Atom-Müll I: Deutschland muss Jülicher Atommüll aus Großbritannien zurückholen

Von: René Benden
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Jülich. Atommüll aus dem Forschungszentrum Jülich (FZJ), der Anfang der 90er Jahre in die Wiederaufbereitungsanlage des schottischen Dounreay transportiert wurde, muss wieder zurückgenommen werden.

Das Forschungszentrum Jülich bestätigte, dass es eine vertragliche Verpflichtung gebe, den Müll zurückzunehmen. Allerdings, so betonte ein Sprecher des Forschungszentrums am Mittwoch ausdrücklich, werde dieser Müll nicht zurück nach Jülich gebracht, da es im Forschungszentrum keinerlei Lagerungsmöglichkeiten gebe.

In den Jahren 1992 und 1993 hatte das Forschungszentrum insgesamt 176 abgebrannte Brennstäbe aus den Forschungsreaktoren „Dido” und „Merlin” nach Schottland geschickt, weil es in Deutschland keine entsprechenden Entsorgungsmöglichkeiten gab. Diese Art der Müllbeseitigung war in den 90ern gängige Praxis bei vielen Betreibern von nukleartechnischen Anlagen. Nun muss Deutschland diese Abfälle wieder zurücknehmen. Laut Forschungszentrum beläuft sich die Jülicher Menge auf insgesamt 55 Fässer mit einem Volumen von jeweils 560 Litern, die wieder aufgenommen werden müssen.

Das Bundesforschungsministerium will jedoch in einem Tauschverfahren nicht den Jülicher Müll nach Deutschland zurückholen. Stattdessen soll aus der englischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield stärker strahlender Müll nach Deutschland gebracht werden, der aber vom Volumen kleiner ist, als die ursprüngliche Abfallmenge. Die Verhandlungen darüber will das Ministerium in den nächsten Monaten beginnen.

Das Vorhaben ist brisant, denn die Rücknahme des Atommülls aus Großbritannien bedeutet neue Atomtransporte auf deutschem Boden. Der stetig wachsende Widerstand gegen Atomtransporte zeigt jedoch, dass es kaum noch Akzeptanz für solche Transporte gibt, solange kein Endlager gefunden ist.

So ist auch jetzt noch völlig offen, was mit den insgesamt 152 Castoren geschehen soll, die im Forschungszentrum Jülich selbst zwischengelagert sind. Während das Land NRW die Castoren in Jülich belassen will, solange noch kein Endlager gefunden ist, möchte der Bund den Atommüll bis spätestens 2016 ins Zwischenlager von Ahaus schaffen.
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