Altar-Boot schwimmt am See Genezareth

Von: Antonius Wolters
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Blick in den Altarraum, von dem aus der Blick auf den dahinter liegende See Genezareth fällt: Maria Fernandez zeigt das Modell des Kirchenraumes und die Abbildung eines Bootes, die sich in der Form des Altars wiederfindet. Foto: Wolters

Engelsdorf. Die auf Burg Engelsdorf lebende und arbeitende chilenische Künstlerin Maria Fernandez hat derzeit häufiger im Heiligen Land zu tun. Gut, dass Tel Aviv mit dem Flieger von Düsseldorf aus nur vier Stunden entfernt ist.

Maria Fernandez ist die künstlerische Leiterin eines Projektes, wozu sie das Designkonzept entworfen hat, das noch großes Aufsehen erregen dürfte: das Magdala-Center am Westufer des See Genezareth in Galiläa. Hier soll Jesus dereinst gelebt und gepredigt haben und von hier stammen auch viele seiner Jünger, die vor der Begegnung mit Jesus ihre Netze zum Fang auswarfen, bevor sie von ihm als Menschenfischer ausgesandt wurden.

Bedeutende Handelsstadt

Magdala ist nicht allein in der Bibel ein prominenter Ort, dort lebte beispielsweise Maria Magdalena, die Freundin Jesu, sondern hat auch große Bedeutung für das Judentum. Und Magdala war eine bedeutende Handelsstadt zur Zeit der römischen Besatzung, als dort knapp 40.000 Menschen lebten. Eine Spezialität der dort tätigen Fischer war das Räuchern und Einpökeln der Fische, die als Delikatesse über den Hafen Caesarea nach Rom exportiert wurden und dort auf den Tischen vieler Feinschmecker landeten. Auf dem gleichen Weg wurde Jahre später die frohe Botschaft verbreitet.

Dem Erdboden gleichgemacht wurde die Stadt jedoch im Jahr 67, als der spätere römische Kaiser Vespasian den so genannten jüdischen Aufstand blutig niederschlug. Die Erinnerung an Magdala verblasste, und die Natur eroberte den Uferstreifen zurück, wo die einst stolze Stadt stand.

Pilgerzentrum

Vor über 100 Jahren erwarben die Franziskaner ein Grundstück in Magdala und begannen dort mit umfangreichen Grabungen. 2006 kauften die Legionäre Christi (LC) die benachbarten Grundstücke und entschieden, mit dem Projekt „Magdala Center“ den Dornröschenschlaf zu beenden. Der Orden betreibt in Jerusalem das päpstliche Zentrum Notre Dame und will in Magdala ein insgesamt fast neun Hektar großes interreligiöses Pilgerzentrum errichten. Bei rund 1,7 Millionen Gästen aus aller Welt und diversen Religionsgemeinschaften darf ein anhaltender Zuspruch als gesichert gelten.

Im Zuge der Baugenehmigungen – geplant sind unter anderem ein Pilgerhotel mit 140 Zimmern, Restaurant und eine Kirche direkt am Ufer des Sees – verpflichtete sich der Orden auch dazu, das Gelände durch Archäologen weiter untersuchen zu lassen. Bei den Grabungen landeten die Wissenschaftler diverse Volltreffer: Mit dem alten Magdala aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert wurden die alten Hafenanlage und auch die Synagoge samt Altar aus dieser Zeit ausgegraben, die vermutlich auch von Jesus bei seinen Aufenthalten am See Genezareth besucht worden ist. So gehört inzwischen auch ein Archäologie-Park zum Konzept des Centers, wo die Funde in einem eigenen Museum präsentiert werden.

Für monotheistische Religionen

Herzstück der Anlage ist die große Kirche, die allen monotheistischen Religionen offen steht. Zwei Jahre hat sich eine fünfköpfige Kommission des Bauherrn Zeit genommen, geeignete Personen für die Ausarbeitung des künstlerischen Konzeptes zu finden. Im Oktober 2010 erreichte die frohe Botschaft die Eheleute Fernandez, dass sie den Zuschlag für das Projekt erhalten haben. Seither arbeitet Maria Fernandez an der Musterplanung für das Vorhaben, erstellt Modelle, zeichnet Studien und hält engen Kontakt mit Architekten und Bauleuten.

In Engelsdorf laufen bei der Ausstattung alle künstlerischen Fäden zusammen und werden auch Aufträge an Fachateliers vergeben. So ist das Magdala-Center auch in der Ausführung ein internationales Projekt. Die Architekten sind Israeli und Palästinenser, die Ikonografie kommt aus Südamerika und die gesamten Schriftarbeiten in Stein werden von einem Meister aus Mönchengladbach ausgeführt. Die Entwürfe werden in Betlehem bei Akram Anastas, ebenfalls einem Palästinenser, umgesetzt, der auch die Krypta baut. Bronze- und Holzarbeiten werden wiederum aus Engelsdorf kommen.

Der Rohbau der Kirche wird zwar erst im Februar fertig, doch die Vorstellungen von Maria Fernandez, wie das Gotteshaus einmal aussehen soll, sind schon viel weiter gediehen. So liegt der Altarraum an der Wasserseite des Gebäudes und gewährt einen direkten Blick auf den See Genezareth. Der Altar selber hat die Form eines Bootes, das als Symbol in vielen Religionen einen festen Platz hat. Ein Mosaik, das solch ein Plattboot zum Befahren eines Sees zeigt, hat es bis ins Logo für das Magdala-Center gebracht. Maria und Juan Fernandez haben ein 1:1-Modell aus Styropor angefertigt und Pater Juan Solana LC bei einem Besuch auf Burg Engelsdorf präsentiert.

Das Atelier von Maria Fernandez ist voll mit Bauplänen, Bleistiftskizzen und Modellen aus Pappe, die Details der Kirche zeigen. Bevor der Entwurf des Altars stand, studierte Fernandez alte Bilder und Konstruktionszeichnungen, nahm sogar Kontakt zu einem Bootsbauer auf, um Form und Funktion authentisch zu gestalten. Die Authentizität des Ortes soll sich auch in den Entwürfen widerspiegeln.

Ein Ort der Ruhe

Am 8. Dezember 2013 soll das Magdala-Center eingeweiht werden. Die Kirche mit Krypta und vier Kapellen dürfte dann noch nicht vollendet sein, doch die detailverliebte Maria Fernandez, die stetig um künstlerische Qualität ringt, wird bis dahin ihr Nervenkostüm sicher noch arg strapaziert haben. Gut, dass sie in Engelsdorf die nötige Ruhe findet.

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