Abrissbagger besiegeln St. Helenas Ende

Von: Jörg Abels
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Der tagebaubedingte Abriss der Ortschaft Pier geht zügig voran. Am Donnerstag wurde die Kapelle St. Helena in Vilvenich abgerissen. Foto: Abels

Vilvenich/Pier. Pier wirkt längst wie ausgestorben, die meisten der einst mehr als 1200 Einwohner haben den Ort bereits verlassen. Einzig auf den landwirtschaftlichen Anwesen pulsiert hier und da noch das Leben, während sich am Horizont die gigantischen Schaufelradbagger des Tagebaus Inden langsam aber stetig der Ortschaft nähern.

Noch 30 Gebäude bewohnt

Nur rund 30 Gebäude sind noch bewohnt. Rund 100 der einst 526 Anwesen hat RWE Power bereits abgerissen, erklärt Bernhard Müller, der die Umsiedlung der Ortschaft auf Seiten des Tagebaubetreibers verantwortlich betreut. Für die einstigen Bewohner, die in Neu-Pier oder innerhalb der Gemeinde Inden eine neue Heimat gefunden haben, ist dies jedes Mal ein sehr emotionaler Moment, ein Stück Lebensgeschichte geht unweigerlich verloren.

Auch am vergangenen Donnerstag war wieder ein solcher Moment. Der Abrissbagger rückte am frühen Morgen der Kapelle St. Helena in Vilvenich, der kleinen Siedlung zwischen Pier und Merken, zu Leibe. Binnen Minuten war der romanische Saalbau, der gesichert aus dem 13. Jahrhundert stammt, wahrscheinlich aber noch älter war, Schutt und Asche.

Eine Verlegung, wie von einigen Pierern gefordert, sei technisch nicht möglich gewesen, erklärt Bernhard Müller, ohne auf die mit einer solchen Maßnahme verbundenen Kosten einzugehen, während der Bagger den Schutt in bereitgestellte Container verlädt. Allein die Substanz des Gebäudes habe derartige Überlegungen nicht zugelassen, betonen weitere Vertreter von RWE Power vor Ort in Vilvenich.

Aber die Jahrhunderte alte Geschichte der kleinen Kapelle ist nicht gänzlich verloren. Wie immer bei denkmalgeschützten Gebäuden, die in Umsiedlungsorten dem Tagebaubetrieb weichen und abgerissen werden müssen, hat RWE Power eine umfangreiche Dokumentation in Auftrag gegeben.

Der Golzheimer Historiker Dr. Peter Staatz hat auch akribisch die Historie von St. Helena aufgearbeitet, verweist Bernhard Müller auf ein 40-seitiges Skript, das in den letzten Monaten entstanden ist. Und auch ein Teil der Inneneinrichtung bleibt der Nachwelt erhalten. Den Altar beispielsweise hat die Kirchengemeinde Schophoven übernommen, berichtet Müller, Fenster und Weihwasserbecken wurden ebenfalls gesichert.

„Und die Glocke von St. Helena soll einmal in der noch zu errichtenden neuen Kapelle in Neu-Pier bei Jüngersdorf schlagen”, erklärt der Umsiedlungsexperte, der davon ausgeht, noch rund drei Jahre mit dem Abriss der Gebäude in Alt-Pier beschäftigt zu sein.

Voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres soll auch die ebenfalls bereits entwidmete Pfarrkirche in Pier abgerissen werden, um Einbrüche und Vandalismus zu unterbinden, teilt RWE Power mit. Zuerst aber muss noch die Orgel ausgebaut werden.

Unter der Platte

Derweil warten Archäologen des Landschaftsverbands Rheinland darauf, dass der Bagger seine Arbeit beendet. Sie in den nächsten Tagen nun untersuchen, ob unter der Bodenplatte noch Spuren gesichert werden können.
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