Aldenhoven - Aldenhoven interessant für Ansiedlungen und Neubürger machen

Aldenhoven interessant für Ansiedlungen und Neubürger machen

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Ralf Claßen amtiert seit dem 21. Oktober als Bürgermeister der Gemeinde Aldenhoven. Motive der einzelnen Ortschaften zieren die Wand hinter seinem Schreibtisch im Rathaus. Foto: Wolters

Aldenhoven. Nach einem mit langem Atem geführten Wahlkampf scheint Ralf Claßen als neuer Aldenhovener Bürgermeister seinen Traumberuf gefunden zu haben. Unser Redakteur Antonius Wolters sprach mit ihm.

Herr Claßen, Sie sind schon mehr als 100 Tage im Amt. Was hat Sie im „neuen Beruf“ am meisten überrascht, womit hatten Sie nicht gerechnet?

Ralf Claßen: Die ersten hundert Tage sind wirklich wie im Flug vergangen. Vorausschicken möchte ich, dass ich zwischenzeitlich völlig unerwartet meinen Traumberuf gefunden habe. Nicht gerechnet habe ich damit, dass der Einstieg in dieses verantwortungsvolle Amt so reibungslos verlaufen würde. Das hat mich genauso überrascht, wie die überaus positive Resonanz auf meine bisherige Amts- und Personalführung durch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und durch viele Bürgerinnen und Bürger. Auch im Gemeinderat lässt sich ein neues Klima, ein neuer, weitgehend positiver und konstruktiver Umgang feststellen, den ich von Beginn an reklamiert habe. Das macht mich sehr froh und bestärkt mich, den eingeschlagenen Weg so fortzusetzen.

Sie haben schon im Kommunalwahlkampf die Einführung eines Bürgerhaushalts, die Einrichtung eine Jugendparlaments und eines Integrationsrates angeregt. Wann sollen diese Ziele umgesetzt werden?

Claßen: Neben dem Tagesgeschäft beschäftigen wir uns im Rathaus permanent mit verschiedenen Themen, die einen mittel- bis langfristigen Planungsvorlauf benötigen. Hierzu gehören neben einigen anderen auch die genannten Themen. Um die Kompetenzen und Ideen meines Teams mit einzubringen, habe ich eine Beteiligungskultur eingeführt. Wir diskutieren auf der Ebene des Verwaltungsvorstands und auch mit den nachgeordneten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die unterschiedlichen Themen, um im Anschluss ausgereifte Ideen in den politischen Entscheidungsprozess einzubringen bzw. diese umzusetzen. Unsere Auszubildenden bereiten im Rahmen eines von mir vorgegebenen Projektes neben Ihrer Berufsschule derzeit einen Vorschlag für die Initiierung einer zukünftigen Jugendbeteiligung vor. Ich selbst arbeite nun im Initiativkreis Integration in unserer Gemeinde mit, und wir diskutieren dort derzeit bereits die verwaltungsseitige Unterstützung einer Integrationsbeauftragten für die Gemeinde. Abschließend zum Thema Bürgerhaushalt: 2016 ist für uns als Stärkungspaktkommune aufgrund der gesetzlichen Vorgaben ein immens wichtiges Haushaltsjahr. Erst danach, so meine derzeitige Einschätzung, werden wir uns – auch aufgrund der Vielzahl der sonstigen Themen – hiermit befassen können.

Ihr Konzept sah auch einen Seniorenbeirat und die Umsetzung eines seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes vor. Was soll hier wann getan werden?

Claßen: Dieses Thema ist vor dem Hintergrund der Altersentwicklung für unsere Gemeinde von herausragender Bedeutung. Entsprechend sind wir bereits auf verschiedenen Gebieten aktiv. Die Bebauungsplanung für die jetzt frei gewordene Fläche in der Frauenrather Straße wird auf jeden Fall eine senioren- und bedarfsgerechte Bebauung beinhalten. Mit dem Investor für die geplante Seniorensiedlung an der Konrad-Adenauer-Straße stehen wir in engem Kontakt und werden verwaltungsseitig das Verfahren soweit möglich beschleunigen. Ein weiteres potenzielles Projekt für eine seniorengerechte Bebauung mit der Möglichkeit zur Inanspruchnahme von Tagespflege wird derzeit andiskutiert. Den Bedarf für diese und weitere Projekte werden wir in Kürze mittels einer repräsentativen Bürgerbefragung ermitteln.

Sie haben sich inzwischen sicher einen Überblick zu den finanziellen Spielräumen der Gemeinde Aldenhoven verschafft. Welche Maßnahmen wollen Sie initiieren, um die Haushaltszahlen zu verbessern und vielleicht Spielräume für Steuersenkungen zu schaffen?

Claßen: Gleich vorab: Steuersenkungen sind im Rahmen des Sanierungsplanes leider kein Thema. Das lassen die Vorgaben nicht zu, denn wir müssen das in den zurückliegenden Jahren entstandene Haushaltsdefizit bis 2021 mit großem Aufwand und mit erheblichen Einsparbemühungen umsetzen. Das hindert uns aber nicht daran – und daran arbeite ich bereits unmittelbar seit meiner Amtsübernahme – die Einnahmesituation unserer Gemeinde zu verbessern. Wie möchte ich das schaffen? Beispielsweise dadurch, dass ich Aldenhoven interessant für die Ansiedlung sowohl von Unternehmen als auch von Neubürgern mache. Hier wird ein verbessertes Standortmarketing ein Instrument darstellen und ich habe einen ersten Erfolg bereits mit der Durchführung einer bedeutenden überregionalen Wirtschaftsförderungsveranstaltung heute Nachmittag hier in Aldenhoven durch Kreis und IHK Aachen zum Thema „Logistik“ erzielen können. Die Einführung eines angemessenen und regelmäßigen Kunst-, Kultur- und Freizeitangebots wird ein Übriges dazu tun und unseren Bürgerinnen und Bürgern und hoffentlich auch vielen auswärtigen Gästen in Zukunft viel Freude bereiten. Wir starten gleich zu Ostern mit dem ersten Aldenhovener Ostermarkt in unserem Römerpark.

Interkommunale Zusammenarbeit und die Nutzung von Synergieeffekten haben Sie sich ebenfalls auf die Fahnen geschrieben. Wie soll das konkret umgesetzt werden? Mit wem soll wobei zusammengearbeitet werden?

Claßen: Die interkommunale Zusammenarbeit ist bereits im vollen Gange. Mit den Gemeinden Baesweiler und Linnich konferieren wir beispielsweise ständig in Bezug auf die Entwicklung des Campus Aldenhoven und die gemeinsame Gesamtschule Aldenhoven-Linnich. Ich habe bereits eine Vielzahl der umliegenden Kommunen im Rahmen meiner Antrittsbesuche besucht. In den Gesprächen mit den Bürgermeistern wurden stets die Möglichkeiten einer Ausweitung der interkommunalen Zusammenarbeit thematisiert. Verschiedene Ansätze müssen nun jeweils verwaltungsintern weiter auf ihre Realisierbarkeit geprüft werden, aber das erfordert seine Zeit.

Im Zusammenhang mit der Verlagerung der Kartbahn von Kerpen-Manheim im Zuge des Braunkohlentagebaus wurde bei einer Vorprüfung durch die Bezirksregierung der Standort Sophienhöhe als ungeeignet abgelehnt, indes der Industriepark Emil Mayrisch als mögliche Fläche ins Spiel gebracht. Wird neben der „Filmautobahn“ demnächst eine Kartbahn errichtet?

Claßen: Nein, dafür sehe ich aktuell weder einen Bedarf noch gibt es eine entsprechende Anfrage seitens eines möglichen Investors an die Gemeinde Aldenhoven.

Ein Bahnanschluss würde den Campus Aldenhoven in Siersdorf weiter aufwerten und wäre auch durch die Anbindung Richtung Aachen attraktiv für künftige Wohngebiete. Wie steht es um die mögliche Verlängerung der Bahnlinie bis nach Siersdorf?

Claßen: Ich sehe dort gute Möglichkeiten und bin selbst in einer interkommunalen Arbeitsgruppe mit dem zukünftigen Betreiber und den benachbarten Bürgermeistern aus Alsdorf und Baesweiler aktiv. Der gemeinsame Wille zur Umsetzung und die positiven Ergebnisse der vorliegenden Machbarkeitsstudie sind eine große Motivation. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir gemeinsam erfolgreich sein werden, wenn auch die monetären Fragen auf der Bundes- und Landesebene letztlich geklärt werden können. Wichtig ist aber zu wissen, dass es sich selbst bei optimalem Verlauf um ein mehrjähriges Planungs- und Umsetzungsverfahren handeln wird. Schnelle Lösungen sind hier nicht zu erwarten.

Was wollen Sie tun, um das Aldenhovener Zentrum zu beleben und dortige Leerstände zu beseitigen?

Claßen: Die Beseitigung des teilweise vorliegenden Leerstandes im Zentrum Aldenhovens ist das Ergebnis einer langfristigen Entwicklung der Gesellschaft und teils auch der in den Eigentümerfamilien. Nicht jeder Geschäftsinhaber findet einen Nachfolger, sei es aus der eigenen Familie oder von extern. Und die Einkaufsgewohnheiten haben sich gewandelt. Wir kaufen heute gerne dort ein, wo verschiedene Geschäfte und Angebote auf engem Raum zusammen liegen und genügend Parkplätze vorhanden sind, so wie man das im Einkaufsbereich „Am Alten Bahnhof“ heute vorfindet. Wegen der guten Erreichbarkeit und dem konzentrierten Angebot, dass mit dem neuen Fachmarktzentrum ab dem kommenden Jahr noch erweitert wird, kaufen dort zudem viele Kunden aus den umliegenden Orten bis hin nach Jülich ein. Der zunehmende Internethandel tut sein Übriges, so dass es nicht einfach sein wird, die leerstehenden Verkaufsflächen im Kernort wieder zu füllen. Wir werden daher in dem noch zu entwickelnden „Integrierten Gesamtkonzept“, das unter anderem auch eine wichtige Voraussetzung für die Inanspruchnahme von Fördermitteln darstellt, dieses Thema besonders berücksichtigen.

Die Parkplatzsituation im Zentralort ist sicher kein vordringliches Problem. Bei der Diskussion aller Bewerber haben Sie sich für ein Parkraumkonzept ausgesprochen. Wann etwa darf die Bürgerschaft hier mit einem Vorschlag rechnen?

Claßen: An ersten Punkten, so zum Beispiel in der Marktstraße in Siersdorf und vor dem Café Stolz, kann man bereits erste Ansätze (Parkplatzkennzeichnung) erkennen. Zunächst war es wichtig, einen neuen Partner für die Überwachung des ruhenden Verkehrs zu finden. Hier befinden wir uns für die nächsten Monate zunächst in einer ergebnisoffenen Erprobungsphase, in der wir zunächst gemeinsam mit dem eingesetzten Personal ein bedarfsorientiertes Überwachungs- und – wo erforderlich – Sanktionierungsvorgehen entwickeln möchten. Gleichzeitig werden wir die bekannten Problemzonen in den einzelnen Orten systematisch erheben und in der Folge Lösungsmöglichkeiten erarbeiten. Hierbei werden die Anwohner soweit möglich einbezogen.

Sie wollen die Unternehmen in Aldenhoven durch zielgerichtete Wirtschaftsförderung stärken. Wie soll diese konkret aussehen?

Claßen: Zunächst ist es mir wichtig, dass ich alle Unternehmen kennenlerne und dass die Unternehmer mich als Ihren primären Ansprechpartner kennenlernen. Deshalb besuche ich nach und nach alle ortsansässigen Firmen persönlich, stelle mich den Geschäftsführungen vor und erfrage ihre aktuellen Bedarfe und Wünsche. Gerade heute habe ich beispielsweise die Firma Fieberdur in Siersdorf besucht. Parallel laufen die gemeinsamen Bestrebungen mit dem Kreis Düren und der Stadt Baesweiler zur Weiterentwicklung unseres Campus Aldenhoven in Siersdorf. Hier wurde für eine weitere Fläche jüngst eine Optionsvereinbarung geschlossen. Es hat auch bereits Gespräche mit ersten externen ansiedlungswilligen Betrieben gegeben, die sich insbesondere durch die hervorragende in-frastrukturelle Anbindung unserer Gemeinde angesprochen fühlen. Hier arbeiten wir an einer Realisierung der individuellen Vorstellungen und Bedarfe. Nach und nach werden wir verschiedene Ideen und Vorschläge umsetzen, z. B. den einer aussagekräftigen und repräsentativen Beschilderung für unsere Unternehmen. Und die Vernetzung der ansässigen Betriebe fördern wir durch den ab Anfang Mai regelmäßig stattfindenden Aldenhovener Unternehmertag.

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