An Energiewende scheiden sich wissenschaftliche Geister

Von: Sarah Plahm
Letzte Aktualisierung:
Auf dem Podium: Prof. Bernhard
Auf dem Podium: Prof. Bernhard Hoffschmidt (v.l.), Jan Dobertin, Dr. Rüdiger Urban, Prof. Helmut Alt und Prof. Dirk Bosbach diskutieren im Jülicher FH-Campus vor Studenten ausgiebig das Thema Atomausstieg 2022 und Energiewende. Foto: Plahm

Jülich. Spätestens seit der Nuklearkatastrophe von Fukushima sind vielen Köpfen die Gefahren einer möglichen Beschädigung eines Atomkraftwerks und die verheerenden Folgen bewusst geworden - mit entscheidenden politischen Konsequenzen.

Dr. Rüdiger Urban vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW brachte das am Dienstagabend mit dem Worten „Der Reaktorunfall in Fukushima hat ein politisches Erdbeben in Deutschland herbeigeführt”, auf den Punkt. Urban moderierte eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Atomausstieg 2022 - Wie schafft Deutschland die Energiewende?”

Summer School der FH in Jülich

Das hochaktuelle Thema wurde im Rahmen der zweieinhalbwöchigen Summer School Renewable Energy des Solar-Instituts Jülich der Fachhochschule Aachen diskutiert. Seit 1985 treffen sich jedes Jahr rund 50 Studierende verschiedenster Fachrichtungen, um sich gemeinsam auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien weiterzubilden. Dass die Summer School gerade in diesem Jahr eine besondere Aktualität mit sich bringt, zeigt bereits das Thema des abschließenden Gesprächs, zu dem sich zahlreiche Studierende im Auditorium des Solar-Campus einfanden.

So wurde denn auch ausgiebig diskutiert, ob die Energiewende nach Inkrafttreten des Stufenplans zum Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022 umsetzbar ist. Die Podiumsgäste Jan Dobertin von der Landesarbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energien NRW, Prof. Dirk Bosbach vom Forschungszentrum Jülich, Prof. Bernhard Hoffschmidt vom Solar-Institut Jülich und Prof. Helmut Alt von der FH Aachen zunächst einig. Nur mit wissenschaftlicher und technischer Forschungsarbeit wird die Energiewende hin zu erneuerbaren Energien möglich sein.

So machte Dobertin deutlich, dass Versorgungs-, Wettbewerbs- und Umweltverträglichkeit bei einer rein auf erneuerbaren Energien beruhenden Energieversorgung nur durch erhebliche Weiterentwicklungen in vielen Bereichen der Technik realisierbar ist. Hoffschmidt erklärte dazu, dass wir die technische Entwicklung der nächsten Jahrzehnte einfach nicht kennen. Er habe zu seiner eigenen Studienzeit noch gelernt, dass Wind garantiert keinen Beitrag zur Energieversorgung Deutschlands leisten kann. Dass sich dies nicht bewahrheitet hat, unterstützt Hoffschmidts Überzeugung, das solarthermische Kraftwerke ein großes Potenzial für die künftige Energieversorgung haben.

Energie effizienter nutzen

Über die Möglichkeiten, Energie einzusparen, sie effizienter zu nutzen und regenerative Energien auf dem Markt zu integrieren, kamen die Diskussionspartner immer wieder auf das Thema der Finanzierung. Helmut Alt etwa erklärte, dass er eine Energiewende auch trotz wissenschaftlicher Weiterentwicklungen für nicht realisierbar hält. „Eine technische Energiewende ist sicher möglich. Das ist nur alles nicht bezahlbar.”

Dass das durchaus bezahlbar ist, meint hingegen Hoffschmidt. Die Frage sei vielmehr, was es der Gesellschaft wert sei, eine Energiepolitik zu betreiben, die auf erneuerbare Energien und einen reduzierten CO2-Ausstoß setzt.

Dass es dabei aber nicht nur um Strom geht, zeigt ein Blick auf die Statistik. Wie Moderator Rüdiger Urban erklärte, macht der Strom nur 20 Prozent des Energieendverbrauchs aus, während größere Anteile mit 25 Prozent die Gebäudeheizung und mit 30 Prozent der Verkehr ausmachen.

Wie während des Gesprächs schnell klar wurde, spielen auch hier beträchtliche Investitionen eine entscheidende Rolle. Gebäude nach energiesparenden Gesichtspunkten zu renovieren beziehungsweise zu errichten, geschehe letztlich immer unter Abwägung von Aufwand und Nutzen, wie Hoffschmidt deutlich machte.

Ähnliches gilt für den Bereich Verkehr. Den CO2-Ausstoß hier zu minimieren, sei technisch weniger ein Problem als finanziell für den Endverbraucher, so Alt. Bei den immer noch teuren Elektroautos seien die kostenintensiven Akkus das Problem. Sie hielten im Vergleich zu den anderen Bauteilen des Autos weniger lange, kosteten aber viele Tausend Euro.

Podiumsgäste gelöchert

Auch nach der abschließenden Diskussion mit den Studenten, die vorher die Podiumsgäste mit vielen Fragen gelöchert hatten, blieben immer noch Punkte offen, wie auch Dirk Borsbach feststellte. So war es ja auch nicht Ziel der Diskussion, zu einem gemeinsamen Ergebnis zu gelangen, sondern vielmehr gelang es, die Komplexität und Vielschichtigkeit des Themas Energiewende deutlich zu machen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert