Atomkraftgegner setzen vor dem Forschungszentrum ein Zeichen

Von: hfs.
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Mit einer Mahnwache vor dem FZ-Haupteingang machten Atomkraftgegner auf die möglichen Gefahren der Castoren-Transporte aufmerksam. Foto: hfs.
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Für Umweltaktivistin Französin Cécile Lecompte (l.) ist „Klettern eine kreative Form des Protestes.“ Deshalb demonstrierte sie mit Robin Wood-Gleichgesinnten auch in Jülich. Foto: hfs.

Jülich. Dass der Aufsichtsrat des Forschungszentrums Jülich am Mittwoch darüber eine Entscheidung treffen würde, wann und wie die 152 Castorenbehälter in die USA gebracht werden, war Spekulation des neu entstandenen Bündnisses von nordrhein-westfälischen und bundesweiten Anti-Atom-Initiativen.

Selbiges galt für die Annahme, der Aufsichtsrat wäre wegen der angekündigten Mahnwache gegen die Castoren-Transporte vor dem Zentrum geflüchtet und hätte seine Tagung von Jülich nach Bonn verlegt. Fakt ist, dass rund 20 Mahnwachen-Teilnehmer vor dem Haupteingang mit einer spektakulären Kletteraktion von Robin Wood Unterstützung fanden.

„Für mich ist Klettern eine kreative Form des Protestes“, sagte die 33-jährige Französin Cécile Lecomte, seit 2005 als Umweltaktivistin bei Robin Wood bei vielen Aktionen als Kletterspezialistin dabei. In der Szene hat sie den Spitznamen „Eichhörnchen“. Als ehemalige französische Meisterin im Sportklettern war es somit für sie kein Problem, quer über die Zufahrtstraße zum FZJ ein Seil zu spannen. Zusammen mit dem Gleichgesinnten Tim (22) hangelten sie sich hoch, entrollten in luftiger Höhe einen Banner, auf dem dazu aufgefordert wurde, die beabsichtigten Castoren-Transporte zu stoppen.

Am vergangenen Wochenende bei der Demonstration gegen die Uran-Transporte noch im Hamburger Hafen, war es für Cècile Lecomte wichtig, auch nun in Jülich dabei zu sein. Wie auch für Tim, „denn die beabsichtigten Transporte sind eine zusätzliche Gefährdung für Umwelt und Mensch“. Dies hob auch Dr. Rainer Moormann hervor. „Man hat sich seit 40 Jahren keinerlei Gedanken gemacht, was mit dem Müll aus dem AVR-Reaktor passiert. Jetzt will man alles auf die nächste Generation verschieben“, kritisierte der Jülicher Physiker, der als erster auf die Gefahren des AVR-Kugelreaktors hingewiesen hatte und dafür von den Befürwortern als „Demagoge“ bezeichnet worden war.

Er betonte auch jetzt nochmals in Jülich, dass der Versuchsreaktor alles andere als ein Forschungsprojekt gewesen sei. „Er wurde kommerziell genutzt“, sagte Moormann, der deshalb einen Transport der Castoren ablehnt. „Die müssen hier bleiben“, meinte er, fand dabei Unterstützung durch Tobias Darge, Energie-Referent von Robin Wood. „Der Transport der über 300.000 Brennelementekugeln in die USA ist illegal“, sagte Darge, der mutmaßte, dass ab Mitte 2015 bis Ende 2016 insgesamt 38 Castoren-Transporte über den Hafen Nordenham in Niedersachsen nach South Carolina zum Hafen Charlston verschifft werden, um dann weiter mit der Bahn zum militärischen Atomwaffenkomplex Savannah River Site gebracht zu werden. „Auch dort gibt es weder eine Technik für die Wiederaufarbeitung, noch ein Konzept für eine sichere Endlagerung.“

Dass der Aufsichtsrat „zur Einsicht kommen sollte“, dies forderte Marita Boslar von Attac Jülich. „Wir werden die Mitglieder mit unseren Forderungen konfrontieren und sie an ihre Verantwortung erinnern“, meinte sie im Vorfeld der Aktion. Doch von dieser Aktion bekam der Aufsichtsrat nichts mit. Denn der tagt, wie schon im vergangenen Jahr, in Bonn, wo am Mittwochabend im LVR-Landesmuseum der traditionelle Jahresempfang des FZ stattfindet, auf dem Aufsichtsrat-Vorsitzender Eugen Huthmacher auch ein Grußwort sprechen wird.

„Es wird keinerlei Beschlüsse des Aufsichtsrates geben, der Vorstand wird nur informieren“, teilte am Mittwoch ein Sprecher des Forschungszentrums auf Anfrage mit. Und er wies gleichzeitig die Annahme des Bündnisses – neben den Mahnwachen am Haupteingang und dem Eingang am Hambacher Tor fand auch ab Mittag eine Aktion vor dem Bundesforschungsministerium in Bonn statt - der Aufsichtsrat wäre vor dem Castor-Protest in Jülich nach Bonn geflüchtet, zurück. „Der Aufsichtsrat tagt immer in räumlicher Nähe des Jahresempfangs.“

Das hat allerdings die eigene Homepage des FZ-Vorstandes nicht berücksichtigt. Denn dort hieß es auch am Mittwoch weiterhin „Tagung von 10 bis 15 Uhr im Forschungszentrum.“ Ein bedauerlicher Fehler, wie es dann hieß. So kann man die Reaktion des Protest-Bündnisses verstehen. „Was hat der Aufsichtsrat zu verbergen? Warum scheut man die Öffentlichkeit?“, fragte Marita Boslar.

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