Am Sessionshit wird mehrere Monate gefeilt

Von: ssc
Letzte Aktualisierung:
9246993.jpg
Dietmar Karnott aus Langerwehe feilt im Titzer „Blue Sound Tonstudio“ das ganze Jahr über an Karnevals- und Stimmungsliedern. Foto: ssc
9246995.jpg
Bernhard Dolfus sitzt im Titzer „Blue Sound Tonstudio“ an den Reglern des Mischpultes. Foto: ssc

Titz/Langerwehe. Jetzt ist sie wieder im vollen Gange, die närrische Zeit. Und viele Bands und Interpreten wetteifern um den Sessionshit 2015. So auch Dietmar Karnott, Stimmungssänger aus Langerwehe, der zum fünften Mal in Folge auf der stets sehr erfolgreichen CD „Düsseldorf is megajeck“ des Kölner Musikverlages „Dabbelju“ vertreten ist.

„Und das, obwohl ich nicht in Köln in deren Tonstudio aufnehme“, ist Karnott schon ein bisschen stolz, der in Düren, im Siegerland, im Kölner Raum oder auch in Düsseldorf als „Dä Jong us em Levve“ ein gern gesehener Gast auf den närrischen Bühnen ist.

Auch sein aktuelles Stimmungslied „Im Himmel ist der Teufel los“ nahm er bei seinem langjährigen Weggefährten Bernhard Dolfus in dessen „Blue Sound“-Tonstudio in Titz auf. Die beiden arbeiten das ganze Jahr an verschiedenen Karnevals- und Unterhaltungsliedern, das passiert meist antizyklisch – also im Frühjahr/Sommer wird bereits am nächsten Karnevalshit gefeilt, damit der zum Sessionsstart im November in den Läden steht.

Rohfassung auf dem Diktiergerät

„Dietmar singt eine Rohfassung auf sein Diktiergerät, damit kommt er dann zu mir“, erläutert Tonstudio-Betreiber und Musikpädagoge Dolfus, der auch an der Jülicher Musikschule arbeitet. Der Titzer spielt dann am Keyboard die Melodie ein, arrangiert sie und singt auch noch diverse Backgroundstimmen selbst ein.

„Da hört man auch, dass die Musik Gefühl hat“, ist der Stimmungssänger sehr froh über die harmonische Zusammenarbeit. „Am Ende kommt immer eine Produktion heraus, mit der wir beide zufrieden sind“, sind sich Karnott und Dolfus einig. Mehrere Wochen und diverse Arbeitssitzungen ziehen ins Land, bevor so ein Lied fertig ist. Zwar hat Bernhard Dolfus in seinem professionellen Tonstudio jede Menge Equipment stehen, aber die Entwicklung der Musikproduktion ist in den letzten Jahren zur totalen Digitalisierung geworden. Das heißt: Im Wesentlichen kann ein Computer alles übernehmen, jedes nur denkbare Instrument kann vom PC simuliert werden.

Gleichwohl kommen noch das klassische Mischpult, Echo- oder Hallgeräte zum Einsatz, um besonders „warme“ Klänge zu erzeugen. Bernhard Dolfus‘ Aufgabe im Produktionsprozess ist nicht nur das reine Aufnehmen von Dietmar Karnotts Gesang. „Ich spiele über die Computertastatur Gitarren, Bass, Bläser, Klavier oder Schlagzeug ein“, erklärt der Familienvater und Instrumentalpädagoge: „Im Grunde genommen ist es so, wie eine Band spielen würde.“

Und dann müssen sich Sänger und Arrangeur auf eine Tonart und ein Tempo einigen. Nebenbei werden auch noch die Hintergrundstimmen für das Lied eingesungen.

Sein erstes Tonstudio hatte der Vollblutmusiker bereits 1990 im Aachener Musikbunker mit einem Partner eingerichtet, seit 1988 ist er zudem an der Jülicher Musikschule fest angestellt. Als er mit seiner Familie nach Titz zog, richtete er sich zunächst in einem Gartenhäuschen ein Tonstudio ein. Beim Einzug ins Eigenheim wurde der Keller sofort zum „Blue Sound Tonstudio“ umfunktioniert. Zu seinen ersten Kunden gehörte „Johnny Sanders“ alias Ralf Esser, der bis heute Stammgast ist.

Mit Ehefrau Doris, die als Lehrerin tätig ist, und einer Klasse der Hauptschule Titz nahm Dolfus eine Projekt-CD „Kaltes Deutschland“ als Zeichen gegen Rechtsextremismus auf oder ließ Mädchen und Jungen des Gemeindekindergartens „Zauberwelt“ zwölf Lieder zum Thema „Jahresuhr“ einsingen. „100 Stück der CD haben wir an die Eltern verkauft“, freut er sich über das gelungene „Hineinschnuppern“ in die Musikwelt der Kleinen.

Mit 100 verkauften CDs könnte Dietmar Karnott kaum einen Sessionshit landen. Umso mehr freut er sich, mit der „Megajeck“-Compilation ein sehr breites Publikum zu erreichen. Das tut er zudem mit seinen Bühnenauftritten, bei denen er stets ein „Trömmelchen“ dabei hat. Momentan nimmt er außerdem Geigenunterricht, um seine Zuhörer demnächst auch mit seinem Mandolinenspiel zu verzücken.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert