Jülich - Alzheimer: Wenn das Gehirn altert

Alzheimer: Wenn das Gehirn altert

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Neueste Erkenntnisse in der Alzheimer Forschung aus Jülich: Professor Dieter Willbold, Leiter des „Institute of Complex Systems“, Bereich Strukturbiochemie am Forschungszentrum Jülich und des Instituts für Physikalische Biologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, referierte zum Thema Alzheimer im Science College Overbach. Foto: Mengel-Driefert

Jülich. „Alzheimer ist eine Proteinfehlfaltungskrankheit“, erklärte Professor Dieter Willbold zu Beginn seiner Ausführungen zum Thema „Wenn das Gehirn altert – Alzheimer“. Withold Franke moderierte die Veranstaltung, die im Rahmen der Reihe „New Lunar Society“ im Science College Overbach stattfand und mit dem Leiter des „Institute of Complex Systems“, Bereich Strukturbiochemie am Forschungszentrum Jülich und des Instituts für Physikalische Biologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, einen Experten zu Gast hatte.

Die Wahrscheinlichkeit an Alzheimer zu erkranken, steigt mit zunehmenden Alter, war zu hören. Der Anteil der Alzheimer-/Demenz-Kranken der 65-Jährigen liege bei 1,5 Prozent und steige dann in den Folgejahren enorm an. Im Alter von 95 Jahren erkranken rund 50 Prozent an Demenz. „Wir müssen also dringend was tun, sonst haben unsere Sozialsysteme ein Problem“, sagte Willbold. „Es wird jeden von uns treffen, wenn wir nicht vorher an etwas anderes sterben“.

Eine Proteinfehfaltungskrankheit beruhe darauf, dass die Proteine sich nicht in der korrekten Form falten. Als Ursache gelten Verklumpungen des körpereigenen Proteins Amyloid-beta (Aß). Die neuesten Erkenntnisse der Forscher besagen, dass sich die Schädlichkeit der unterschiedlichen Aggregatformen unterscheiden und die kleineren, noch löslichen und frei beweglichen Aggregate, die sogenannten Aß-Oligomere, höchstwahrscheinlich die krankmachende Spezie sind und toxisch auf Nervenzellen wirken.

Hier liegt der Ansatz, um ein kausal wirkendes Medikament zu entwickeln. „Wir wollen die Aß-Oligomere eliminieren“, verdeutlicht Willbold. Zwar gebe es derzeit Medikamente auf dem Markt, doch können die Wirkstoffe lediglich Symptome wie Konzentrationsschwäche oder Aggressivität beeinflussen. Ein kausal wirkendes Medikament kann den Krankheitsverlauf ändern oder prophylaktisch eingesetzt werden.

Noch nicht der Durchbruch

Willbold entwickelte mit seinem Team in einem neuen Testverfahren einen möglichen Wirkstoff, der sich gegen Oligomere richtet. Er wies aber ausdrücklich darauf hin, dass mit diesen Erkenntnissen noch nicht der Durchbruch in der Behandlung von Alzheimer geschaffen sei: „Alles, was wir haben, ist ein Wirkstoffkandidat. Nicht mehr und nicht weniger“. Zahlreiche Tests und klinische Studien stehen an. Im Anschluss stellte das interessierte Publikum zahlreiche Fragen.

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