Alte Schönheiten und ein „Problem-Denkmal“

Von: Kr.
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Die Festung Zitadelle und ihre Vorbauten haben viele verborgene Winkel, die am Denkmaltag gezeigt und erklärt wurden. Foto: Kròl
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Ein „Problem-Denkmal“: Das Linnicher Rur-Wehr ist für die einen schützenswert, für andere ein Hindernis.

Jülich/Linnich. Das Interesse an der Heimatgeschichte und den historischen Gebäuden der Region ist groß. Trotz dicker Regenwolken machten sich zum Tag des offenen Denkmals wieder zahlreiche geschichtsinteressierte Menschen auf, um Denkmäler zu erkunden und vor allem die Gelegenheit zu nutzen, in Winkel vorzudringen, die ansonsten verborgen bleiben.

In Jülich hatte das Museum Zitadelle für diesen Tag seine Tore geöffnet und lockte mit einem breit gefächerten und kostenlosen Angebot. Unter dem Leitgedanken „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmäler?“ stand in diesem Jahr der Tag des offenen Denkmals. In diese Kategorie fällt zwar nicht die Jülicher Zitadelle, dort gibt es aber immer etwas Neues zu entdecken. So waren die Besucher eingeladen, sich die Bastion Marianne, die damals die Stadt in Richtung Merscher Höhe überwachte, anzusehen.

Weiterhin galt es, das Ravelin Lyebeck zu entdecken, das östlich der Zitadelle liegt und von dem nur noch unterirdische Gänge erhalten sind. Das Corps de Juliers konnten die Besucher bei einer Geschützdemonstration beobachten, es gab Führungen durch die Zitadelle, über die Wälle und durch die Kasematten und durch die Ausstellungen. Engagiert, mit großem Wissen und noch mehr Herzblut brachten die rund 15 Führer und Führerinnen ihren Zuhörern die Zitadelle näher. Den meisten Besucher war zwar bekannt, das Herzog Wilhelm V. die Zitadelle vom großen italienischen Baumeister Pasqualini erbauen ließ, doch wer weiß schon, dass zwischen 300 und 500 Millionen Ziegel an der Zitadelle verbaut wurden, die vor Ort geformt und gebrannt wurden.

40 Meter sind ihre Wälle dick. Insgesamt bauten 500 Menschen 30 Jahre lang an der Festung. Bestaunt wurde die große Kanone, die im Kanonenhof an der Johannesbastion steht. Nach einem ausgedehnten Rundgang konnten sich die Besucher bei Kaffee und Kuchen stärken oder weiter nach Linnich fahren.

Die Stadtführer des Stadtmarketingvereins „Wir in Linnich“ boten einige Führungen an. Zum einen ging es einmal rund um die Stadt, bei der an so manchen sehenswerten und versteckten Punkten Halt gemacht wurde. Rund zehn Besucher hatten sich entschlossen, den Ausführungen von Karl Leo Gerards zu lauschen, der sich intensiv mit der Martinus-Pfarrkirche vertraut gemacht hatte. „Es ist eine seltsame Kirche. Manches ist hier nicht ganz stimmig, doch in jeder Ecke gibt es etwas Interessantes zu sehen“, erklärte er.

Besonders groß war das Interesse natürlich am Antwerpener Schnitzaltar, dem Glanzstück des Gotteshauses. Der Experte berichtete, dass der Altar ursprünglich dem Meister von Linnich zugeordnet worden war, aber vom Meister der Antwerpener Anbetung stammt. Doch noch spannender als seine Entstehungsgeschichte ist der Erhalt und die Wiederauffindung des Altars nach dem Krieg. Aus dem Schutt der zerstörten Kirche hatte eine Linnicher Bürgerin die Einzelteile ausgegraben und sicher verwahrt, bis der Altar wieder aufgebaut werden konnte. Sie hat über ihre Suche genau Tagebuch geführt, dass Karl Leo Gerads ebenfalls bei sich hatte.

Eine Infoveranstaltung hatte die Interessengemeinschaft für die Erhaltung des Linnicher Rurwehrs für diesen Tag direkt am Wehr geplant, denn gerade dieses Bauwerk passt sehr gut in die Kategorie „Problem-Denkmal“, erhitzen sich doch am Pro und Contra für das Rurwehr seit Jahren die Gemüter. Dem Denkmalschutz auf der einen Seite stehen zum Beispiel ökologische Fragen gegenüber, denn trotz Fischtreppe können nicht alle Fische die Stelle passieren. Das schlechte Wetter machte dem Vorhaben der IG einen Strich durch die Rechnung, doch wer wollte, konnte bei Walther Schieffer, einem der Initiatoren der Gruppe Näheres erfahren.

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