Ab sofort: Viel Rauch um Nichts?

Von: Daniela Martinak
Letzte Aktualisierung:
5432340.jpg
Holger Marzian knibbelt den Aufkleber ab, der besagt, dass in seiner Bar bisher geraucht werden durfte. Jetzt muss das Schild ab. Foto: Martinak
5432336.jpg
Solche Bilder von Barbesuchern, die an der Theke eine Zigarette rauchen, sind bald Geschichte. Foto: Martinak

Jülicher Land. „Dat jeiht nit ab“, schimpft Holger Marzian und lacht dabei. Die Situation ist zwar ernst, aber der Gastronomiebetreiber nimmt es mit Humor. „Das müssen wir alle mit Humor nehmen. Was bleibt uns anderes übrig?“

Inzwischen knibbelt er seit mehreren Minuten an dem Klebeschild herum, das die Eingangstüre zum Jülicher Careba ziert. Noch. Jetzt muss er ab. Der blaue kreisrunde Aufkleber, der eine brennende Zigarette zeigt. Ein Hinweis darauf, dass dort geraucht werden darf. Am Mittwoch sieht das nämlich anders aus.

Der Paragraph 1 des neuen Nichtraucherschutzgesetz, das am 1. Mai in Kraft tritt, lautet wie folgt: Die in diesem Gesetz aufgeführten Rauchverbote gelten in Gebäuden und sonstigen vollständig umschlossenen Räumen.“ Also auch in Kneipen, Restaurants, auf Karnevalssitzungen, Maifesten und anderen kulturellen Veranstaltungen, die im Festzelt stattfinden.

Vor fünf Jahren rollte der Inhaber des Careba bereits schon einmal mit den Augen. Da nämlich entschied das Ministerium, dass in Kneipen und ähnlichen Einrichtungen nur geraucht werden darf, sofern es einen abgesonderten Nichtraucherbereich gibt. Sämtliche Wirte und Gastronomiebetreiber - so, wie auch Holger Marzian - bauten um, bauten an. „Wir haben die Wohnung, die sich über der Bar befand, gekauft und komplett umgebaut. Einen Durchgang erschaffen, der mit elektrischen Schiebetüren dafür sorgt, dass der Rauch nicht von der unteren Etage auf die obere ziehen kann“, erklärt Marzian. Und jetzt das.

Jetzt nämlich, werden viele Betreiber solcher Lokalitäten wieder gezwungen zu renovieren. Schließlich soll auch die vergilbte Tapete wenn möglich nicht mehr an verqualmte Räume erinnern. Auch die Bar in der Jülicher Innenstadt wird einen neuen Anstrich bekommen. Wieder Kosten, die aufgrund einer Gesetzesänderung entstehen. „Wir alle müssen das sportlich sehen. Ich bezweifel, dass wir Einbußen einstecken müssen. In anderen Ländern funktioniert es ja auch, und das schon lange“, hofft der Barbesitzer. Angst hat er nicht. Vielleicht wird sogar der Außenbereich attraktiver gestaltet, so dass Raucher die nebligen bedachten Räume gar nicht vermissen müssen.

Für alle

Marzian: „Eigentlich muss ich sogar sagen, dass ich das Gesetz gut finde. Ich denke, dass Veranstalter wie Maigesellschaften und Karnevalsvereine es definitiv schwerer haben als wir Gastronomie, aber prinzipiell bin ich dann auch dafür, dass solche Gesetze für alle gelten!“ Und zudem diene dieses neue Gesetz ja auch der Gesundheit. Der Mensch sei ein Gewohnheitstier, und dass er deshalb auf ein kühles Blondes am Abend oder einen leckeren Cocktail mit Freunden in seiner Lieblingsbar verzichte – wohl eher unwahrscheinlich. Zu Hause „einschließen, nur damit man rauchen kann“, ist wohl auch keine Lösung.

Sollte doch noch ein Gast zum Glimmstängel greifen, werde er höflich auf das neue Gesetz aufmerksam gemacht. Aber das nicht mehr vorhandene Raucherschild und die fehlenden Aschenbecher auf den Tischen sprechen wohl für sich. Aber abgesehen von den Abenden an der Theke mit Zigarette... Marzian runzelt die Stirn: „So richtig verstehe ich das nicht – Diese plötzliche Wandlung. Erst darf überall geraucht werden, dann in nur abgetrennten Bereichen. Die Tabaksteuer wurde immer wieder erhört, die Raucher haben dem Staat mächtig Geld in die Kasse gespült und jetzt? Jetzt verbieten sie es da, wo am meisten geraucht wird. Die schneiden sich doch ins eigene Fleisch!“ Ach ja, Weihrauch in Kirchen ist übrigens noch gestattet. Vielleicht gibt es doch bald wieder mehr Messebesucher, die froh sind, Qualm unter Dächern inhalieren zu können...

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert