Abgang mit einem Tränchen

Von: Gerda Kròl
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Abschied von der Bühne und aus der Bütt nahm Heimatredner Heino, hier mit seinem langjährigen Weggefährten Ehrenpräsident Matthias Hellmann (4.v.l.). Foto: Kròl

Jülich. „Lev Jekke“ strahlte wieder einmal der Präsident der KG „Ulk“ Jülich, Jörg Bücher, als er mit seinem Elferrat Einzug gehalten hatte, denn nicht nur die guten Geister der KG hatte alles gegeben, um die Jülicher Stadthalle in ein Spukschloss zu verwandeln.

Auch die Närrinnen und Narren im ausverkauften Saal hatten begeistert das Thema „Beim Ulk spukt‘s“ aufgegriffen und waren als Ghostbuster, Vampir, Gespenst, Hexe und anderen unheimlichen Gestalten gekommen, um hier eine Sitzung mit einem tollen Programm zu erleben.

Doch es war an diesem Abend nicht nur eitel Sonnenschein, ein Wermutstropfen fiel in den närrischen Cocktail, denn beim „Ulk“ geht eine Ära zu Ende. Der Mann, der 33 Mal für den „Ulk“ in die Bütt stieg und mit spitzer Zunge und in klassischer Reimform sein närrisches Publikum begeisterte, trat ab. Zum letzten Mal stand Heimatredner Heino (Bücher) auf der Bühne und in der Bütt, und es endete wie all die 33 Male zuvor. Standing Ovation und eine Rakete brachten ihm die Zuhörer entgegen.

Zuvor hatte Dr. Jürgen Elsen sein Werk im Namen der KG gewürdigt und ihm ein herzliches Dankeschön überbracht. „Wir sagen Danke einem lieben Menschen, Freund, Mundartfreund, Freizeitdichter, Produzent von Mundartmessen, langjährigem Vizepräsidenten, Tänzer, Sänger und Topredner“, erklärte Elsen und meinte: „Du , lieber Heino, bist die Ikone des Ulks.“

In Rot und Weiß

Rund um die Bütt, die endlich so aussah, wie er es sich immer gewünscht hatte, „Rot-Weiß“, hatte der komplette Elferrat Aufstellung genommen und lauschte seinen Ausführungen. Ums Rentnerleben, das gar nicht so einfach ist, drehte sich alles. Seine Liebste hält ihn von morgens bis abends auf Trab, vom Garten schickt sie ihn in den Keller und in die Küche und zum Einkaufen in die Stadt.

„Du küss jo net us de Föös“, findet sie. „Dat kann schon op de Nerve jonn“, meint er und verkrümelt sich zu seiner Rentnerband. Doch was hört man da. Ganz großes Thema war natürlich die Bürgermeisterwahl, mit deren Ausgang er recht zufrieden schien. Schließlich ist Axel Fuchs ja auch Vize der KG „Ulk“. Doch sagt der Rentner, der ja nun auch im ulkigen Ruhestand ist, auch: „Ob der die Schulden in der Griff kricht, dat glöv ich net.“

Über die Umgestaltung des Walramplatzes ließ er sich aus und die Wasserschäden in der Südbastion, die schwarzen Schwäne vom Schwanenteich, die seiner Meinung nach der Hunger vertrieben hat, und ein ganz großes Thema war das Trommelwäldchen. „Lott et, wo et is“, forderte er.

Mit einer Träne im Knopfloch verließ er unter tosendem Applaus die Bütt, die er sich übrigens mit nach Hause nehmen darf. Und zur Feier des Abschieds kam auch einmal Ehefrau Annemie, die ihm so oft Stoff für seine Reden bescherte mit auf die Bühne sowie sein langjähriger Weggefährte Ulk-Ehrenpräsident Matthias Hellmann. „Das gab‘s nur einmal“, kommentierte er Bücher.

Damit war dann auch der Wehmut genüge getan. Das Programm ließ keinen Raum zum Trübsal blasen. Gestartete hatte man die Sitzung mit den Funken Ruut Wieß aus Köln. Mit 111 Mann waren sie angerückt und suchten dennoch Unterstützung. Drei Damen der „Ulk“-Familie wurden in die Reihen der Gardisten aufgenommen und ebenso Bürgermeister Axel Fuchs. Stippeföttche und Gardetanz meisterten sie mit Bravour, und zum guten Schluss legte Fuchs noch einen Radschlag hin.

„Kuhl un de Gäng“ ließen nicht zu, dass das Publikum auf den Stühlen blieb, sie rockten mächtig ab mit „de Kölsche Jong“ und anderen Hits. Knacki Deuser weiß, wo der Schuh drückt, ließ sich über Erziehungsfragen, Beziehungskisten, Müllphilosophie aus und steppte zum Schluss noch auf Birkenstocksandalen zu BAP.

Die erste Rakete des Abends ernteten die „Blechharmoniker“, die kölsche Tön ganz klassisch servierten. Nach der Pause ging der Spuk nahtlos weiter. Die „Rabaue“ sorgten mit ihrer fetzigen Musik erneut für Stimmung.

Mit dem Newcomer Kai Kramosta stand ein karnevalistisches Schwergewicht auf der Bühne. Der Kölner Landmetzger Matthias Kalenberg sorgte mit Slapstick, Parodien und Gesang für Stimmung, und etwas fürs Auge bot das Tanzcorps „Rheinmatrosen“.

Mit der Band „Cat Ballou“ endete wieder einmal eine tolle Sitzung voller karnevalistischer Höhepunkte.

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