Jülich - Akkordeon-Virtuose, der die Seele berührt

Akkordeon-Virtuose, der die Seele berührt

Von: Günther Krl
Letzte Aktualisierung:
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Ein Höhepunkt der 13. Zitadellen-Jazznacht war der Auftritt des Manfred-Leuchter-Quartett: Seine Liebe zum Akkordeon-Jazz transportierte der Bandleader dabei pfeilgerade ins Publikum. Foto: Krol.

Jülich. „Mal gucken, was noch in der alten Quetschkommode so rum liegt. Was ich bis jetzt gefunden habe, macht mir jeden Tag aufs neue Spaß”, betonte Manfred Leuchter vor seinem Auftritt in der Zitadellen-Jazznacht.

Nach dem riesigen Applaus zu urteilen, den er im PZ erntete, dürfte seine Musik allen großen Spaß bereitet haben. Wie der Weltreisende in Sachen Musik mit seinem Quartett das Publikum in seinen Bann zog, war schon außergewöhnlich. Akkordeon-Virtuose Leuchter schaffte es spielend, Klangfarben der unterschiedlichsten Musikkulturen einzufangen und daraus ein eigenständiges, neues Gewebe zu formen, das mit seiner wunderbaren Harmonie die Seele berührt.

Musiker setzen Maßstäbe

Der Jazzclub Jülich schlug mit seinem anspruchsvollen Programm für die 13. Zitadellen-Jazznacht Brücken zwischen diversen Spielarten dieser Musikgattung. Es gab viel zu entdecken und zu genießen beim Zusammentreffen orientalischer, afro-amerikanischer und europäischer Musiktraditionen. Nicht fehlen durften mit Rock und Funk die stilistischen Nachbarn des Jazz. Mit ihrem künstlerischen Ideenreichtum, ihrer Freude am Improvisieren setzten die verschiedenen Musiker und Gruppen Maßstäbe.

Bei der Vielfalt und Qualität der Musiker fiel es den Besuchern manchmal schwer, zwischen den vier Bühnen die richtige Wahl zu treffen. Ein absolutes Highlight bot das Suan Weinert-Duo, das zwei Künstler-Seelen verbindet. Gitarristin Susan Weinert und ihr Ehemann Martin am Kontrabass ließen die Saiten nur so flirren. Sie brannten ein wahres Klangfeuerwerk ab. Mal mit sanften Tönen mal mit finessenreichen Grooves, ließen sie den Zuhören kaum Zeit zum Atemholen. Instrumentaler Jazz auf höchstem Niveau zeichnet die beiden aus, die ihr breit gefächertes Spektrum voll ausspielten. Viele neue Stücke hatten die beiden im Gepäck. Martin Weinert servierte unter anderem seine eigene Kreation „Malindi-Hop”, ein höllisch guter Cocktail aus Cuban-Latin, Funk und einem Spritzer Heavy Metal.

Aus afro-orientalischen Wurzeln schöpft das Quartett „Ahoar”, das die Maqam-Musik von Euphrat und Tigris mit westlichen Jazzklängen kombiniert. Ihr harmonisches Gefüge ist stimmig und ansprechend. Der Besucher braucht aber Zeit, um sich in diese Musik hinein zu hören. Zwei irakische Musiker, ein belgischer Pianist und ein schwäbischer Bassist haben etwas Einmaliges geschaffen, in dem sie uralte Rhythmen und moderne Improvisation zusammenfließen lassen.

Frisch und unverbraucht ist der Modern Jazz, den die Berliner Formation „Inner Shape” spielt. Der junge Bremer Saxophonist Roman Ott und seine Band haben fast ausschließlich eigene Werke im Repertoire. Die vier Musiker sorgen ganz nebenbei für einen ausgewogenen und relaxten Sound. Es ist zeitgenössischer Jazz auf hohem Level, über dem der Geist eines John Coltrane oder Wayne Shorter schwebt.

In die Reihe der Musiker, die eigene Wege gehen und für die der traditionelle Jazz keine Schranken kennt, fügt sich Stefan Michalke nahtlos ein. Mit traumhafter Sicherheit überzeugte das Quartett um den Kölner Pianisten in der Schlosskapelle. Ihre abwechslungsreiche, melodisch fein abgestimmte Musik hat den Ursprung im modernem Jazz und zieht dann eigenen Kreise. Hohe Spielkultur und harmonischer Sound sind ihr Markenzeichen.

Die „Jazz Pistols” zelebrierten ihren Energy-Jazz , eine Mischung aus Jazz-Rock und Fusion, in bester Spiellaune. Die Veteranen des deutschen Jazz-Rock brauchen nur eine Gitarre, ein Schlagzeug und einen Bass, um kraftvolle Musik zu erzeugen, die unter die Haut geht. Das Programm wurde von der Mary Castle Jazzband und dem vielstimmigen Chor „Joy of Gospel” abgerundet.

Manfred Leuchter gefiel es gut in Jülich: „Es ist hier ein feines Festival. Besonders gefällt mir, das man wandern kann und an verschiedenen Orten Musik erlebt.”

Dieses Lob aus berufenem Munde wird wie Musik in den Ohren von Dr. Werner Kremers geklungen haben, dem neuen Vorsitzenden des Jazzclub. Er möchte auch in Zukunft den vielfältigen Charakter der Jazznacht bewahren. Sein besonders Lob galt seinem Vorgänger Rolf Sylvester, der das Programm der 13. Zitadellen-Jazznacht zusammengestellt hatte.
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