Asylbewerber sind willkommen: „Wir Welzer lieben es bunt“

Von: Kr.
Letzte Aktualisierung:
9957868.jpg
Zahlreiche Welzer Bürger waren gekommen, um an der Infoveranstaltung über die Unterbringung von Asylbewerbern im ehemaligen Warnamt teilzunehmen. Foto: Kròl
9957870.jpg
Sechs Quadratmeter müssen jedem Asylbewerber zur Verfügung stehen. In Welz sind es 15, die ihnen in den Zweibettzimmern eingeräumt werden, erklärte Stefan Helm von der Stadt Linnich.

Welz. Es waren immer noch viele Fragen offen, was die Umgestaltung des ehemaligen Warnamtes in Welz zur Flüchtlingsunterkunft betraf und auch Ängste waren im Vorfeld laut geworden. Deshalb hatte die Stadt Linnich alle Welzer Bürger zu einer Infoveranstaltung eingeladen und die Möglichkeit eingeräumt, das umfunktionierte Gebäude zu besichtigen.

Es kamen so viele Bürger, dass der Platz im Besprechungsraum nicht reichte und etliche das Geschehen vom Flur oder von draußen verfolgten.

Dennoch blieb die Atmosphäre ruhig, Emotionen kochten nicht hoch und auch die Diskussion verlief sehr diszipliniert. Bürgermeister Wolfgang Witkopp hieß die Gäste willkommen und gab direkt weiter zu Stefan Helm, der für die Stadt Linnich die Asylbewerber betreut. Helm berichtete, dass in diesem Jahr mit 300.000 bis 500.000 Asylbewerbern in Deutschland zu rechnen sei. 22 Prozent davon kommen nach NRW, was auch Auswirkungen auf Linnich haben werde. So lebten im April 2014 68 Asylbewerber in Linnich. Die meisten kamen in Gevenich unter.

Heute sind es 137 Menschen, die hier Hilfe und Unterkunft suchen. Aus den afrikanischen Staaten, Georgien, Bangladesch und vielen anderen Ländern kommen sie. Die Stadt Linnich ist für ihre Unterbringung zuständig und übernimmt die Leistungsgewährung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Zudem ist sie für Gesundheitsversorgung und Beratung zuständig. Sie hilft bei der Wohnungssuche, der Suche nach Arbeits- oder Kitaplätzen, bei der Einschulung und vielem mehr.

Alle Hände voll zu tun haben also Stefan Helm, Sabine Deubgen und zwei weitere Mitarbeiter, die sich um die Asylbewerber kümmern. Unterstützt werden sie von Freya Lüdeke vom Kirchenkreis Jülich und Sylvia Karger-Kämmling vom Caritasverband. Hilfe erhofft sich Helm auch von dem reaktivierten Inititativkreis „Asyl“, für den sich die Bürger ehrenamtlich einbringen können.

Fußballturnier und Grillabend

So lautete auch die erste Frage im Saal: „Was können wir tun, damit wir hier in Welz friedlich miteinander leben können?“ Der Bürgermeister antwortete: „Gehen Sie auf die Menschen zu, nehmen sie Kontakt auf. Zum Kennenlernen soll ein niederschwelliges Angebot für beide Seiten, wie ein Fußballturnier oder ein Grillabend, organsiert werden.“

26 Asylbewerber, die derzeit in Gevenich leben, sollen zunächst im Verwaltungsgebäude des Warnamtes untergebracht werden. Dabei handelt es sich um Personen, die schon länger in Linnich leben und mit der Umgebung vertraut sind. Für sie ist Welz eine deutliche Verbesserung der Wohnsituation und auch in Gevenich wird durch ihren Umzug die Lage entschärft. Mit ihnen wird Oumarou Abdou nach Welz ziehen, der noch als Hausmeister in Gevenich tätig ist und diese Aufgabe im Warnamt übernimmt. Mit ihm hat die Stadt beste Erfahrungen gemacht. Angedacht ist auch, das Hauptgebäude als Unterkunft herzurichten. Wann und wie viele dort untergebracht werden, ist noch offen. Sobald hier Zahlen auf dem Tisch liegen, so versprach Witkopp, werde er die Bürger informieren.

Es wurde auch gefragt, warum ausgerechnet nach Welz so viele Asylbewerber kommen sollen. Der Bund, so Witkopp, stelle der Stadt das ehemalige Warnamt kostenlos zur Verfügung und es sei bei der knappen Kasse der Stadt sinnvoll, dieses Angebot zu nutzen. Zentrale Unterbringung werde zwar nicht gerne gesehen, doch weiterhin, so Helm, sei es schwierig, entsprechende Wohnungen zu mieten. Oft wollten Hausbesitzer die Stadt mit Knebelverträgen binden.

Die Sicherheit der Asylbewerber war ebenfalls Thema, denn wer den Fahlenberg und die Straße nach Rurdorf kennt weiß, wie gefährlich sie für Fußgänger sein kann. Hier will die Stadt vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Aus dem Fragenkatalog, der an die Verwaltung gegangen war, beantwortete der Bürgermeister noch ein Dutzend Fragen zu Themen wie Deutschkurse, Gesundheit oder Hygiene, Witkopp versicherte, dass die Welzer eine Liste mit Ansprechpartnern erhalten werden, an die sie sich bei Bedarf wenden können. „Wir nehmen ihre Ängste ernst“, betonte er immer wieder.

CDU-Fraktionssprecher Achim Grün aus Gevenich betonte noch einmal, dass es in Gevenich noch nie Probleme mit Asylbewerbern gegegeben habe und er gerne über seine Erfahrungen berichten werde. Toni Schunck, Welzer Urgestein, brachte es auf den Punkt: „30 Farbige sind mir lieber als fünf Braune. Wir Welzer lieben es bunt.“ Diese Bemerkung wurde mit viel Beifall bedacht.

Und so schloss Bürgermeister Witkopp die Veranstaltung mit dem Resümee: „Ich bedanke mich ganz herzlich. Die Mehrheit, man kann sagen, alle der Anwesenden versuchen mit der Situation konstruktiv umzugehen. Wir helfen ihnen dabei. Ich bin sicher, dass sie bald erkennen werden, dass die meisten, die hier wohnen werden, eine Bereicherung für ihren Ort sind.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert