Atomkraftgegner kündigen weiteren Widerstand an

Von: Sascha Schiffer
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Anti-Atomkraft-Aktivisten und interessierte Passanten versammeln sich bei sommerlichen Temperaturen zur Abschlusskundgebung auf dem Jülicher Schlossplatz. Foto: Sascha Schiffer
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Einer der Wagen, der von Ahaus nach Jülich gefahren ist und dabei eine „Autobahninspektion“ vorgenommen hat. Foto: Sascha Schiffer

Jülich. „Wir fordern, dass für den Atommüll in Jülich ein neues Zwischenlager geplant und gebaut wird“, sagte Marita Boslar vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ bei der Abschlusskundgebung der Anti-Atom-Initiativen aus NRW auf dem Jülicher Schlossplatz.

Begonnen hatte der Autobahnaktionstag der Aktivisten, mit einer Kundgebung in Ahaus. Im Anschluss fuhren die Aktivisten in einer Kolonne von zehn bis 15 Wagen gen Jülich. Auf dem Weg wurden die geplanten Transportstrecken inspiziert.

„Der Autokorso verlief sehr gut. Viele Leute haben uns zugewunken und es hat sich keiner beschwert. Es gab auch keine Störungen der Polizei“, sagte Britta Söntgerath vom Anti-Atom-Bündnis Niederrhein. Auch aus polizeilicher Sicht war am Samstag nichts zu beanstanden: „Es gab keine Zwischenfälle, und mit diesen Organisatoren läuft eigentlich immer alles friedlich“, erklärte Polizeihauptkommissar Willi Sommer. Daher waren auch nur zwei Streifenwagen und acht Beamte vor Ort, um den Verkehr zu überwachen.

Auf dem Schlossplatz, in einer ruhigen und sehr friedlichen Runde, lauschten die rund 30 Aktivisten und immer wieder neue interessierte Passanten den Reden von Marita Boslar, Martina Haase (AKW Nee Aachen), Heiner Möllers (BI „Kein Atommüll in Ahaus“), Dr. Rainer Moorman (ehemaliger Mitarbeiter des Forschungszentrums Jülich), Dr. Michael Harengerd (BUND NRW) und Michael Zerkübel vom Anti-Atom-Bündnis Niederrhein. Dabei ließen alle ihrem Unmut gegenüber der Atompolitik freien Lauf:

„Seit 1974 sammeln sich hier in Jülich 290.000 Brennelementekugeln in 152 Castoren auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich. Jedoch ist die Genehmigung dafür bereits seit 2013 abgelaufen und keiner kümmert sich darum. Es wird nur rumgetrickst und rumgeeiert“, schimpfte Boslar.

Die Transporte der Castoren nach Ahaus oder in die USA sind für die Aktivisten ebenfalls keine Option: „Die Transporte sind allein dafür da, um eine Entsorgung der Castoren vorzutäuschen. Wir fordern, dass die Verantwortlichen der Atommülllager in Hamm und Jülich endlich die Verantwortung übernehmen“, sagte Möllers. „Es gibt weltweit keine Lösung für ein sicheres Endlager.“

Auch Michael Zerkübel sieht die Castortransporte sehr kritisch: „Es stehen uns die Haare zu Berge, wenn wir an die 152 Transporte von Jülich nach Ahaus denken. Nicht nur, dass die Castoren nicht brandsicher verpackt sind, sondern der Transport soll auch durch dicht besiedeltes Gebiet gefahren werden. Das ist Irrsinn auf Rädern und in keinster Form akzeptabel.“

Auch er forderte einen zukunftsorientierten Umgang der Atom-Altlasten und den Bau eines neuen Zwischenlagers. Zur Politik konnte er nur eines sagen: „ Die Endlagerkommision hat den Beweis erbracht, das man nicht weiß, wohin mit dem Atommüll. Es ist ein Armutszeugnis.“ Nicht nur Zerkübel, sondern alle Redner waren sich einig, dass die Kommision versagt hat: „Die Endlagerkommission hat ihren Auftrag missbraucht und als Fazit kann man nur sagen, dass die Kommissionsarbeit in voller Linie gescheitert ist“, erklärte Dr. Michael Harengerd.

Neben dem Transport nach Ahaus sei auch der Plan eines Transportes der Castoren in die USA keine Alternative. Denn sollten sie dort hin geliefert werden, „werden die Brennelementekugeln in Salpeter geschmissen. Dies wird dann zu einer Art Schwarzpulver und dann verbrannt. Es ist eine höchstgefährliche Angelegenheit, bei der – wenn etwas schief läuft – eine große Explosion möglich ist“, erklärte Moorman.

Auch Krischer bei der Demo

Die einzige gute Nachricht aus den USA sei, dass eine Prototypanlage für solche Experimente gebaut werden solle, dies jedoch mindestens fünf Jahre dauert und Milliarden an Geldern verschlingen würde, so Moorman. „Es ist nicht die schnellste Option und ich hoffe, dass sie daher auch schnell in den Hintergrund rückt“, sagte er. Die Aktivisten sind jedoch nicht die einzigen, die die Thematik des Zwischenlagers in Jülich kritisch sehen.

Unter den Gästen der Abschlusskundgebung war auch Oliver Krischer MdB, stellvertretender Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen. „Es ist gut, auf das Thema aufmerksam zu machen“, sagte er. „Die einzige richtige Lösung für Jülich wäre, hier ein neues Zwischenlager zu bauen.“ Transporte der Castoren nach Ahaus oder in die USA seien unverantwortlich.

Trotz all der Diskussionen um das Zwischenlager und die Transporte, stellte Boslar noch eines klar: „Ich komme selbst aus Jülich und selbst wenn die Castoren weg sein sollten, ist Jülich noch lange nicht strahlenfrei. Wir haben hier noch eine Landessammelstelle für schwach- und mittelaktiven Müll aus NRW und Niedersachsen, bei dem wir vermuten, dass dieser Müll verbrannt wird. Außerdem haben wir hier ja noch einen Reaktorklotz.“ Das Problem mit dem Atommüll werde also nicht allzu schnell aus Jülich verschwinden, weshalb es den Aktivisten wichtig ist, „dass wir hartnäckig dranbleiben und darauf aufmerksam machen“, sagte Marita Boslar.

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