Vertragspartner der Landwirte ist.

Der Umstand, dass der Zuckerpreis aktuell „unter Wasser“ ist und es beispielsweise in der Ernährungsdiskussion die Forderung nach einer Zuckersteuer gibt, um den Konsum zu verringern, tragen ebenfalls nicht gerade zur Beruhigung der Rübenbauern bei.

Zuckersteuer abgelehnt

Da tat es den RRV-Mitgliedern gut, dass Guido van den Berg, stellvertretender Landrat des Rhein-Erft-Kreises, etwa eine Zuckersteuer vehement ablehnt und der für seinen Landkreis so wichtigen Zuckerwirtschaft jede Unterstützung zusagte. „Die Politik muss uns den Rücken stärken und die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen“, rief RRV-Vorsitzender Bernhard Conzen den Gästen aus der Landes- und Bundespolitik zu, die er bei der Versammlung begrüßte und auf die große Herausforderung 2017 hinwies.

„Vieles ist noch nicht entschieden“, schlug RRV-Geschäftsführer Dr. Peter Kasten in die gleiche Kerbe, als er in seinem Rück- und Ausblick auf das Auslaufen des Quotensystems und die Ausgestaltung der neuen Marktordnung zu sprechen kam. Aktuell sei der RRV dabei, Ziele und Pflichten mit P+L zu vereinbaren, nachdem für 2015 die Rübenanbaufläche um durchschnittlich 19 Prozent reduziert worden sei.

Gleichzeitig seinen die Preise von 40,3 in 2014 auf 27,5 Euro pro Tonne Zuckerrüben in 2015 gefallen. Als weitere wichtige Themen erwähnte der Geschäftsführer das Versuchswesen an, denn erfolgreiche Sortenversuche würden schnell in die Praxis umgesetzt.

Das habe unter anderem dazu geführt, dass im Schnitt pro Jahr ein Mehrertrag von zwei Tonnen pro Hektar erzielt worden ist. Ein weiterer Punkt, der Dr. Kasten sehr am Herzen liegt und dessen Bedeutung zunimmt, ist die Pflege der Rübenmieten, wodurch die Zuckerverlust der gelagerten Pflanzen mehr als halbiert wird.

Der Mietenpflege kommt künftig gesteigerte Bedeutung zu, denn die Dauer der Kampagne dürfte künftig bis weit in den Januar ausgedehnt werden. Das ergibt sich jedenfalls aus den Worten von Bernhard Conzen, der die Bedeutung des Rübenanbaus im Rheinland unterstrich und durch den Wegfall der Quote die Chance sieht, mehr rheinischen Zucker auf dem Weltmarkt zu platzieren.

„Wir setzen voll auf die Rübe“

In eine ähnliche Richtung geht die Ankündigung des neuen P+L-Geschäftsführer Frank Walser, der in Bergheim seinen ersten größeren öffentlichen Auftritt in dieser Funktion vor den versammelten Rübenbauern absolvierte. Er sprach von der 145-jährigen Partnerschaft seines Unternehmens mit der Landwirtschaft und den Erfolgen, aber aktuell schreibe P+L rote Zahlen, was er als Vorbote des Wettbewerbs interpretiert, dessen Intensität zunehmen werde.

„Wir drehen jeden Stein um“, gelte es, die Effizienz zu steigern, Kosten zu senken, vom Feld bis zur Fabrik noch enger zusammenzuarbeiten und sich auch von Mitarbeitern zu trennen. „Wir setzen voll auf die Rübe“, rief Frank Walser den Landwirten zu, denn P+L „wird weiter Zucker herstellen, um im Konzert der Zuckerwirtschaft vorne mitzuspielen“. Um die eigenen Kapazitäten voll auszulasten, soll der Rübenanbau um bis zu 40 Prozent ausgedehnt werden, was die Produktion steigern und die Kampagne auf 120 bis 130 Tage ausdehnen werde.

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