Atommülltrip über 4000 Seemeilen?

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Deutsche Anti-Atom-Initiativen bereiten Einwendungen in den USA vor. „Sinnloser Atommülltourismus“ wird befürchtet. Foto: Uerlings Foto: Uerlings

Ahaus/Jülich. Das war wie ein Paukenschlag: Unlängst veröffentlichte die US-Energiebehörde DOE eine 210-seitige Umweltverträglichkeitsstudie. In dieser Studie wird von der Annahme und Verarbeitung der Brennelementekugeln aus dem Jülicher AVR (Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor) und dem Thorium-Hochtemperatur-Reaktor (THTR) ausgegangen.

Beide Reaktortypen waren Kernkraftwerke (AVR war ein Versuchskernkraftwerk), die als Leistungsreaktoren kommerziell genutzt wurden und Strom ins Netz speisten, insgesamt 4,4 Milliarden Kilowattstunden.

„Vertreter der Bundesregierung haben immer wieder behauptet, den Export der Jülicher Brennelementkugeln in die USA und die in Ahaus lagernden Kugeln, die vom THTR aus Hamm-Uentrop stammen, seien nicht geplant“, moniert Marita Boslar aus Jülich vom Aktionsbündnis Stop Westcastor.

„Die Endlagerkommission für hoch radioaktive Abfallstoffe hat außerdem am 2. Oktober 2015 die Einführung eines generellen Exportverbots für hoch radioaktive Abfälle beschlossen und forderte außerdem auch eine Neuregelung eines Exportverbots für bestrahlte Brennelemente aus Forschungsreaktoren zu erarbeiten“, berichtet Boslar weiter.

Mitte 2014 wurde eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) begonnen, nach Verzögerungen von mehr als einem Jahr wurde sie jetzt fertig. Ab sofort bis zum 11. März sind Einwendungen gegen die drohende Einlagerung des Atommülls aus Deutschland möglich.

Nicht nur die Bevölkerung in South Carolina – auch Bürger aus Deutschland können Einwendungen über GermanSpentNuclearFuelEA@leidos.com abgeben. Claudia Baitinger (BUND NRW): „Wir werden auf jeden Fall davon Gebrauch machen und Einwendungen abgeben.“ Sollte es zu einer positiven Entscheidung kommen, dann wäre ein Export der 455 Castoren aus dem Jülicher und dem Ahauser Zwischenlager, in denen die Brennelementekugeln lagern, wahrscheinlicher.

Bereits 2014 hatten der Bund für Umwelt und Naturschutz sowie Greenpeace Klagen gegen den Export der Castoren angekündigt. Das gilt unverändert.

Für die NRW-Landesregierung und auch für die Bundesregierung ist eine „Verschiebung“ des Atommülls in die USA eine sehr verlockende Variante: sie wären einen Großteil ihrer Altlasten los. „Da spielt es dann auch keine Rolle, dass der geplante Export gegen geltendes Atomrecht verstößt und extrem viel Geld kosten wird“, sagt Peter Bastian (Anti-Atomgruppe Sofa Münster). In einem kürzlichen Vortrag des Savannah River Site (SRS) wird immer wieder von Forschungsreaktoren gesprochen.

„Der Atommülltrip 4000 Seemeilen über den Atlantischen Ozean und die Verbringung der Castoren in den Militärkomplex SRS nach South Carolina soll bis zu 1,5 Milliarden Euro kosten. Im Bundeshaushalt sind Millionen im dreistelligen Bereich veranschlagt, aber eine Aufschlüsselung der möglichen Ausgaben für die jeweiligen Optionen (Transport nach Ahaus, Verbleib in Jülich, Export in die USA) ist politisch nicht gewollt“, betont Peter Bastian aus Münster weiter.

Die nötige Technik zur Trennung von Uran beziehungsweise Thorium vom Graphit muss noch demonstriert werden. Diese extrem teure Aktion soll die deutsche Seite finanzieren.

„Eine Voraussetzung, die das DOE nennt, um über die Annahme der Brennelementekugeln entscheiden zu können, ist eine Pilotanlage zur Wiederaufbereitung der Kugeln beim SRS aufzubauen. Das kann Jahre dauern und könnte bedeuten, dass die Jülicher Castoren erst einmal nach Ahaus geschafft werden sollen, weil das aktuelle Lager in Jülich keine Genehmigung mehr hat, bevor dann der offenbar geplante endgültige Transport von AVR- plus THTR-Castoren in die USA ablaufen soll – also vielfacher sinnloser Atommülltourismus“, resümiert Marita Boslar.

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