Abo-Theater Jülich steht vor dem Aus

Von: Volker Uerlings
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„Arsen und Spitzenhäubchen“ (Grenzlandtheater) war das erste Stück der laufenden und eventuell letzten Jülicher Theaterreihe. Foto: Stadt Jülich

Jülich. Das Jülicher Abonnement-Theater steht wieder vor dem Aus. In der Spielzeit 2013/14 war der Besuch „nicht zufriedenstellend“, befindet die Stadtverwaltung in einem Bericht, den der Kulturausschuss diskutierte. Der Vorschlag lautet nun, die Reihe einzustellen und durch ein „mobiles Angebot“ (Fahrten zu anderen Aufführungen) zu ersetzen.

Dezernentin Katarina Esser: „Es ist die Reißleine, die wir ziehen.“ Die Verwaltung wolle das nicht unbedingt, sieht aber kaum eine Alternative, wenn die Reihe kostendeckend arbeiten soll.

Neben den Besucherzahlen ist es nämlich die Wirtschaftlichkeit, die unter den aktuellen Gegebenheiten nicht zu erbringen ist. Die Spielzeit 2013/14 liefert ein Beispiel. Den Einnahmen von knapp 18.000 Euro stehen Ausgaben von gut 15.000 Euro gegenüber. Da aber die Stadt für die eigene Reihe Miete und Betriebskosten erhebt, waren neben den Honoraren auch noch rund 2400 Euro für Mieten und 1500 an Betriebskosten zu zahlen. Damit rutscht die Reihe ins Minus (gut 1600 Euro). In der laufenden Abo-Reihe gibt es aktuell ein Minus nach zwei Aufführungen von etwa 1400 Euro.

40 „gute Plätze“ sind weg

Dabei wurden bislang zwei Aufführungen angeboten, die bei einer Publikumsbefragung ganz vorn lagen. Die Jülicher Theaterfans wollen aber zudem gute oder vertraute Plätze – in beiden Fällen gibt es Einschränkungen.

Zum einen darf die Empore nicht mehr genutzt werden, die viele Abonnenten über Jahre gebucht hatten. Zum anderen gibt es im Innenraum nun einen Sitz weniger pro Reihe (14), was in Summe 40 „gute Plätze“ kostet. Von den hinteren Reihen aber sind Sicht und Akustik eingeschränkt.

Der Effekt summiert sich, so dass die Abo-Reihe auch bei attraktiven Stücken weniger nachgefragt wird. Durchschnittlich hatte die Reihe in vor fünf Jahren 236 Besucher, vor vier Jahren 261, vor drei Jahren 195. Die Reihe vor zwei Jahren ist ausgefallen. Und 2013/14 waren es nun 213 Gäste pro Vorstellung.

Dezernentin Esser resümiert, dass „die Spielstätte Stadthalle nicht mehr akzeptiert wird“. Um die Reihe am Leben zu lassen, sei „ein politisches Signal erforderlich“. Das kam so aus dem Kulturausschuss noch nicht, sondern dürfte – wenn überhaupt – bei den Haushaltsberatungen zu vernehmen sein. Kritik gab es aber am Vorschlag, die Reihe einzustellen.

Lutz Baumgarten (Grüne) mahnte an, dass eine Stadt wie Jülich einen höheren Anspruch haben sollte. Er schlug vor, die Miete zu erlassen. Michael Lingnau (CDU): „Welch ein verheerender Eindruck entsteht, wenn wir dieses Kulturhochgut einstampfen?“ Matthias Hoven (Jül) hält eine Theaterreihe in Jülich für „wünschenswert“, sieht das aber in Relation: Gegenüber der Schließung von Lehrschwimmbecken sei das ein „Luxusproblem“.

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