Aktion Wasserbüffel: Jülicher Hilfsprojekte auf den Philippinen

Von: Guido Jansen
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Mit einem Wasserbüffel hat alles angefangen. Wasserbüffel haben Helga und Jochen Range am Anfang angeschafft als Nutztiere für die arme Bevölkerung. Wasserbüffel sind auf den Philippinen ein hohes Gut, daher rührt der Name der Initiative. Kathi Range erlebte die Bedeutung der Wasserbüffel bei ihrem Besuch im November. Foto: Range
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Sie setzen die Arbeit der verstorbenen Helga Range fort: Kathi und Jochen Range, der auch der Philippinen-Botschafter für Amnesty International in Deutschland ist. Foto: Guido Jansen

Jülich. „Es gibt immer was zu tun“, sagt Jochen Range (77) und lächelt dabei verlegen. Der Satz klingt wie ein Slogan aus der Werbung eines Baumarktes. Das hat Range nicht beabsichtigt, der promovierte Physiker aus Jülich redet nicht über Gartenhäuser und Bohrmaschinen, sondern über die immer neuen Probleme auf den Philippinen.

Es geht um ein korruptes System, Armut und zurückgelassene Kinder. Seit 1992 kämpfen Range und vor allem seine 2014 verstorbene Frau Helga mit der Aktion Wasserbüffel dafür, etwas zu verändern auf den Philippinen. Damit haben sich die Ranges in Jülich und auf den Philippinen einen Namen gemacht. 15.000 bis 20.000 Euro sammelt die Aktion Wasserbüffel jedes Jahr an Privatspenden, das Geld wird in Projekte auf den Philippinen investiert.

„An den politischen Missständen vor Ort ändern wir damit nichts“, sagt Range. „Da ist das, was wir machen, ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Bewegt hat die Aktion aus Jülich trotzdem viel. Das ist Range nach dem Tod seiner Frau erneut aufgefallen. „Bei den Besuchen seitdem ist mir oft klargeworden, mit wie viel Dankbarkeit und Bewunderung die Menschen dort von meiner Frau gesprochen haben“, sagt der Jülicher. Und deswegen sei es wichtig, das Erbe seiner Frau fortzuführen. Das ist möglich, weil Schwiegertochter Kathi Range (45) den Platz seiner Frau eingenommen hat.

Haus renovieren für 2500 Euro

„Wir können dort vor Ort mit kleinen Mitteln viel bewegen“, berichten die beiden. Ein Haus zu renovieren – möglich für 2000 bis 2500 Euro. Rund 350 Euro waren das Startkapital für einen Sozialladen, in dem sich die Bevölkerung für kleines Geld versorgen kann. Viele der Wasserbüffel-Projekte sind gewachsen und zu einer Art Selbstläufer geworden. Bis 2002 ist im Rahmen eines Dorfentwicklungsprojektes unter anderem eine Schule entstanden. „Wir haben das Projekt dann an die regionale Verwaltung abgegeben und haben Bedingungen gestellt, wie es weiter geführt werden muss“, berichtet Range. Zu groß geworden war das Projekt, zu groß war der Zulauf, als dass die Verwaltung es ignorieren konnte.

Nach einem Erdbeben half der Wasserbüffel, auf der Insel Bohol eine Schule zu bauen. Der Staat habe das zunächst versäumt. Weil die Schule die einzig intakte in der Region gewesen sei, sei der Zulauf enorm gewesen. „Das hat dazu geführt, dass die lokale Regierung später noch eine Schule daneben gebaut hat“, berichtet Jochen Range von einer Art Lawineneffekt, an deren Anfang die Initiative Wasserbüffel steht.

Das Fazit, dass es immer was zu tun gibt, hat sich nach dem jüngsten Besuch in aller Deutlichkeit bestätigt, den Kathi und Jochen Range im November bei verschiedenen Wasserbüffel-Projekten auf den Philippinen gemacht haben. Drogen sind seit jeher ein großes Problem. Und die Art, wie der neu gewählte Präsident Duterte es aus der Welt schaffen will, „hat einen gnadenlosen Krieg gegen Drogen, Drogensüchtige und -händler ausgerufen, was dazu geführt hat, dass bisher seit Juli fast 6000 Menschen, angebliche oder wirkliche Drogensüchtige und -händler, getötet wurden“, schreiben die Ranges in ihrem Bericht.

Mehr als 3000 Süchtige hätten sich aus Angst gestellt. „In unserem Kinderdorf Batang Pinangga in Cebu werden neue Kinder erwartet, deren Eltern als Drogensüchtige zum Entzug ins Gefängnis geworfen wurden. Was mit den Familien passiert, kümmert die Behörden nicht“, schildern die Ranges die aktuelle Situation. Künftig wird die Aktion Wasserbüffel versuchen, dabei zu helfen, diese neue Krise aufzufangen. Ein weiteres Projekt ist eine „Schule an der Straße“, aus dem mittlerweile 52 Kinder den Sprung in eine staatliche Schule geschafft haben.

Ebenfalls weiter läuft das Vorhaben, eine mobile medizinische Untersuchung für Schulkinder auf dem Land aufrechtzuerhalten. Und dann haben die Ranges noch das „Haus auf der Schwelle“ auf der Agenda, ein Projekt, bei dem ältere Kinder lernen, selbstständig zu werden.

Hohe Spendenbereitschaft

„Glücklicherweise können wir uns auf unsere Unterstützer verlassen“, berichtet Jochen Range von einer unvermindert hohen Spendenbreitschaft. Über viele Jahre haben Generationen von Schülern, vor allem an der Realschule Jülich, den Wasserbüffel mit ihrem Sponsored Walk unterstützt, eine Hilfe, die die Ranges hoch einschätzen. Die Realschule läuft aus. Aber der gute Name der Aktion bleibt. Das muss er. Schließlich gibt es immer was zu tun.

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