Airbus fliegt für Jülicher Klimaforscher

Von: hfs.
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An einem Originalteil eines Airbus 340 erläutert Prof. Andreas Wahner Prof. Achim Bachem und Staatssekretär Thomas Rachel (v.r.) die an der Außenhaut des Flugzeuges angebrachte Messsonde. Foto: hfs.

Jülich. Rund 20 Jahre Vorlaufzeit stecken in einen Projekt, dass Klimaforschern bessere und noch präzisere Vorhersagen möglich macht. Bei dem europäischen Forschungsprojekt IAGOS werden zivile Flugzeuge mit Messgeräten bestückt, die neue Informationen zum besseren Verständnis der Atmosphäre liefern sollen. Koordiniert wird das Projekt vom Forschungszentrum Jülich (FZJ).

Hier werden auch die Daten ausgewertet, hier wurden völlig neuartige Messgeräte entwickelt, die zurzeit in rund 20 Langstreckenflugzeugen weltweit eingebaut, im Einsatz sind. „Wir hätten den Lufthansa-Airbus 340 gerne Düren genannt“, meinte scherzhaft Prof. Dr. Andreas Wahner vom Institut für Energie-und Klimaforschung, Abteilung Troposphäre, als er als Projektkoordinator nicht nur den FZJ-Vorsitzenden Prof. Dr. Achim Bachem, sondern auch den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesforschungsministerium Thomas Rachel, begrüßte.

Der Dürener CDU-Bundestagabgeordnete brachte einen gewichtigen Förderscheck mit. „Um genauere Klimavorhersagen zu treffen und die Auswirkungen der Luftverschmutzungen festzustellen“, sei das europäische Projekt notwendig, für das das Bundesministereium insgesamt 4,3 Millionen Euro bewilligt hat. Davon entfallen 2,2 Millionen auf den Jülicher Projektanteil. Dass es einen Klimawandel gibt, daran, so der Gast aus Berlin, gebe es keinen Zweifel. „Aber es fehlen den Forschern noch genaue Daten aus der unteren Stratosphäre beziehungsweise der oberen Troposphäre, um noch genauere Klimavorhersagen zu treffen.“

Daher werden in einen Airbus 340 und 330 jeweils für rund 300.000 Euro Messgeräte eingebaut. Sie ermitteln in zehn bis 14 Kilometer Höhe die in der Atmosphäre enthaltenen Anteile von Wasserdampf, Kohlendioxid und Methan. Dies geschieht mit einer außen angebrachten rund 20 Zentimeter großen Düse, die Schwebeteilchen in der Luft aufsaugt. Sie werden an Bord automatisch analysiert.

„Sobald die Maschine dann gelandet ist, sich das Cockpit öffnet, werden die Daten sofort an unser Institut übermittelt“, erläuterte Wahner. Die Auswertungen erhalten die Lufthansa, Air France oder bald auch die Fluggesellschaft Iberia. „Damit sind sie in der Lage sind, ihre Flugrouten noch Klima-optimierter aussuchen zu können.“ So trügen verbesserte Vorhersagen der Klimawirkung auch zur Sicherheit der Luftfahrt bei.

So sind in dem Projekt IAGOS (In-service Aircraft for a Global Observing System) bis zu 20 Langstreckenflugzeuge eingespannt. Die Maschinen gehören auch den Fluggesellschaften China Airlines oder Cathay Pacific, bald kommen Finair oder US Airline hinzu. Ein Flugzeug (mit Messsonder) bringt es auf annähernd 500 Flüge im Jahr.

Hinzu kommt noch ein A340 Airbus, der mit einem 1,6 Tonnen schweren Frachtcontainer ausgestattet ist, dessen Spezialmessgeräte auch Ozongehalt, Kohlenmonoxid, Stickoxide, Stickstoff und die Artikelanzahl und -größe der Aerosole missen – bei vier Flügen im Monat. Dass Deutschland eine zentrale Rolle bei der Erhebung und Auswertung von den dringend benötigten globalen Datensätzen zur atmosphärischen Zusammensetzung der freien Troposphäre spielt, dies wurde im FZJ deutlich gemacht.

„Die neue Infrastruktur wird unsere führende Rolle in diesem Bereich in Europa und weltweit noch stärker zum Ausdruck bringen“, unterstrich Wahner. Er freut sich schon mit seinen Partnern auf die Mitte 2014 beginnende Hauptphase des Projektes.

Dann werden die weiteren Flugzeuge – man ist jetzt dabei, fünf Verkehrsflugzeuge mit neuester Messtechnik auszurüsten – mit den europäischen Partnern instrumentiert, damit IAGOS dann global betrieben werden kann. Mittels der im Forschungszentrum entwickelten Messkoffern, die pro Stück 120.000 Euro kosten.

Sie werden sozusagen als Handgepäck in die Flugzeuge gebrach. Und „wenn man so will, dann einen Passagier ersetzen“, scherzt Andreas Wahner.

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