Koslar - Au-Pair: Ein Jahr lang Neuseeland statt Koslar

Au-Pair: Ein Jahr lang Neuseeland statt Koslar

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„Genau, dahin will ich“, zeigte Frauke Süß im vergangenen Jahr auf die große Insel Neuseeland, auf der die Koslarerin schon fast ein ganzes Jahr lebt. Aber nun, entgegen ihrem Plan, auf der Nordinsel. Foto: hfs.

Koslar. Im Juni vergangenen Jahres verabschiedete sich die 18-jährige Abiturientin Frauke Süß von ihrer Familie, Freunden und Bekannten. Ihr Traum, für ein Jahr als Au-Pair-Mädchen nach Neuseeland zu gehen, setzte sie in die Tat um.

Von Frankfurt aus flog sie mit großen Erwartungen, Vorstellungen und Wünschen ans Ende der Welt. Von dort erreichte uns nun ein Bericht, mit großer Zeitverzögerung, denn nicht alles, was Frauke Süß damals plante, konnte sie umsetzten. Aber lesen Sie selbst den Bericht, den die junge Frau als „Mein Abenteuer Neuseeland“ beschreibt.

Am 30. Juni startete mein Abenteuer in die Ferne als Au-Pair. Es war alles sehr aufregend für mich. Der letzte Tag Zuhause war mit leichtem Nebel bedeckt – immer im Hinterkopf: „Du fliegst gleich für ein ganzes Jahr an das andere Ende der Welt!” Nach der letzten Abschiedsrunde, die für mich alles andere als leicht und trotzdem voller Vorfreude gewesen ist, haben mich meine Eltern, meine Schwester und meine beste Freundin zum Frankfurter Flughafen gebracht, wo ich zum ersten Mal meine Reisekumpanen getroffen haben.

Erkannt haben wir uns alle an den T-Shirts, die wir von unserer Agentur (AIFS) bekommen haben. Der Abschied war sehr emotional, nicht zuletzt auch durch die „Good byes” der Mitreisenden. Nach einem langen Flug über Dubai und Melbourne kam ich nach 33 Stunden Reisezeit in Auckland an. Dort gab es einen dreitägigen Vorbereitungskurs, der uns auf unsere Gastfamilien und unser Leben als Au Pairs vorbereiten sollte.

Am Freitagabend ging es dann zu meiner Gastfamilie auf die Südinsel nahe der Stadt Christchurch. Dort erwarteten mich meine Gasteltern, ein neugeborenes Baby, ein zwei Jahre altes Mädchen und zwei Jungs im Alter von vier und sechs Jahren sowie zwei Katzen. Ich muss schon sagen, es ist sehr seltsam, in einer fremden Familie anzukommen, die für ein Jahr ein neues Zuhause sein sollte. Neben den neuen Gewohnheiten der Familie, den fremden Charaktereigenschaften der Kinder, meiner ungewohnten Umgebung und meinem frischem Arbeitstag musste ich meine Gefühle unter einen Hut bekommen. Von Vorfreude, Neugierde bis Heimweh und Unsicherheit war alles dabei. In der ersten Zeit hat mir meine Arbeitsroutine Halt gegeben.

Um 7 Uhr in der Frühe habe ich in der Küche den Kindern Frühstück und Lunchpakete fertig gemacht, sie angezogen und zur Schule gebracht. Nach der täglichen Hausarbeit (Staubsaugen, Badezimmer putzen, Wäsche waschen und aufhängen) hatte ich meine erste Arbeitsschicht hinter mir und fünf Stunden Pause (gerne auch mal weniger Pause). Um 3 Uhr nachmittags war es mein Job, die Kinder von der Schule abzuholen, die Lunchboxen zu säubern und die Kinder zu beschäftigen, bis es an der Zeit war zu kochen. Nach dem Abendessen wurden die Kinder bettfertig gemacht und ins Bett gebracht. Ein ganz normaler Tag geht zu Ende.

Nach einer Woche habe ich erste Kontakte zu anderen Au Pairs hergestellt. Wie sich später noch herausstellt, wurden sie mehr als nur flüchtige Bekannte. Nach einer Weile musste ich feststellen, dass meine Persönlichkeit mit der der Familie nicht zusammengepasst hat, sowie die verabredeten 35 Stunden die Woche nicht eingehalten und gerne auch durch Wochenendarbeit verlängert wurden. Ein kleines Beispiel: In meinem ersten Monat hatte ich bereits 82,5 Überstunden gesammelt, bezahlt wohl gemerkt. Entscheidend in meiner freien Zeit wurden hier zwei weitere Au Pairs, die wie oben erwähnt sehr wichtig für mich waren und auch immer noch sind.

Mit ihnen habe ich mich oft ausgetauscht, und zusammen sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass diese Familie nicht zu mir passt. Nach anfänglichem Widerstreben habe ich mich entschlossen, auf Grund der Arbeitsüberlastung und unterschiedlichen Persönlichkeiten eine neue Familie zu suchen. Der Rematchprozess dauerte nicht lange, war aber dafür nicht weniger hart! Innerhalb circa zwei Wochen habe ich gekündigt, bin ausgezogen, bei einem älteren Ehepaar, das ich jetzt auch gerne meine „dritten Großeltern” nenne, untergekommen, habe meine jetzige Familie gefunden und bin nach Hamilton auf die Nordinsel gezogen.

Ein großer Schritt in so kurzer Zeit. Die Erleichterung, in meiner momentanen Familie zu sein und zu leben, ist enorm. Um ehrlich zu sein, habe ich die Hoffnung auf eine schöne Au Pair Zeit zu dem Zeitpunkt fast aufgegeben. Nach herzlichen Umarmungen, Begrüßungen und den ersten fünf Stunden in meiner neuen Gastfamilie waren meine Zweifel jedoch wie weggeblasen. Die zwei Mädchen (drei und vier Jahre alt) sind aufgeweckt, lebenslustig, voller Fantasie und Vorstellungskraft.

Meine Gasteltern sind verständnisvoll, humorvoll, warmherzig und fürsorglich. Ich arbeite nun 40 Stunden die Woche, die definitiv eingehalten werden. Ab 8 Uhr morgens ist mein Job, die Große in den Kindergarten zu bringen und mit der Kleinen zu einer Art Krabbelgruppe zu gehen. Diese Zeit genieße ich sehr. Am Nachmittag spiele ich mit beiden Mädels bis zur Abendbrotzeit. Es wird viel gekuschelt, rumgealbert und gelacht. Wenn die Mama um 17.30 Uhr von der Arbeit wieder nach Hause kommt, beende ich meinen Arbeitstag. Sobald die Kinder im Bett sind und schlafen, sitze ich mit meinen Gasteltern im Wohnzimmer. So geht auch hier ein erfolgreicher Arbeitstag zu Ende. In meiner Zeit hier haben mich sowohl meine beiden Freunde von der Südinsel, als auch meine dritten Großeltern besucht. Außerdem bleibt genügend Zeit, um die wunderschöne Insel mit neuen Freundschaften zu erkunden und zu bereisen!

Die kostbarsten Erfahrungen sind wohl die Feierlichkeiten wie mein Geburtstag, Weihnachten und Silvester im Sommer. Anders als die Jahre zuvor, habe ich Weihnachten mit Barbecue und Wasserschlachten, Silvester am Strand und meinen Geburtstag im Pool verbracht. Als der ganze Ruhrpott in Sachen Karneval bei kaltem Wetter unterwegs war, habe ich meine Füße in den Sand gebohrt, dem Meer zugehört und meiner Gastfamilie beim Fischen zugesehen. Es sind die Kleinigkeiten, die die Tage hier unvergesslich machen.

Über Umwege habe ich eine unvergessliche Zeit, die ich bis zum Ende auskosten werde. Ich habe Freunde fürs Leben gefunden, meine neue Gastfamilie ganz fest in mein Herz geschlossen und eine atemberaubende Insel kennengelernt. Die Zeit verfliegt und ehe ich mich versehe, ist mein Abenteuer im Juni schon vorbei. Dem Abschied blicke ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge entgegen. Eins ist jedenfalls sicher: Es ist nicht, wie ich mir mein Jahr vorgestellt habe. Ein Abenteuer mit Bekanntschaften, die ich so schnell nicht vergessen werde, ist es aber auf jeden Fall!

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