Aldenhoven - Action in Aldenhoven mit chinesischen Superstars

Action in Aldenhoven mit chinesischen Superstars

Von: Guido Jansen
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So sehen 38 Liter Benzin aus, wenn Stunt-Experten sie zur Explosion bringen: Drei, vier Sekunden lang stand die Film-Autobahn in Aldenhoven-Siersdorf in Flammen. Danach hatte die Produktionsfirma ihr Tagesziel erreicht. Foto: Guido Jansen
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Im Kino wie im wahren Leben: Ein Unfall auf der Autobahn bedeutet ein großes Polizeiaufgebot und Stau. Foto: Guido Jansen
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Zufrieden mit der Aldenhovener Explosion: Action Concept-Chef Hermann Joha. Foto: Guido Jansen

Aldenhoven. Liebe Erwachsene: Bitte machen Sie das nicht zu Hause nach. Und auch nicht sonst wo. Nur Leute wie Christoph Domanski können mit 38 Litern Benzin, 300 Gramm Schwarzpulver und einer zehn Meter langen Sprengschnur eine Explosion zünden, deren Feuer so groß ist, dass man ein ganzes Einfamilienhaus dahinter verstecken könnte.

Domanski weiß, was er tut. Er ist der Stunt-Koordinator bei Action Concept, der Firma, die die Filmautobahn direkt neben dem Aldenhoven Testing Centre gebaut hat und die dort unter anderem die Actionszenen für die Serie „Alarm für Cobra 11“ dreht. Neunmal hat Action Concept den World Taurus Stunt Award gewonnen, sozusagen der Oscar für Fernseh-Stunts. „Einige dieser Stunts haben wir in Aldenhoven gedreht“, sagt Hermann Joha, der Action Concept-Chef.

Erfahrung mit Explosionen und quietschenden Reifen hat die Firma also satt. „Trotzdem: Vor einer solchen Nummer ist man doch nervös. Das ist Adrenalin pur, ob alles klappt“, sagt Domanski. Denn eine solche Feuersbrunst wie jetzt in Aldenhoven macht er nicht oft, erst recht nicht, wenn ein Porsche-Geländewagen rückwärts mit hoher Geschwindigkeit durch die Szenerie fliegen muss; genau dann, wenn die Explosion passiert.

Genau das war die Anforderung, wie sie im Drehbuch des chinesischen Kinofilms „Out of control“ steht, den Action Concept gerade mit einem zweistelligen Millionen-Etat für den chinesischen Markt produziert. Ob der Film in Deutschland zu sehen sein wird, ist noch unklar.

Im Drehbuch steht, dass es einem Schurken namens Kayser gelungen ist, mit einem Software-Virus die Kontrolle über Autos zu übernehmen, genau genommen über 30 Stretch-Limousinen. In einer dieser Limousinen sitzt Lucy Lin, ein chinesischer Fernsehstar auf Besuch bei den Berliner Filmfestspielen. Interpol-Agent Tom Young versucht, Kaysers Plan zu durchkreuzen.

Young riskiert Kopf und Kragen, um Lucy Lin zu retten, die zufällig auch seine Ex-Verlobte ist. Auf der Autobahn kommt es bei einer Verfolgungsjagd zu einem schweren Unfall. Und deswegen fliegt Young mit seinem Porsche durch das Feuer, um seine Ex zu retten.

Das Vorbereiten dieser Szene dauert. Im Film sind vom Inferno nur einige Sekunden zu sehen. Auf der Aldenhovener Filmautobahn sind 187 Mitarbeiter von Action Concept einen Arbeitstag lang damit beschäftigt, die Szene vorzubereiten. In den Unfall sind Lastwagen, ein Kran, Autos, ein Polizeiauto und ein Gasflaschentransporter verwickelt.

Ein explosives Gemisch also. Mit 16 Kameras wird der große Crash gefilmt. Mit dabei: Knapp 60 Komparsen, die den Tag damit beschäftigt sind, mit ihren Wagen die Filmautobahn hoch und runter zu fahren.

Großes Kino also für diese eine Szene, die in Echtzeit vielleicht zehn Sekunden dauert. Christoph Domanski und alle Action Concept-Mitarbeiter haben nur diesen einen Versuch. Alles muss klappen. Deswegen das Adrenalin beim Stunt-Verantwortlichen.

Die Stretch-Limousine fährt am Unfall vorbei, der Porsche fliegt über den Lkw-Anhänger mit den Gasflaschen und Sekundenbruchteile später durch die riesige Feuerwolke. Dann rückt die Feuerwehr aus und löscht. Das gehört nicht mehr zum Film. Währenddessen blickt Domanski gebannt auf das digitale Display der großen Kamera, da wird die Szene noch einmal abgespielt.

Er dreht sich weg, lächelt und sagt: „Sehr fett.“ Jetzt löst sich die gespannte Stille, die sich bei der Filmcrew breitgemacht hatte.

Die Gesichtszüge entspannen sich, die Gespräche werden schlagartig wieder mehr. Das Tagesziel ist erreicht.

„Aldenhoven ist für uns optimal“, sagt Boss Joha. „Hier können wir auch etwas lauter sein.“ Und genau das sind die Action Concept-Produktionen. Viel Action, viel Feuer und laute Explosionen. Oder mit dem Hubschrauber, der zum Drehbuch gehört und den ganzen Tag über der Filmautobahn seine Kreise dreht.

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