Angebot soll Radtouristen an die Rur locken

Von: Antonius Wolters
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Linnichs Bürgermeisterin Marion Schunck-Zenker erläuterte zum Beginn der Etappe auf dem Place de Lesquin die Planungen für die Umgestaltung der Linnicher Innenstadt. Foto: Wolters
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„Tour de Rur“ durch den Nordkreis: Landrat Wolfgang Spelthahn (2.v.l.) trat kräftig in die Pedale. Foto: Wolters

Linnich/Jülich. Die Rur, die sich rund 80 Kilometer von Süd nach Nord durchs Kreisgebiet schlängelt, ist der prägende Fluss. Auf dem Radweg, der entlang der Rur führt, hat Landrat Wolfgang Spelthahn in drei Etappen erstmals „seinen“ Kreis mit dem Fahrrad bereist, begleitet von Fachleuten aus dem Kreishaus und wechselnden Bürgermeistern.

Ziel der „Tour de Rur“ ist es unter anderem, das touristische Potenzial des Rurufer-Radweges (RUR) herauszuarbeiten, dessen Ausbau mit öffentlichen Mitteln gefördert wird. Nachdem vor zwei Wochen der Südkreis und das „Mittelstück“ beradelt worden waren, stand am Montag die dritte und letzte Etappe über rund 28 Kilometer von Linnich nach Selgersdorf auf dem Plan.

Linnichs Bürgermeisterin Marion Schunck-Zenker holte die Mitfahrenden an der Haltestelle der Rurtalbahn ab, mit der die Gruppe samt Zweirädern angereist war. Der erste Zwischenstopp wurde auf dem Place de Lesquin eingelegt, wo die Bürgermeisterin an einem kleinen Modell die Planungen im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes (IHK) darlegte. So werde im Rahmen des IHK unter anderem der RUR auf den Platz verlegt, wo neben der Integrations- und Begegnungsstätte und einem Hotel ein Indeland-Pavillon am Einstiegspunkt entstehen soll.

Der Pavillon solle, so Schunck-Zenker, auch gestalterisch Papier, Wasser und Glas als Themen der Stadt aufgreifen. Bei der weiteren Möblierung des Platzes sei unter anderem an eine öffentliche Wasserstelle gedacht, wo beispielsweise Radfahrer ihren Durst stillen können, und öffentliche Toiletten, wo momentan an eine Komposttoilette gedacht werden. Dazu kommen ein großes Spielgerät in der Peripherie des Platzes und vandalismusfestes Mobiliar, das möglichst naturnah gestaltet werden solle.

Die Bürgermeisterin berichtete weiter, dass dort, wo ehemals die Stadthalle stand, von privaten Investoren ein Wohn- und Ärztehaus mit Tiefgarage errichtet werde. Ein Problem sei es, all diese Baumaßnahmen auf relativ engem Raum so zu koordinieren, dass sich niemand in die Quere kommt. Dass der Wohnmobil-Platz an der Rur längst angenommen worden ist, war am Montag bereits offensichtlich, obwohl dort überhaupt keine Infrastruktur vorgehalten wird und auch keine Förderung durch das Land vorgesehen ist.

Interessierter Hersteller

Hier kann aber vielleicht der Landrat helfen, der über einen Hersteller aus dem Südkreis berichtete, der dringend einen Platz sucht, in dessen Betrieb er gerne investieren würde. Da könnten sich also gleiche Interessen zu einem Gewinn für beide Seiten entwickeln. Und noch ein Projekt steht auf dem Wunschzettel der Bürgermeisterin: Der Einstieg für Kanuten in die Rur in Höhe des Wohnmobil-Stellplatzes gestaltet sich wegen der steilen Böschung bislang noch schwierig. Hier würde Schunck-Zenker die Schaffung einer naturnah gestalteten und angeböschten Anlegestelle bevorzugen.

„Das sind tolle Pläne“, zollte Landrat Spelthahn den vielvältigen Vorhaben im Herzen Linnichs Lob und Respekt. Linnich sei als Einstieg in den RUR „extrem wichtig“, verspricht er sich insbesondere vom Indeland-Pavillon einen wichtigen Impuls.

Bewirtschaftung durch den Kreis?

Zudem ließ Spelthahn einen Testballon steigen, als er Schunck-Zenker fragte, ob sie sich vorstellen könne, dass der Kreis die Bewirtschaftung des gesamten RUR übernimmt. Das kann sich die Bürgermeisterin in der Tat gut vorstellen und bestärkt den Landrat in dem Vorhaben, einheitliche Qualitätsstandards auf dem Gesamten RUR zu etablieren.

„Die unterschiedliche Qualität des Weges ärgert viele Radfahrer“, sagte der Landrat, der für die sehr unterschiedlich ausgebauten Wegstrecken auf seinen Etappen diverse Belege fand. Sein Vorstoß, die Bewirtschaftung in Form einer gemeinsamen Vereinbarung in die Hand des Kreises zu geben, hält er für „mehrheitsfähig“, da er bislang überall goutiert worden sei. Lieber heute als morgen würde Wolfgang Spelthahn hier eine Qualitätsoffensive starten, denn der RUR „könnte zum Magnet werden“.

Wie der idealtypische Ausbau aussehen würde, lässt sich vermutlich demnächst in Jülich besichtigen, denn zwischen Jülich und Altenburg, wo sich der RUR derzeit noch recht weit vom Flusslauf entfernt, stellt das Jülicher Werk von Pfeifer & Langen das Gelände für den Lückenschluss des Weges parallel zur B 56 zur Verfügung, der dann entlang der alten Polder der Zuckerfabrik verläuft.

„Da sind wir auf radafine Leute gestoßen“, ist Walter Weinberger, Amtsleiter Kreisentwicklung und Wirtschaftsförderung, froh über den Sinneswandel und das Kooperationsangebot der Zuckerfabrik, die in den vergangenen Jahren diesen Wunsch immer wieder abschlägig beschieden hatte. Sobald auch dieses Projekt mit einer entsprechenden Vereinbarung besiegelt worden ist, kann die bauliche Herrichtung des Weges begonnen werden.

Radtouristen haben Potenzial

Um wirtschaftlich belebend zu wirken, kommt es nicht allein auf die Qualität des Ausbaus an, auch das Angebot rechts und links des Weges trägt dazu bei, dass die Gäste bei einem Aufenthalt im Kreis Düren hier auch mehr Geld lassen. Wer Radler begrüßen möchte, kommt nicht umhin, die Werbetrommel zu rühren. So fiel der Delegation auf, dass auf der Strecke zwischen Linnich und Jülich niemand am RUR auf sein Angebot aufmerksam macht.

„Das ist ein langer Prozess und dorniger Weg, der auch zur Schaffung neuer Arbeitsplätze führt“, sagte Landrat Spelthahn, der vermutet, dass viele Gastronomen entlang des RUR die Radtouristen und deren Potenzial für den eigenen Betrieb gar nicht auf dem Schirm haben. Hier sei Mundpropaganda notwendig und ein einheitliches Bild bei der Vermarktung, damit die durrchschnittlich 23,82 Euro pro Tag, die derzeit jeder Tourist im Kreis Düren ausgebe, nach oben geschraubt werden könnten. Andere Urlaubsregionen in Deutschland machten eine erfolgreiche Eigenwerbung schließlich vor.

Ziele abseits der (Rad-) Wege

Doch der Mensch lebt nicht von der Einkehr allein, auch touristische Entdeckungen entlang der Route wollen beworben sein. So wird der Indeland-Pavillon, der einmal auf dem Place de Lesquin stehen wird, natürlich für den Besuch des nahe gelegene Glasmalerei-Museums werben, das sich zunehmend Besuchern erfreut, die mit dem Zweirad angereist sind. Wird dieses mit elektrischer Unterstützung bewegt, lässt es sich an einer Ladesäule vor dem Museum „auftanken“, erfuhr die Fahrrad-gruppe von Museumsleiterin Dr. Myriam Wierschowski.

Solch ein Ziel abseits des Weges, das historisch interessierte Radwanderer interessiert, könnte auch Schloss Kellenberg bei Barmen sein, dem die Gruppe einen außerplanmäßigen Besuch abstattete. Das alte Gemäuer, das demnächst wohl zur Versteigerung steht, ist weder als Seniorenresidenz noch durch Privatpersonen vernünftig zu nutzen, doch das ist eine ganz andere Geschichte.

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