AfD-Gerücht: Jülicher Wirt unter Druck gesetzt

Von: Guido Jansen
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Ein falscher Verdacht hat Dimitrios Kyparos viele wütende Anrufe eingebracht. Foto: Guido Jansen

Lich-Steinstraß. Das vorläufige Ende der seltsamen Geschichte für Dimitrios Kyparos (40) klingt so: „Hiermit wollen wir uns in aller Öffentlichkeit bei der Gastronomie und seinen Gästen ‚Zum Maiblömche‘ für die entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigen. Es hat sich herausgestellt dass der AfD-Vortrag nicht dort stattgefunden hat.“

Das hat die Antifaschistische Aktion Jülich am Samstag im Internet auf ihrer Facebook-Seite geschrieben. Angefangen hat die wohl schrägste Geschichte in Kyparos‘ Berufsleben am frühen Freitagmorgen. „Auf einmal hat das Telefon nicht mehr stillgestanden. Ich hatte sehr viele Anrufe von Leuten, die mich gefragt haben, was die Scheiße soll und dass sie das Restaurant nie mehr besuchen“, erzählt der Pächter und Betreiber des Restaurants ‚Zum Maiblömche‘ in Lich-Steinstraß. „Und ich wusste überhaupt nicht, was los war.“

Ein Gerücht war los, im Internet gestreut. Demnach sollte sein Restaurant am Freitagabend der Ort sein, an dem die Partei Alternative für Deutschland (AfD) ein Treffen abhält. Das konnte sich Kyparos eine Stunde und viele wütende Anrufer später zusammenreimen.

Also ging er in das Restaurant, um nachzuschauen, ob einer der Mitarbeiter eine entsprechende Reservierung entgegengenommen hatte. Nichts. „Die AfD hat hier nicht ‘mal angerufen und gefragt. Wie das Gerücht in die Welt gekommen ist, kann ich mir bis heute nicht erklären.“ Das gilt vor allem für die Behauptung, er soll von der Antifa kontaktiert worden und über seine Gäste aufgeklärt worden sein.

Er habe sich aber geweigert, den Vertrag mit der AfD aufzulösen. „Es gibt gar keinen Vertrag, und die Antifa hat auch nie bei mir nachgefragt“, sagt Kyparos, und seinem Tonfall ist anzumerken, dass ihm die Sache stinkt. „Vielleicht wollte mir ja einer was, weil das Restaurant gut läuft“, sagt er, zuckt mit den Schultern, um klar zu machen, dass er den Erklärungsversuch für unwahrscheinlich hält.

Am Freitagabend beobachtete er vom Küchenfenster aus vier junge Männer, die hinten auf dem Grundstück standen. Vor dem Restaurant waren andere, die gerade Banner ausrollten. „Als denen klar wurde, dass hier nichts stattfindet, sind sie mit fünf Autos weggefahren“, berichtet der Gastro­nom.

Zuvor war die AfD-Versammlung im Jufa am Brückenkopf-Park geplatzt. Dort war die Taktik der AfD-Gegner offenbar erfolgreich, dem Gastronomen mit ihrem Aufmarsch und einem daraus folgenden Polizeieinsatz zu drohen. Irgendwie sind die sie nach der Jufa-Absage auf der Suche nach einem potenziellen Veranstaltungsort beim „Zum Maiblömche“ hängengeblieben.

Nachdem das Gerücht rund war, hat Kyparos einen Anwalt eingeschaltet und auf eine öffentliche Richtigstellung gedrängt. Die erfolgte dann am Samstag, einem Tag nach der bei ihm nie geplanten Veranstaltung. Die hat übrigens in Düren stattgefunden.

„Sowas habe ich in 20 Berufsjahren noch nicht erlebt. Ich habe nichts mit Parteien zu tun und will hier nur meinen Job gut machen“, sagt Dimitrios Kyparos.

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