Aldenhoven macht Front gegen Rechts

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Mit diesen Schildern an den Ortseingängen macht die Gemeinde Aldenhoven ab dem 11. November Front gegen Rechts. Foto: gep

Aldenhoven. Aldenhoven macht Front gegen Rechts. Am 11. November, wenn in der Gemeinde der November-Pogrome von 1938 gedacht wird, startet eine Kampagne, an der sich die beiden Kirchen, die Schulen, die Kindergärten, Vereine sowie der Türkisch-Islamische Kulturverein und die Tamilische Gemeinschaft beteiligen.

Der evangelische Pfarrer Charly Cervigne und Bürgermeister Lothar Tertel sagten auf einer Zusammenkunft aller Akteure, dass in Aldenhoven Menschen unterschiedlicher Herkunft friedvoll zusammenlebten. Und das, so Cervigne unmissverständlich, „wollen wir uns nicht versauen lassen.“

Schmierereien

In jüngster Vergangenheit hatte es vermehrt Schmierereien und Zerstörungen gegeben.Tatorte waren unter anderem die evangelische Kirche, die Stele im Römerpark, die an die ermordeten jüdischen Mitbürger erinnert, die Bodenplatte vor dem ehemaligen jüdischen Gebetshaus in der Alten Turmstraße, das Haus des Künstlers Karl-Heinz Schumacher, der die Stele entworfen hatte, die Gaststätte eines marokkanischen Mitbürgers.

Diese Zwischenfälle waren Anlass für die jetzige Kampage. Tertel: „Braunes Gedankengut hat hier keinen Platz.“ An den Ortseingängen werden ab dem 11. November 40 mal 72 Zentimeter große Schilder mit der Aufschrift „Unsere Gemeinde ist bunt statt braun“ montiert werden.

Finanziert werden die Schilder mit einem „Haushaltsrest“ von 700 Euro und 500 Euro, die Tertel sowie die Ratsmitglieder Reinhard Paffen, Udo Wassenhoven und Dieter Froning als Aufsichtsräte des Verbandswasserwerkes Aldenhoven zur Verfügung stellen.

Überall in der Gemeinde soll in einer Langzeitaktion unter Federführung des Bündnisses gegen Rechts Farbe bekannt werden. Riesige wetterfeste Banner werden etwa die katholischen Firmlinge entrollen – „Lieber bunt statt braun“ – und Gedenkstätten besuchen.

Realschüler wollen ebenfalls ein fünf Meter langes Banner und Stellwände gestalten sowie Plakatserien gegen rechtsradikale Propaganda entwerfen. Im Geschichtsunterricht wird zudem die Frage: „Was ist ein Held?“ geklärt.

Die evangelischen Konfirmanden wird „Wie man sich wehren kann“ beschäftigen. Die Hauptschüler werden sich ebenfalls mit dem Kampagnen-Thema beschäftigen – gestützt auf Plakate des Künstlers Schumacher: „Nazis essen Bananen / Exotisch, nicht deutsch“.

Schumacher ist, wie Cervigne hervorhebt, der „Vater des Gedankens“ gewesen, diese großangelegte Kampagne zu starten. Zudem werden die Hauptschüler am 11. November nach dem Gedenkzug das Catering im Ludwig Gall-Haus übernehmen. Denn dort wollen sich die Teilnehmer zu einer zwanglosen Runde treffen.

Auch in den Grundschulen gibt es „keinen Platz für Rassismus“. Die Kleinen werden historische Stätten wie den jüdischen Friedhof, das Gebetshaus oder die Stele im Römerpark kennenlernen. In den Kindergärten („Wir sind interkulturell orientiert“) werden Schilder mit klaren Botschaften bemalt und zudem Bäume bunt geschmückt.

Auch Vereine werden sich beteiligen, darunter die Karnevalsgesellschaft Turmschwalben. „Gegen die Chaoten“ läuft auch Teutonia Niedermerz auf. Hinter dem Tor wird künftig ein Banner gespannt werden. In den Mannschaften des Vereins spielten so viele Nationalitäten – „bunter kann es nicht sein“.

Auch die Mitglieder des TuS Aldenhoven („Wir sind gelebte Vielfallt“) wollen „Farbe bekennen“. Bei Wettkämpfen der Ringer und Badminton-Spieler, die etwa ein linksrheinisches Ranglistenturnier ausrichten, werden in der Turnhalle Banner entrollt werden.

Ob sie dort dauerhaft hängen bleiben dürfen, ist indes fraglich. Pfarrer Cervigne: „Der Brandschutz hat heute eine größere Bedeutung als der liebe Gott.“ Theo Herber hat zum Start der Aktion ein Logo entworfen, das etwa auf Briefpapier über die Gemeindegrenzen hinweg davon künden soll, dass Aldenhoven „lieber bunt als braun“ sein will.

Und sechs Jugendliche unter der Obhut des Sozialarbeiters Lothar Thielen werden den Verlauf der Kampagne mit der Filmkamera dokumentieren. Darunter ein „buntes“ Fußballturnier am 21. Dezember. Auch dort soll Rechtsextremisten die kleine handliche „Rote Karte“ gezeigt werden – mit der Aufschrift „Jetzt reicht‘s!“

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