Jülich - Aktion bietet Einblicke in die faszinierende Welt der Fledermaus

Aktion bietet Einblicke in die faszinierende Welt der Fledermaus

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
15187339.jpg
Eine Ausgleichsfläche, die RWE für Fledermäuse in der Nähe der alten Mündung der Inde in die Rur angelegt hat. Im Hintergrund wächst ein ursprünglicher Wald. Foto: Jansen

Jülich. Wenn man sagt, dass Fledermäuse eine schöne Wohnung brauchen und eine nahe gelegene Einkaufsmöglichkeit, dann ist das zwar etwas lapidar dahergesagt, es passt aber trotzdem. So hat es auch die Biologin und Leiterin des Arbeitskreises Fledermausschutz Aachen, Düren Euskirchen, Dr. Henrike Körber, erklärt.

Allerdings schiebt sie dann schnell hinterher, meine sie die Quartiere und Jagdgebiete der Tiere. Wobei schön im Auge des Betrachters liege. Eine schöne Wohnung aus Sicht von Fledermäusen ist unterirdisch, kalt und feucht. „Es ist eigentlich verwunderlich, dass sich Säugetiere in einer so rheumatischen Umgebung wohlfühlen“, sagt Körber. Tun sie, vor allem in der Jülicher Zitadelle, die laut Körber das wichtigste und größte Quartier für Fledermäuse im Norden des Kreises Düren ist.

Genau dahin führen die Fledermausexperten die Besucher der Jülicher Aktion im Rahmen der Europäischen Fledermausnacht am 26. August, die unter der Schirmherrschaft des Dürener CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Rachel steht. Ab 17 Uhr beginnt die Fledermausnacht in Jülich, die aus Führungen, Fütterungen, dem Einfangen von Tieren zwecks Untersuchung und Vorträgen besteht.

Das Museum Jülich und der Arbeitskreis Fledermausschutz haben einen Infostand in der Zitadelle eingerichtet. Die Teilnahme kostet vier Euro, drei mit Ermäßigung, Familien zahlen sechs Euro.

Körber berichtet von den Problemen, die einige Fledermäuse in der Region haben, weil der Hambacher Forst wegen des Tagebaus abgeholzt wird. Beispielsweise die Bechsteinfledermaus, die ohnehin in NRW selten geworden sei, hat sich im Forst wohlgefühlt. Genau wie der Kleine Abendsegler oder die Große Bartfledermaus. Neben den Buntsandsteinfelsen bei Nideggen sei die Zitadelle zum wichtigsten Quartier der gefährdeten Fledermausart geworden.

Ein ursprünglich gewachsener Wald

Weil der Lebensraum im Hambacher Forst schwindet, hat RWE begonnen, einen Ausgleich zu schaffen. Ein solches Gebiet befindet sich bei Jülich am alten Bett von Rur und Inde. Da gibt es einerseits einen ohne menschliches Zutun gewachsenen ursprünglichen Wald und zum anderen Flächen, auf denen in luftigen Abständen junge Bäume gepflanzt wurden. Das passt, erklärt Henrike Körber. Die meisten Fledermausarten bevorzugten luftige Wälder. Und bis die jungen Bäume zu einem tauglichen Quartier für die Tiere herangewachsen seien, bevorzugen sie den ursprünglichen Wald, den RWE dann oftmals auch kauft.

„In der Zitadelle gibt es insgesamt neun Arten, die vornehmlich hier ihr Winterquartier haben“, erklärt die Fledermaus-Expertin. Größere Populationen seien auch in Bunkeranlagen und im Kalltal zu finden. Ausgeflogen seien die Tiere nicht gänzlich, wenn die Besucher der Fledermausnacht am Samstag vorbeischauen. „Die Männchen hängen den Sommer über meistens nur ab“, sagt Körber.

Mit der Aufzucht der Jungen hätten sie nichts zu schaffen und warteten deswegen darauf, ab dem Spätsommer wieder ihre biologische Aufgabe erfüllen zu wollen – die Fortpflanzung. Der Ort des Abhängens sei oft die Zitadelle.

1000 Mücken pro Nacht

Eine von vielen interessanten Informationen zu Fledermäusen verrät Körber schon vor Samstag. Wenn Fledermäuse nachts jagen, dann fressen sie bis zu 1000 Mücken oder ein Drittel ihres Körpergewichts. „Das ist ungefähr so, als wenn wir 20 Pizzen essen“, stellt die Biologin einen Vergleich an.

Andere Fledermausarten jagen andere Insekten, beispielsweise Baum-Schädlinge. Damit erfülle der nächtliche Jäger eine wichtige Funktion im Kreislauf der Natur. „Fledermäuse sind eine Artengruppe, bei der man hängen bleibt, wenn man einmal anfängt, sich mit ihr zu beschäftigen“, spricht Körber von der „Faszination Fledermaus“.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert