Abwasserpolizei mit Bandmaß und Libelle

Von: Otto Jonel
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Kontrolle ist ihr Job. Anton Podeschwa und Viktor Wurz messen nicht nur Flächen aus, sondern nehmen auch Art der „Versiegelung” und das Gefälle auf, wie das der Garagenzufahrt von Hausbesitzer Arnold Pelzer (v.l.). Foto: Jonel

Jülich. Der Einsatzwagen ist grauweiß, nicht blau-weiß lackiert. Eine Blaulichtbatterie auf dem Dach hat er auch nicht. Und die Uniformen seiner Besatzung sind weder grün noch blau.

Anton Podeschwa und Viktor Wurz tragen das leuchtende Orange der städtischen Außendienstler. Die beiden haben sich dennoch den Beinamen „Abwasserpolizei” erworben.

Sie grinsen, wenn man sie so nennt, weil ihre Tätigkeit mit Polizeidienst höchstens um drei Ecken gedacht etwas zu tun hat. „Ziel ist es, ein Kataster aufzubauen”, beschreibt Podeschwa den Sinn ihres Tuns. In diesem Kataster werden einmal die versiegelten Flächen von Haus- und Grundbesitzern im gesamten Jülicher Stadtgebiet erfasst sein. Die versiegelten Flächen beinhalten die grundlegenden Daten, nach denen die Stadt seit 2006 mit Einführung der getrennten Abwassergebühr die Niederschlagswasser-Gebühr berechnet.

Seither sind die beiden städtischen Bediensteten unterwegs und prüfen, ob die Angaben auf dem Papier mit der Realität übereinstimmen. Denn jeder Hauseigentümer hat seinerzeit auf dem Erfassungsbogen der Stadt aufgezeichnet und angegeben, wie groß die Dachfläche, die Garagenauffahrt, die Terrasse ist, welche Materialien verwendet wurden, ob das Niederschlagswasser in den städtischen Kanal eingeleitet wird oder auf dem Grundstück versickert, in einer Zisterne aufgefangen wird.

„Wir messen jede Fläche nach”, erklärt Podeschwa dem Hausherrn, der die beiden „Abwasserpolizisten” schon erwartet. Einsatzschwerpunkt ist an diesem Tag Pattern. Dort, im Neubaugebiet, hat Arnold Pelzer im Jahr 2000 sein Haus bezogen und wie fünf Jahre später den Fragebogen zur versiegelten Fläche ausgefüllt.

Podeschwa und Wurz messen mit Maßband und Wasserwaage Länge, Breite und Gefälle Auffahrt. Die ist mit Ökopflaster gelegt. Das ist so durchlässig wie Rasengittersteine. Von dieser Auffahrt fließt kaum Regenwasser auf die Straße und in den öffentlichen Kanal. Bei der Gebührenberechnung wird diese Fläche mit einem Faktor von 0,2 also kaum ins Gewicht fallen.

„Teilversiegelte Flächen, also Verbundsteine haben einen Faktor von 0,5; ein Flachdach wie Garage oder Carport haben 0,7, bei Betonflächen, Pult- und geneigten Dächer ist der Faktor 0,9”, erklärt Podeschwa. Bei Arnold Pelzer treffen die Kontrolleure auf einen Mix versiegelter Flächen, wie wohl vielfach im gesamten Stadtgebiet. Pelzers haben auch eine Zisterne zur Brauchwassernutzung - mit separater Wasseruhr. Vorbildlich.

Der Bericht mit eventuellen Korrekturen der vor Jahren gemachten Hausbesitzer-Angaben, den Anton Podeschwa und Viktor Wurz dem Tiefbauamt übermitteln, kann zu einer Neuberechnung der Abwassergebühr führen. Sowohl zu Gunsten des Gebührenzahlers als auch zu seinen Ungunsten. Rückwirkend können die Bescheide bis zum 1. Januar 2007 geändert werden, sagt Reinhard Richert vom Tiefbauamt.

Vier Stadtteile haben die beiden Abwasserkontrolleure bereits „vermessen”. Die Hauseigentümer wurden rechtzeitig per Wurfzettel informiert.

Bis auf zwei Ausnahmen wurde das Messteam freundlich empfangen bis hin zur Einladung auf Kaffee und Kuchen. „Aber dafür haben wir natürlich keine Zeit.” Lediglich zwei Hausbesitzer waren alles andere als erbaut von der Kontrolle; einer ließ seinen Zorn mit wüsten Beschimpfungen an den beiden städtischen Mitarbeitern aus. Ansonsten, so die bisherige Erfahrung, waren die Hausbesitzer bei der Selbstangabe „erschreckend ehrlich”, wie Richert anerkennend feststellt und zugibt: „Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt.”

Wurz und Podeschwa werden noch auf Jahre mit Maßband, Wasserwaage und Klemmbrett unterwegs sein. Cirka 10.000 Grundstücke, überschlägt Richert sind zu erfassen. „2015 hoffen wir, dass wir dann so weit fertig sind.”
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