Alles über Diagnose und Therapie von Gallenerkrankungen

Von: ptj
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Kooperationspartner der Info-R
Kooperationspartner der Info-Reihe: Thomas Prell (v.l.), AOK-Geschäftsstellenleiter in Jülich, Dr. Helmut Saler, Chefarzt der Chirurgie, und der kaufmännische Krankenhausdirektor Jan Habbinga. Foto: Jagodzinska

Linnich. „Bei erhöhten Leberwerten immer nach dem Grund suchen”, riet Dr. Christian Rabe, der als Oberarzt für Innere Medizin im Linnicher St. Josef-Krankenhaus in die großen Fußstapfen von Dr. Budisetijadi Lie tritt. Anlass war ein Infoabend in der Kooperationsreihe des St. Josef-Krankenhauses und der AOK Düren-Jülich zu Diagnostik, Therapie und operativen Möglichkeiten bei Gallenblasen- und Gallenwegserkrankungen.

Der Linnicher Internist und Gastroenterologe arbeitet Hand in Hand mit dem Chefarzt für Chirurgie, Dr. Helmut Saler, der seinen Vortrag um das Gebiet der Gallenblasenchirugie ergänzte. „Es kommt sehr häufig vor, dass wir in der Endoskopie den Chirurgen hinzubitten”, also Endoskopie und Chirurgie notwendig werden. „Die Leberwert-Erhöhung ist ein Frühsymptom der Erkrankung der mikroskopisch kleinen Gallenwege, die man im Anfangsstadium nicht merkt”, führte Rabe aus. Bei früher Behandlung könnten zwei Drittel der Patienten vor dem Tod oder einer Lebertransplantation bewahrt werden.

Prädestiniert für Gallensteine in Gallenblase und Gallengang seien Frauen über 40, die übergewichtig sind oder schnell abgenommen haben, viele Schwangerschaften hatten oder genetisch veranlagt seien. Bei regelmäßig hohem Kaffeekonsum oder Cholesterin-Senkern sei das Risiko, Gallensteine zu bekommen, 40 Prozent geringer!

Gallengangspiegelung erläutert

Rabe erläuterte die Leberpunktion unter örtlicher Betäubung zur Entnahme von Lebergewebe und die „endoskopische retrograde Cholanglopankreatikographie” (Gallengangsspiegelung), mit der diagnostische und therapeutische Eingriffe durchgeführt werden können. Gallenblasensteine sollen entfernt werden, wenn sie Beschwerden verursachen wie Druckgefühl im Oberbauch, ziehende Schmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken oder die rechte Schulter oder Koliken. Auch Gelbsucht sei ein Indikator dafür, dass die Galle nicht fließen könne. Ansonsten drohe eine Gallenblasenvereiterung oder eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, wenn ein Stein sich weiter unten festsetzt.

Wegen der Gefahr der Krebsentstehung riet Saler auch dazu, seit langer Zeit bestehende Steine und solche mit einer Größe ab drei Zentimetern und Polypen ab einer Größe von einem Zentimeter entfernen zu lassen. Immer herausgenommen werden sollen Gallengangsteine, bei denen fast immer ein Abflusshindernis bestehe.

Der Gallengang ist die Domäne des Internisten. Die operative Entfernung der Gallenblase, die stets in Vollnarkose erfolgt, ist laut Saler mit etwa 190.000 Fällen im Jahr einer der häufigsten bauchchirurgischen Eingriffe in Deutschland. Er selbst hat bereits rund 1500 Gallenblasen entfernt. Zwei Zugangswege unterscheiden sich: Die „offene” Operation mit großer Operationsnarbe - die erste Gallenblase weltweit wurde 1884 entfernt - und die „minimal-invasive” oder „laparoskopische” OP-Form, auch „Schlüssellochmethode” genannt, die 1985 erstmals erfolgte.

Letztere stelle heute den Standard in der Gallenblasenchirurgie dar. „Minimal-invasiv” bedeute nicht etwa, dass es sich um einen kleineren Eingriff handelt, klein seien aber die Zugangswege. Die Schnitte sind meist zwischen 0,5 und zwei Zentimetern lang. Der Chirurg erklärte Unterschiede zwischen „endoskopischer OP” und der „laparoskopischen” Version. In ersterer nutzt der Chirurg natürlich Körperöffnungen, in letzterer erfolgen drei Schnitte in den Oberbauch, in den diverse Röhrchen für Operationsinstrumente und Optikstab mit Kamera eingeführt werden. Vorteile der Schlüsselloch-Techniken seien kleinere Wunden, geringere Schmerzen, frühere Mobilisation und geringere Gefahr von Narben- und Bauchwandbrüchen.

Interessantes Detail: „Ein Chirurg muss 50 Gallenblasen gesehen haben, bevor er eine entfernen darf”. Saler spielte einen Film über einen „minimal-invasiven” Eingriff ab, bevor sich beide Ärzte den Fragen der Zuhörer stellten.
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