Auch mit Jülicher Hilfe: Ein kubanisches Drama endet

Von: Guido Jansen
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Ein Buch und viel mehr als das: Josie Michel-Brüning und Dirk Brüning haben es nicht nur übersetzt, indirekt haben sie die Geschichte auch mit beeinflusst. Foto: Guido Jansen (2), privat

Jülich. Barack Obama, der Präsident der USA, ist derzeit auf Kuba. Er ist der erste US-Präsident seit 88 Jahren, der die Insel besucht. Denn Kuba und die USA waren Feinde. Sie sind es eigentlich immer noch. Aber in jüngster Zeit sind Dinge passiert, die Anlass zur Hoffnung geben. „Dass wir das noch erleben dürfen...“ Diesen Satz haben Josie Michel-Brüning und Dirk Brüning in jüngster Zeit häufiger gesagt.

Das Jülicher Ehepaar hat einen besonderen Blick auf Kuba. Sie haben ihren Teil dazu beitragen, dass am 17. Dezember 2014 etwas passiert ist, mit dem die Brünings und viele andere niemals mehr gerechnet haben. Damals wurden Ramón Labañino, Antonio Guerrero und Gerardo Hernández von Obama nach eineinhalb Jahren geheimer Verhandlungen begnadigt.

Just an dem Tag, als die beiden Jülicher mit der Übersetzung eines Buches fertig wurden, das die Geschichte dieser drei und zweier weiterer Kubaner erzählt, die 2001 in den USA zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden waren. Das Buch heißt „Diesseits und jenseits der Straße von Florida“, und es erzählt die Geschichte dieser fünf Kubaner, die in ihrem Heimatland als „Los Cinco“, also die Fünf, verehrt werden, während sie in den USA als Staatsfeinde galten.

Die Fünf waren kubanische Agenten und hatten den Auftrag, die Aktivitäten der Exilkubaner aufzuklären, die im US-Bundesstaat Florida gelebt und dort mutmaßlich Anschläge auf Kuba geplant haben. 1998 wurden sie gefasst, 2001 zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Unter Obama wurden die Fünf begnadigt und durften nach Kuba ausreisen.

Die Brünings haben nicht nur das Buch des Autors Stephen Kimber ins Deutsche übersetzt. Sie gehören auch dem internationalen Netzwerk an, das sich viele Jahre für die Freilassung der Fünf eingesetzt hat, mit Petitionen, Protesten und der Suche nach Anwälten. „Unser Ziel war es, diese Mauer des Schweigens zu durchbrechen, die rund um die Fünf geherrscht hat“, sagt Dirk Brüning, der ein Berufsleben lang als Diplom-Ingenieur für Chemie am Forschungszentrum gearbeitet hat.

Das schafften sie, indem sie beispielsweise den jüngst verstorbenen Publizisten und Moderator Roger Willemsen als Unterstützer gewinnen konnten. Der Chemiker und die Diplom-Pädagogin haben viele Dokumente übersetzt, um den Fall auch in Deutschland öffentlich zu machen.

Trotzdem, viele Jahre habe es so ausgesehen, als sei diese Mauer des Schweigens undurchbrechbar. Die Fünf blieben inhaftiert. „Wir konnten aber nicht aufhören. Mittlerweile kannten wir die Frauen und Mütter der Fünf persönlich“, sagt Brüning, warum das Jülicher Paar und viele andere Aktivisten weltweit über viele Jahre gefühlt einen Kampf gegen Windmühlen geführt haben.

Im Januar haben die Brünings im Konsulat in Bonn Gerardo Hernández getroffen, den vermeintlichen Kopf der Fünf, der ursprünglich zu einer Haftstrafe von zweimal lebenslänglich verurteilt worden war, plus 15 Jahre. „Er hat uns gesagt, dass ihm diese internationale Solidarität Mut gemacht habe durchzuhalten“, berichtet Josie Michel-Brüning von dem Treffen. Früher ist das Paar durch die Weltgeschichte gereist für die Sache der Fünf.

„Wir sind darüber alt geworden“, sagt sie. 71 Jahre zählen beide. Reisen nach Kuba beispielsweise sind heute mit zu viel Mühe verbunden. Deswegen verfolgen sie von zu Hause gespannt, zu welchen Resultaten der Obama-Besuch auf Kuba führt. Wie geht es weiter mit dem US-Gefangenenlager in der kubanischen Guantanamo Bucht? Wie entwickelt sich das Verhältnis zwischen beiden Staaten, das seit dem Kalten Krieg und dem 1962 seitens der USA verhängten und immer noch gültigen Handelsembargo nachhaltig gestört ist? Ein Hoffnungsträger für ein besseres Verhältnis ist Obama aus ihrer Sicht nicht. Und dann doch wieder.

Denn so nah wie mit dem Besuch im Moment sind sich Kuba und die USA lange nicht mehr gekommen. Obamas Zeit läuft ab, am 8. November wählen die USA einen neuen Präsidenten. „Wir haben da böse Befürchtungen“, sagen die Brünings. Vor allem für den Fall, dass Donald Trump nicht nur als Kandidat der Republikaner, sondern auch als Präsident das Rennen machen sollte. Andererseits sind sie auch schon positiv überrascht worden. Beispielsweise, weil sie am 17. Dezember 2014 festgestellt haben, dass ihre Übersetzungsarbeit doch nicht fertig ist. Denn mit der Begnadigung war klar, dass Stephen Kimber noch ein Kapitel nachlegen würde. Auch das haben die Brünings übersetzt.

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