Aldenhovener Brüder bertreiben Borussia-Blog „Mitgedacht“

Von: Guido Jansen
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Hier sind die Mitgedacht‘ler David Büchler (oben, links), Martin (rechts) und Christoph Küppers (unten) zu Hause im Borussia-Park: Nordtribüne, Block 16. Hier entstehen die meisten Geschichten für die Internetseite, hier ist der Standpunkt, von dem aus die Redaktion auf den Fußball-Bundesligisten schaut. Foto: Guido Jansen
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Ungewohnt: Auf der Trainerbank der Borussia haben die Mitgedacht‘ler bis dato noch nicht gesessen.

Aldenhoven/Mönchengladbach. Es war der letzte Arbeitstag von André Schubert als Trainer des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Vermuten durfte man das, wissen aber nicht. Am Abend sollte die Borussia ihr Heimspiel gegen Wolfsburg 1:2 verlieren, am nächsten Morgen der Trainer seinen Job.

Und deswegen hatten die Aldenhovener Brüder Martin (24) und Christoph (25) Küppers sowie David Büchler (26, Mönchengladbach) Hemmungen, sich auf der Trainerbank der Borussia fotografieren zu lassen. „Wir wollen die Trainerdiskussion ja nicht unnötig befeuern“, sagte Christoph Küppers und lachte dabei. Die jungen Männer sind Dreiviertel der Redaktion des Blogs „www.mitgedacht-block.de“, einer Fan-Seite im Internet rund um den Fußball-Bundesligisten. Oliver Reul (27, Krefeld) hatte an diesem Tag, der Schuberts letzter als Borussia-Trainer werden sollte, keine Zeit.

Das Blog, das die Vier betreiben, ist bewusst aus der Sicht der Fans gemacht, aus ihrer Sicht. Gleichzeitig hat es sich die Redaktion selbst zur Auflage gemacht, nach professionellen journalistischen Standards zu arbeiten. Sie führen Interviews mit Spielern, schreiben über das Politikum der Anstoßzeiten in der Bundesliga oder kritisieren die Art, wie Schubert entlassen wurde – alles professionell, aber alles aus dem Blickwinkel der Fans.

Mittlerweile ist „Mitgedacht“ so erfolgreich, dass die Seite von der Borussia als ernsthaftes Medium betrachtet wird. „Wir haben so viele Klicks, dass wir für Werbung interessant wären“, sagt Christoph Küppers. „Aber das wollen wir nicht.“ Mitgedacht soll ein Fan-Projekt bleiben. Auch deshalb haben die Drei Respekt vor der Aufgabe, sich auf die Trainerbank zu setzen; sei es auch nur für ein Foto. Vermutlich auch, weil sie da nicht ihren Platz sehen. Der ist auf der Nordtribüne, Block 16. Da, wo besonders laut gefeiert wird, wenn es läuft und wo der Frust in schwierigen Zeiten wie diesen besonders groß ist.

2013 haben Christoph Küppers und David Büchler die Idee zu „Mitgedacht“ gehabt. Beim Studium in Düsseldorf haben sie festgestellt, dass sie nicht nur Hörsäle teilen, sondern auch die Leidenschaft für die Borussia, Auswärtsfahrten, das ganze Programm. „Fan-Seiten über die Borussia gab es schon“, sagte Büchler. „Die haben sich aber alle überwiegend mit dem Sport befasst. Wir wollten die Sicht von Allesfahrern (Fans, die jedes Auswärtsspiel mitmachen) einbauen, Geschichten aus der Fankurve erzählen.“ Im Titel „Mitgedacht“ haben sie das M und das G für Mönchengladbach untergebracht. Sie berichten aus der Borussia-Fankurve in Augsburg genau so wie zuletzt aus Barcelona. Und über die Talfahrt ihrer Mannschaft. Nach der Trainerentlassung haben die Mitgedacht‘ler eindeutig einen Teil der Misere bei einigen Spielern ausgemacht, die nicht immer bedingungslos 100 Prozent Einsatz gezeigt hätten. Deswegen haben sie die Rückrunde schon vor Weihnachten als Charaktertest ausgerufen.

In allen Beiträgen wählen die Mitgedacht‘ler die Wir-Perspektive. Wir, das liegt irgendwo zwischen den Ultras und den alteingesessenen Fans. Küppers spricht von Normalo-Fans, ohne den anderen Gruppierungen attestieren zu wollen, unnormal zu sein. „Wir wollen Denkanstöße geben, dass man als Fan auch mal über andere Sichtweisen nachdenken kann. Deswegen auch der Name Mitgedacht“, erklärte Küppers.

Was sie nicht wollen ist, den moralischen Zeigefinger zu heben. „Fußball ist für die Fans eine hoch emotionale Angelegenheit“, sagte Büchler. „Da sollte man auch mal den Fuß auf den Ball setzen und sich fragen, was zum Fan-Sein dazugehört und was vielleicht nicht.“ Jedwede Form von Diskriminierung beispielsweise definitiv nicht.

Die Namen der Kategorien sagen einiges darüber aus, was Mitgedacht bedeutet. In „Spieltag“ geht es um das, was gerade auf dem grünen Rasen passiert, „Sportlich“ ist alles rund um den Rasen und die Fohlenelf, die Geschichten in „Kurvengeschehen“ geschehen auf der Tribüne, in „Quergedacht“ transportiert die Redaktion ihre Meinung zu allem Möglichen rund um die Borussia. „Interviewt“ werden kann jeder, der die Raute auf der Brust trägt. Seien es die Fans zum Thema Stimmung im Stadion oder Spieler wie Toni Jantschke, der nicht nur zum Geschehen auf dem Platz gefragt wird.

Geplant hatten die vier Macher von Mitgedacht ursprünglich nicht, dass ihre Seite zur Pflichtlektüre für viele Borussia-Fans wird. „Das ist einfach gewachsen. Am Anfang haben wir uns riesig darüber gefreut, als wir 1000 Likes auf unserer Seite haben. Heute haben wir für ein einzelnes Video teilweise 1000 Likes“, sagte Martin Küppers, der der beste Fußballer in der Redaktion ist. Wie sein Bruder hat er das Abitur am Gymnasium Haus Overbach abgelegt, beide haben in der Jugend für Germania Lich-Steinstraß gespielt. Martin hat danach noch zu Bezirksligazeiten für den FC 06 Rurdorf gegen den Ball getreten.

Martin Küppers studiert Elektrotechnik und sieht seine Zukunft deswegen definitiv nicht im Bereich Medien. Im Gegensatz zu seinen drei Mitstreitern. Sein Bruder besucht nach seinem Studium eine Journalistenschule, David Büchler schließt gerade das Studium Strategische Kommunikation ab, bei Oliver Reul ist eine Laufbahn im Bereich Journalismus/Kommunikation/PR zumindest nicht ausgeschlossen. Mitgedacht kann also ein Sprungbrett oder erste Erfahrung sein. „Aber es bleibt für uns alle ein Hobby, das wir aufgrund unserer Leidenschaft für die Borussia machen“, sagte Martin Küppers.

Wie zum Beweis zückt das Trio nach dem Fototermin auf der Trainerbank die Telefone, um den Moment unten am heiligen Rasen fotografisch festzuhalten. So, wie es jeder andere Fan auch tun würde, wenn er auf der Trainerbank sitzen darf.

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