Anwohner verärgert: Zerstört Funsport das Naherholungsgebiet?

Von: Volker Uerlings
Letzte Aktualisierung:
goltsteinkuppebu
Beschauliche Idylle: Pferde grasen auf der Koppel am Ortseingang, und die Goltsteinkuppe im Hintergrund ist einen Steinwurf entfernt. Foto: Uerlings

Inden. Was zu Füßen des Indemannes einmal gebaut werden könnte, scheidet in der Gemeinde Inden die Geister. Der in einigen Wochen auf 36 Meter Höhe wachsende stählerne Aussichtsturm war nie als Einzelbauwerk auf der Goltsteinkuppe geplant. Drumherum sollten Freizeitaktivitäten möglich sein.

Erst in jüngster Zeit ist klar: Es geht um Funsport, aber konkret ist nichts. Ob tatsächlich einmal viele Menschen auf riesigen Gummireifen die Hänge der Halde runterrutschen, hängst von den Investoren ab, die es noch nicht gibt. Dennoch erzürnt das Verfahren einige Anwohner. Sie fühlen sich nicht ernst genommen und fürchten um das einzige Naherholungsgebiet in Reichweite.

„Das war Veräppelung”, sagt Robert Schnock als unmittelbarer Anrainer der Goltsteinkuppe. Er hatte über 600 Unterschriften gesammelt, um die Zufahrtsstraße zum Indemann auf die von der Bewohnung abgewandte Seite zu verlegen. Das wurde seinerzeit vom Gemeinderat mit Verweis auf ein Umweltgutachten abgelehnt. Schnock: „Was uns besonders ärgert: Vor einem Jahr wurde unser Wunsch abgelehnt, weil sich dort ein wertvoller Baumbestand befindet, und heute ist es egal. Jetzt soll dort eine Schneise geschlagen werden, damit man vom Restaurant aus den Tagebau sehen kann.”

Und nicht nur das: Das aus ökologischer Sicht schützenswerte Areal ist nun Gegenstand eines Bebauungsplanes, den der Rat am Mittwoch (18 Uhr/Rathaus) diskutiert. „Da sollen die Investoren ihre Funsporteinrichtungen bauen”, sagt Unterschriftensammler Schnock, der nicht nur deshalb viele Kontakte hat - auch auf der anderen Seite der Abraumhalde, die heute der Naherholung dient: in Lucherberg. „Das gesamte Konzept stößt bei den Menschen hier nicht auf Gegenliebe.” So wurden die Anlieger der Straße „Obstwiese” über die Gemeindepläne informiert. 60 Menschen waren dabei und laut Schnock „nicht dafür”.

Der engagierte Anwohner handelt inzwischen nicht mehr ohne parteipolitischen Hintergrund. Er hat sich „wegen der Geschichte um die Goltsteinkuppe” der FDP angeschlossen, „weil die schon immer gegen den Indemann war”. Sie ist aber seit Jahrzehnten nicht mehr im Indener Rat vertreten. Das will Schnock als einer der liberalen Kandidaten ändern: „Ich bin ja nicht gegen alles. Der Indemann kommt, das ist nicht zu ändern. Und am Boden muss auch etwas sein. Ich bin aber gegen eine kommerzielle Nutzung und für ein Naherholungsgebiet mit nachhaltigem Charakter - einen Park zum Beispiel.”

Sein Vater Franz Schnock pflichtet ihm bei. Er war SPD-Urgestein im Gemeinderat und hat für seine Partei in Lucherberg bei Kommunalwahlen stets zwischen 60 und 70 Prozent erreicht: „Man hat jetzt nicht an und für die Bürger gedacht. Wir leben hier 400 Meter entfernt vom Kraftwerk, 400 Meter vom Tagebau und 300 Meter von der Autobahn. Und jetzt soll mittendrin im einzigen Naherholungsgebiet ein Funsportzentrum entstehen? Irgendwann zahlen die Bürger dann Eintritt, wenn sie mal mit dem Hund spazieren gehen wollen. Das kann doch nicht sein. Da hätte doch mal einer was sagen müssen.”

Schnock junior und senior ist klar, dass es solche Pläne noch nicht gibt. Neben einer Sichtschneise für das Restaurant sind keine Flächenbeanspruchungen bekannt. Aber der Bebauungsplan eröffnet nach ihrer Ansicht die Tür, weil Investoren nur kommen, wenn sie auch Geld verdienen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert