Aktionstag Demenz: Wie fühlt sich eigentlich der Betroffene?

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Podiumsgespräch „Demenzfreundliche Stadt Jülich – wie kann dies gelingen?“: Angehörige Monika Schneider (2.v.l.) schildert ihre Erfahrungen. Foto: Mengel-Driefert

Jülich. Wie erkenne ich eine Demenz, wie versorge ich einen an demenzerkrankten Angehörigen und wo kann ich Hilfe bekommen? Antworten erhielten die Besucher auf dem 2. Jülicher Aktionstag Demenz in der Zitadelle. Eingeladen hatte die Stadt Jülich.

Wer an Demenz erkrankt, nimmt Hintergrundgeräusche stärker war, hat ein eingeschränktes Sichtfeld, ist gangunsicher. Wie sich der Betroffene fühlt, wie schwierig sein Alltag ist, veranschaulichte die Demenz-Simulation des EUKOBA Kompetenzzentrum Barrierefreiheit.

Krasse Erfahrung

„Zu dem Vergessen kommen oft noch andere Zipperlein“, erklärt Patrick Dohmen. Er stattete Probanden mit einer Spezialbrille und Kopfhörer aus, einer 25 Kilo schweren Weste, Handschuhen und Schuhen, die Gangunsicherheit und eingeschränkte Feinmotorik simulieren, gab ihnen fünf einfache Alltagsaufgaben. „Die Probanden lösen im Durchschnitt nur anderthalb davon, egal ob sie Akademiker sind oder nicht“, weiß Dohmen. „Eine krasse Erfahrung“, meint Ulrike Tischler, die den Parcours gerade durchlaufen hat. „Ich war mir nicht sicher, ob ich die Aufgaben überhaupt richtig behalten habe“.

Besucherin Anette Fischer findet es gut, dass das Thema Demenz zunehmend in der Gesellschaft ankommt. Sie ist betroffene Angehörige, schätzt an der Veranstaltung den Erfahrungsaustausch. Vieles sei nicht neu, was sie hier hört. Dennoch: Als Angehöriger wirklich zu begreifen, dass sich ein Mensch so verändert, sei nach wie vor schwierig. Schnell komme man an seine Grenzen, auch emotional.

Die Verantwortlichen der Stadt haben sich zum Ziel gesetzt, Jülich eine demenzfreundliche Stadt zu werden zu lassen. In diesem Sinne hat sich Jülich 2014 dem vom Bundesministerium für Familie geförderten Projekt „Lokale Allianz für Demenz“ angeschlossen.

Das Ziel ist, die Menschen für das Thema und die damit verbunden Probleme zu sensibilisieren. Hier setzt der Aktionstag „Demenz“ an, der einen Markt der Möglichkeiten mit Informationsständen, zahlreichen Themenvorträgen, umfangreiches Hintergrundwissen zu Pflegepraxis, Haushaltshilfen, Diagnostik oder dem aktuellen Stand der Alzheimer Forschung bot.

Im abschließenden Podiumsgespräch „Demenzfreundliche Stadt Jülich – wie kann dies gelingen?“, moderiert von Helga Hermanns, erläuterte Jülichs Bürgermeister Fuchs, was er darunter versteht: „Eine Stadt, in der sich alle Menschen wohlfühlen, auch an Demenz Erkrankte und ihre Angehörigen“. Denn: „Wir müssen aufpassen, dass die Pflege zu Hause nicht weitere Erkrankungen produziert“, sagt Fuchs.

Zeitliche Entlastung

Aus eigenen Erfahrung griff Monika Schneider, die seit zehn Jahre ihre Schwiegermutter pflegt, das Thema Demenz an anderer Stelle auf, wünschte sich eine zeitliche Entlastung der Angehörigen und regte die Gründung einer Selbsthilfegruppe an. Projektleiterin Beatrix Lenzen von der Stadt Jülich sagte spontan beratende Unterstützung zu.

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