Alt-Bürgermeister Tertel unterrichtet Sprache und Pünktlichkeit

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Sprachkurs für Flüchtlinge in Aldenhoven: Lothar Tertel ist einer von fünf ehrenamtlichen Mitarbeitern. Der Kurs findet im Herzen der Gemeinde statt, im Sitzungssaal des Rathauses. Foto: Mengel-Driefert

Aldenhoven. Er nahm die Geschicke Aldenhovens in die Hand, entschied und delegierte. Heute engagiert sich Ex-Bürgermeister Lothar Tertel ehrenamtlich. Er vermittelt Flüchtlingen die deutsche Sprache und Alltagskultur. Der Unterrichtsort ist für Tertel eine vertraute Umgebung: der große Sitzungsaal des Aldenhovener Rathauses.

Männer aus Eritrea, Iran, Irak, Syrien sitzen zusammen, der älteste Teilnehmer ist über 60 Jahre alt, der jüngste 17. Mit Powerpoint projiziert Tertel Lerntafeln an die Wand, es geht um Begriffe wie Nase, Mund, Kinn und so weiter. Der ehemalige Bürgermeister wiederholt die Worte, demonstriert ihr Bedeutung am eigenen Körper, die Männer sprechen ihm nach. Er tut das mit Elan, die Teilnehmer antworten spontan und mit offensichtlichem Spaß an der Sprache.

Es ist die dritte Kurswoche. „Alle sind sehr wissensdurstig“, sagt Tertel. Den Deutsch-Kurs betreuen insgesamt fünf ehrenamtliche Mitarbeiter. Tertel ist einer davon. Er mache das sehr gerne. Zudem habe er Zeit.

Der Deutschkurs in Aldenhoven wird von der Bundesanstalt für Arbeit gefördert. Es ist ein Einsteigerkurs für Flüchtlinge mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit, organisiert vom Institut für Gesundheit und modulare Pflege (Ingmo). Er findet nahezu täglich statt - montags bis donnerstags von 8.30 bis 13 Uhr. Der Kursinhalt richtet sich nach dem Thannhauser Modell, vermittelt eine Erstorientierung, ist für die erste Zeit zwischen Ankunft und Anerkennung gedacht.

Lothar Tertel findet die Vermittlung der deutschen Alltagskultur wichtig. Wie das geht? Tertel gibt ein Beispiel: „Wir haben die Asylbewerber zum Frühstück eingeladen und die nötigen Lebensmittel gemeinsam eingekauft.“ Die Teilnehmer setzten das Erlernte um, fragten eine Verkäuferin, wo sie dieses oder jenes finden. Er erklärte unterschiedliche Preise bei unterschiedlichen Mengenangaben. Und worauf sonst noch so geachtet werden muss. Tertel sagt den Flüchtlingen, dass Lächeln bei Begegnungen sehr wichtig sei, auch der direkte Blickkontakt oder die Pünktlichkeit.

Weitere Exkursionen

„Wir haben ein lockeres Verhältnis untereinander“, ergänzt er. Eine Krawatte trage er nicht, er duze die Flüchtlinge, sie duzten ihn. Die traurigen Fluchtgeschichten und die Beweggründe der Flucht einzelner Teilnehmer kenne er gut. Nicht weil er gefragt hat – die Menschen erzählen sie ihm.

Lothar Tertel lässt die Flüchtlingsproblematik nicht kalt. Das kommt rüber. Doch er geht zielgerichtet damit um. Er lädt sich Zusatzmaterial aus dem Internet herunter, macht sich Gedanken über die Methodik, freut sich auf weitere „Exkursionen“. Zuletzt stand ein Besuch im Brückenkopf-Park auf dem Plan. Eine Einladung in die Lehrwerkstatt eines Großunternehmens gibt es auch schon.

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