Am Mahnmal Zeichen gegen das Vergessen

Von: ptj/smb
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Schweigeminute am Mahnmal auf dem Schlossplatz: Es wurde der fast vollständigen Zerstörung Jülichs vor 69 Jahren gedacht. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Wenn die persönliche Erinnerung nachlässt, gewinnt die kollektive Erinnerung an Bedeutung“. So brachte Bürgermeister Heinrich Stommel den Sinn der Gedenkveranstaltung auf den Punkt. Vor 69 Jahren, am 16. November 1944, gegen 15.25 Uhr wurde Jülich nahezu vollständig durch Bomben zerstört. Deshalb legen Jahr für Jahr Jülicher Bürger auf dem Schlossplatz einen Kranz nieder und entzünden vor dem Mahnmal ein Licht.

Sie „gedenken der Überlebenden, die so Schreckliches erlebt haben, und der Menschen und Opfer, die damals und heute überall auf der Welt von Krieg, Vertreibung und von der Zerstörung ihrer Heimat betroffen sind“, wie Stommel es ausdrückte.

Er erinnerte an den gegenwärtigen Frieden und einen gewissen Wohlstand der Menschen in Deutschland. Die Jüngeren würden den Krieg nur aus Erzählungen kennen und selten darüber nachdenken, welches Glück ihnen hiermit zuteil werde.

Diesmal setzten rund 50 Bürger „ein Zeichen gegen das Vergessen und die Gleichgültigkeit“. Bevor der Bürgermeister um eine Schweigeminute bat, betonte er: „Dieses Mahnmal möge für uns immer wieder Anlass sein, über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bewusst nachzudenken und entsprechend zu handeln“.

Im kommenden Jahr wird die Stadt Jülich den 70. Jahrestag ihrer Zerstörung begehen. Gemeinsam mit noch lebenden Zeitzeugen will sie an die schrecklichen Ereignisse in den Kriegsjahren erinnern, denn: „Ich bin überzeugt, dass wir nur auf der Grundlage dieser gemeinsamen Erinnerung eine friedvolle Zukunft gestalten können“. Weil dem Bürgermeister einige Zeitzeugen Jülichs bekannt sind, „jedoch sicher nicht alle“, bat er im Vorfeld um entsprechende Hinweise an das Rathaus.

Auf der zentralen Gedenkfeier des Kreises Düren an der Kriegsgräberstätte in Vossenack erinnerte der Kreisverband des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge an die Gefallenen der Weltkriege und die Opfer von Krieg und Gewalt. „Der Mensch heißt Mensch, weil er vergisst, weil er verdrängt“, zitierte Manuel Szanches-Burchhardt, Schüler des Franziskus-Gymnasiums, aus Herbert Grönemeyers Lied. „Der Bezug zu den Toten wird mit jeder Generation geringer. Vieles gerät in Vergessenheit, vieles wird verdrängt“, sagte Szanches-Burchhardt.

Doch in dem Lied heiße es auch, dass der Mensch wärme und erzähle. Und: „Ja, wir brauchen die Erinnerung“, betonte der junge Mann. „Meine Mitschüler und ich können die qualvollen Tragödien, die an diesem Ort vor 69 Jahren geschehen sind, nicht nachvollziehen, weil wir – Gott sei Dank – so etwas noch nie erlebt haben und es auch niemals erleben wollen.“

Gerade deswegen sei es wichtig, sich mit den „Tatsachen und Ursachen des Zweiten Weltkrieges“ zu befassen. „Weil wir Jugendlichen ein Leben führen wollen, ‚wo man lacht, wo man lebt‘ und wo wir uns in Freiheit und Frieden begegnen können.“ Im Krieg werde Leben ausgelöscht, und das sei das Ende jeder Menschlichkeit.

Wolfgang Spelthahn, Landrat und Kreisvorsitzender des Volksbundes, betonte, dass das Gedenken am Volkstrauertag wichtig sei. Angesichts vieler Kriege und Konflikte in der Welt müsse die Erinnerung an das Geschehene und den Tod so vieler Menschen als Mahnung verstanden werden. „Krieg ist nie ein Mittel, um Konflikte zu lösen.“

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