Arbeitskreis der Bibliotheken befasst sich mit dem Klima

Von: ptj
Letzte Aktualisierung:
8938099.jpg
Der Arbeitskreis Bibliotheken startet seine Veranstaltung mit einem Bilderbuchkino. Zu sehen sind (v.l.) Bibliothekarin Yvonne Schroiff und die Schülerinnen Wiebke Anrath und Marlene Annele. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Klima ist nicht nur im Kühlschrank“, war die jährliche Veranstaltung des Jülicher Arbeitskreises Bibliotheken überschrieben, der laut Moderator Dr. Christoph Fischer „nicht so bekannt ist, wie wir es gerne hätten“.

Seit 2008 haben sich rund ein Dutzend Jülicher Bibliotheken vernetzt und laden im Rahmen der jährlichen Aktionswoche des Deutschen Bibliothekenverband zu einer gemeinsamen Veranstaltung ein, meistens ins Jülicher Zentrum.

Diesmal „wollten wir mal eine andere Location“, sagte FH-Bibliotheksmitarbeiterin Beatrix Roth. Für das Thema „Klima“ bot sich der Gerling-Pavillon auf dem FH-Campus an. Dort gab ein Büchertisch einen Überblick aus den einzelnen Bibliotheken. Ferner luden Plakate und Bilder von Schülern des Gymnasiums Haus Overbach und aus der Kunstaktion der GHS Ruraue zur Betrachtung ein.

Mit einem Bilderbuchkino mit dem Titel „Es wird heiß im ewigen Eis“ starteten die elfjährigen Schülerinnen Marlene Annele und Wiebke Anrath, begleitet von Bibliothekarin Yvonne Schroiff. Sehr engagiert trugen die Mädchen die Problematik der Bilderbuchhandlung und deren Lösung vor: Eine Fabrik auf dem schmelzenden Packeis soll mit den Methangasen der Kühe Kälte erzeugen und wie ein riesiger Gefrierapparat das Eis konservieren. Allerdings dauerte die Umsetzung so lange, dass das Packeis inzwischen fast vollständig geschmolzen war.

In Vertretung von Guido von Büren (Bibliothek Geschichtsverein) sprach Fischer (Museumsbibliothek) über die „Kleine Eiszeit“. Dabei handelt es sich um eine Periode recht kühlen Klimas vom Anfang des 15. bis ins 19. Jahrhundert hinein. Dazu zeigte er einige Landschaftsbilder. Eins davon war das Motiv „Rückkehr der Jäger im Schnee“ des niederländischen Renaissancemalers Pieter Bruegel. Hierbei handelt es sich nicht um eine „naturwissenschaftliche Dokumentation“.

Das Gesamtwerk mit realistischen Details wird idealisiert. Im Gegensatz dazu stellt etwa das Gemälde „Die Belagerung von Jülich“ (1621/22) des zeitgenössischen Malers Pieter Snayers ein historisches Ereignis dar. Als „allegorische Interpretation des Sieges“ ist es als Winterbild mit grau verschleiertem Himmel, abgeknickten Bäumen ohne Krone in der verschneiten Landschaft gemalt.

„Richtig wissenschaftlich“ wurde es nach der Pause. Die Bibliotheken der FH und des Forschungszentrums (FZJ) hatten als Referenten Anette Anthrakidis, Leiterin des FH-Solarinstituts, und Reiner Croy vom Projektträger des FZJ eingeladen. Anthrakidis stellte Energieversorgungskonzepte für den Klimaschutz am Beispiel von Forschungsprojekten des Solarinstituts mit seinem interdisziplinären Team aus rund 50 Mitarbeitern vor. Projektziel ist die Entwicklung anwendungsorientierter technischer Lösungen in den Bereichen der regenerativen und effizienten Energienutzung.

Effiziente Gebäudetechnik

Ein Beispiel für solarthermische Systeme ist der Jülicher Solarturm, ein Beispiel für effiziente Gebäudetechnik das Science College Overbach. Bei näherer Betrachtung der Indikatoren des Klimawandels „sind wir nach wissenschaftlichen Berechnungen in 22,5 Jahren am Klipppunkt angelangt“. Dann kippt „das Klimasystem in einen stabilen Zustand, der durch sich selbst verstärkende Veränderungen geprägt sein wird“. Mit dem Weltklimarat ist Anthrakidis der Meinung, das „Zwei-Grad-Ziel“ der Bundesregierung sei noch zu schaffen.

Eine mögliche Zukunft bieten neue Versorgungskonzepte wie das maximal-dezentrale Konzept „KomRev“, in dem die Stadt Rheine eine Vorreiterrolle spielt. Hier werden Transformationspfade entwickelt, die auf ähnliche Kommunen übertragbar seien. Transformation könne allerdings nur im Dialog gelingen.

Klimaschutz und Geld

Was kostet Klimaschutz? Hier zitierte Anthrakidis Professor Dr. Ottmar Edenhofer, unter anderem Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung: „Klimaschutz ist zweifellos mit Kosten verbunden, aber es kostet nicht die Welt, den Planeten für unsere Kinder zu bewahren.“

Croy referierte im Anschluss über energieeffiziente und klimaschonende Gebäudetechnologien und nannte Beispiele aus Fördervorhaben des Projektträgers Jülich. Die weitgehend selbstständige Organisationseinheit sei „zwischengeschaltet zwischen den Ministerien der Länder und des Bundes und die Institute“, hat 819 Mitarbeiter und verfügt über ein Fördervolumen von 1,4 Milliarden Euro.

Sie entwickelt Förderprogramme, berät Antragsteller, begutachtet Skizzen und Anträge, zahlt Mittel aus, prüft die Verwendung und verfolgt die Ergebnisse. Bei der Betrachtung des Energieverbrauchs in Deutschland falle ins Auge, dass „Verkehr und Raumwärme die Big Points sind, wo man ansetzen muss“.

Croy stellte zahlreiche Förderkonzepte im Bereich energieoptimierten Bauens vor, in der Forschung und Entwicklung, im Neubau und der Sanierung und im Monitoring. Dabei sei die „Betriebsüberwachung das A und O“. Allerdings „kann man nicht alles mit Technik erschlagen“. Vor allem sei die notwendige Anpassung des menschlichen Verhaltens gefordert.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert