Adlerholz: Forschungszentrum Jülich setzt auf Nachhaltigkeit

Letzte Aktualisierung:
12251819.jpg
Kein Fall für Fakire: Die eingeschlagenen Nägel sollen den Laubbaum verwunden, damit eindringende Pilze die Produktion des kostbaren Harzes auslösen können. Foto: Forschungszentrum Jülich

Jülich. Tropisches Adlerholz, Grundstoff für viele Parfüme, wird höher gehandelt als Gold. Illegaler Raubbau hat den südostasiatischen Laubbaum fast ausgerottet. Ein deutsch-vietnamesisches Kooperationsprojekt, an dem das Forschungszentrum Jülich beteiligt ist, will nachhaltige Produktionsverfahren etablieren, um den begehrten Rohstoff herzustellen.

Die Wissenschaftler setzen dabei sowohl auf Plantagenwirtschaft als auch auf ein biotechnologisches Verfahren, mit dem sich die Aromastoffe im Labor herstellen lassen.

„Rohstoffjäger haben den Bestand des Laubbaums stark dezimiert. Mit nachhaltigen Produktionsalternativen wollen wir diesen Raubbau eindämmen und der lokalen Bevölkerung eine Einnahmequelle sichern“, erklärt Dr. Claudio Cerboncini vom Jülicher Institut für Pflanzenwissenschaften. Dazu verfolgt das dreijährige deutsch-vietnamesische Kooperationsprojekt „Vietwood“ zwei Ansätze.

Hohe Nachfrage

Zum einen wollen die Wissenschaftler eine naturnahe Adlerholzproduktion in Plantagenwirtschaft etablieren. „Derzeit werden pro Jahr lediglich 1000 Tonnen von dem Rohstoff produziert, die fast ausschließlich aus illegalem Raubbau entstehen und einen Marktwert von rund 10 Milliarden US-Dollar haben. Die tatsächliche Nachfrage liegt deutlich höher“, erklärt Cerboncini, der sich seit einigen Jahren mit Adlerholz beschäftigt und bereits in Indonesien erfolgreich ein Projekt begleitet hat. Der Marktwert eines hochwertigen harzgetränkten Holzstückes kann bis zu zwei Millionen US-Dollar pro Kilogramm erreichen.

Nachhaltige Produktion

Mithilfe von „Vietwood“ soll der Industrie künftig ein hochwertiger und zugleich nachhaltig produzierter Rohstoff in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung stehen. Zum anderen versuchen die Forscher ein biotechnologisches Verfahren zu entwickeln, mit dem sie aus Zellkulturen einzelne, ökonomisch und sensorisch hochwertige Inhaltsstoffe synthetisch gewinnen. Denn: Mit konventionellen, petrochemischen Verfahren lassen sich die Stoffe bislang nicht wirtschaftlich herstellen.

Ausschließlich die Baumgattungen Aquilaria und Gyrinops der Familie der Seidelbastgewächse produzieren den kostbaren Rohstoff – erstaunlicherweise nur, um sich zu schützen: Werden sie verletzt und von einem Pilz infiziert, bilden sie als Abwehrmechanismus das dunkle, schwere, stark harzhaltige Holz. Ein verhängnisvoller Schutz, denn für die globale Parfümindustrie ist das aus dem Harz gewonnene Öl einer der teuersten Aromastoffe der Welt. In Saudi-Arabien, Taiwan und China wird der betörende Duft überwiegend als Räucherholz verwendet. Adlerholz-Jäger durchkämmen die südostasiatischen Regenwälder und fällen – ob gesund oder infiziert – jeden Adlerholzbaum. Dabei ist nur jeder zehnte befallen.

Unklar ist zudem, welche Pilzarten an der Entstehung des Harzes mit seinen 200 Aromastoffen beteiligt sind. „Wir wissen beispielsweise, dass Pilze aus Indonesien nicht für vietnamesische Adlerholz-Gattungen geeignet sind“, erklärt Cerboncini. Die Forscher impfen deshalb die Plantagenbäume mit verschiedenen Pilzsuspensionen. Manche Bäume wehren sich nicht, andere reagieren und produzieren in ihrem Kernholz das Harz.

Plantagenaufzucht

„Anschließend bestimmen wir in Jülich die Pilze mit molekularen Markern“, erklärt Cerboncini. Die effektivsten von ihnen lassen sich langfristig gezielt für die Plantagenaufzucht einsetzen.

Längst hat ein Wettlauf zwischen Aussterben und Aufforsten begonnen. „Vietwood“ könnte dem bisherigen Adlerholz-Raubbau ein Ende setzen und helfen, natürliche Ressourcen schonend, effizient und nachhaltig zu bewirtschaften sowie industriell zu nutzen.

In dem Vorhaben, das im Januar 2016 startete und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von der Forstuniversität Hanoi, vom Forschungszentrum Jülich und von einem deutschen Aroma- und Duftstoffhersteller zusammen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert