Aldenhoven gedenkt jüdischem US-Soldaten, der Siersdorfer rettete

Von: Adi Zantis
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Aldenhovener Gedenkfeier vor dem Bild des jüdischen US-Soldaten Michel Ernst mit (v. l. stehend): Ernst Krombach, Joost Claassens (verdeckt), Rabbiner Bohrer, Pfarrer Charles Cervigne, Irene Oellers und Renate Trunzler. Foto: Zantis

Aldenhoven. Aldenhoven hat des US-Soldaten Michel Ernst gedacht - mit einer beieindruckenden Feier im evangelischen Gemeindesaal.

Nicht nur in Amerika, wo dessen Familie und der einstige Kriegskamerad Billy Melander mit Ehefrau Margie leben, wird das Gedächtnis an den mit 21 Jahren im Dezember 1944 in Alsdorf gefallenen jüdischen Soldaten bewahrt, der im niederländischen Margraten seine letzte Ruhe fand.

Auch in Europa wird sich seiner erinnert. Es sind die Aldenhovener Gruppe „Gegen das Vergessen - nie wieder Krieg” und Niederländer aus Eindhoven und Limbricht mit dem unermüdlichen Initiator Joost Claassens, die in Aldenhoven in besonderer Weise zur Gedenkfeier begrüßt wurden.

Enge Verbindung von Chanukkah und dem Todestag Ernsts

Ein Gruß galt auch dem Aachener Rabbiner Max Bohrer. Der evangelische Pfarrer Charles Cervigne sah „eine enge Verbindung” vom jüdischen Chanukkafest zum Todestag von Michel Ernst. Vor vielen Gästen, Vertretern der Gemeinde, Abordnungen der Kirchen und Traditionsvereine wie auch der jungen Konfirmanden verdeutlichte Pfarrer Cervigne „eine Erinnerung”, in der man „vom Grab des jüdischen Soldaten das Gedenken mit Inhalt füllen kann”.

Joost Claassens berichtete von einem Besuch in den Vereingten Staaten, wo er Familienangehörige, Verwandte und auch maßgebliche Persönlichkeiten getroffen hatte. Er sprach von „einer großen Begeisterung”, mit der man sich in Deutschland und Holland an den US-Soldaten und dessen Lebensgeschichte erinnere.

Die Hinführung zur Chanukka-Tradition erläuterte Rabbiner Bohrer. Er bezeichnete es als „eine wunderbare Fügung”, wenn man mit diesem jüdischen Fest „auch das Gedenken an den jüdischen Glaubensbruder Michel Ernst verknüpft”. Mit der Entzündung der acht Kerzen des Chanukka-Leuchters dokumentierte Günther Schorn: Ernst, geboren in Warschau, „floh vor dem Nazi-Terror quer durch Europa nach Nordamerika, kehrte als US-Soldat zurück nach Europa. Gefallen in Alsdorf, 21 Jahre jung.”

Beim Anzünden der ersten Kerze erinnerte Pfarrer Cervigne (evangelische Gemeinde) an die Flucht der jüdischen Familie. Thomas Uerlichs (katholische Gemeinde) berichtete von der Ankunft in New York und verdeutlichte seinen Herzenswunsch: amerikanischer Staatsbürger zu werden. Renate Trunzler (Geschichtswerkstatt) schilderte den Kriegseinsatz des jüdischen GI und Gerd Hartung (Bergmännischer Traditionsverein) berichtete von der Rettung der Zivilisten in Siersdorf, darunter viele Kinder, die in einem Luftschutzbunker eingeschlossen waren. Daran war auch Michel Ernst beteiligt.

Mit dem Vormarsch der Alliierten und den Geschehnissen der Schlacht zündete Irene Oellers (Bündnis gegen Rechts) ihre Kerze an. Ernst Krombach (Christlich-Islamischer Gesprächskreis) befasste sich mit dem Tod des 21-Jährigen in Alsdorf.

Zeichen der Hoffnung

Joost Claassens richtete das Wort an den Kameraden Billy Melander: „Im Namen aller, die hier versammelt sind, entzünde ich eine Kerze als Zeichen für Dein tiefgläubiges Vertrauen. Sie möge Deine Zeit ein wenig aufhellen!” Heinz Bielefeldt ermunterte Ehefrau Margie Melander mit der „unerschütterlichen Hoffnung”, mit der man „in Gottes Hand geborgen ist”.

Die besinnliche Feierstunde wurde einfühlsam vom Musik-Duo Marianne Verboom-Deliege und Markus Flecken umrahmt. Herzliche Schlussworte fand Mirjam Honig: Sie lobte die Rückbesinnung an Michel Ernst in Verbindung mit dem Chanukkafest als Zeichen des Hoffnung.
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