Jülich - Aachener Altistin freut sich auf das Jülicher Publikum

Aachener Altistin freut sich auf das Jülicher Publikum

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Wein, Weib und Gesang passt prächtig zur Winzerstochter Marion Eckstein, die am Sonntag in der Klosterkirche singt. Foto: Schelp-Meyer

Jülich. Vor knapp fünf Jahren hat sie nach Stationen in Stuttgart und Starnberg in Aachen ihr neues Zuhause gefunden. Seitdem ist sie dort für Freunde klassischer Musik eine „Öcher Ikone“ geworden. Die bekannte Altistin Marion Eckstein fühlt sich, wie sie selbst sagt, „in der Region sehr wohl“, so dass sie trotz vieler internationaler Engagements regelmäßig in Aachen konzertiert.

Publikum und Sängerin hatten so ausreichend Gelegenheit, sich gegenseitig kennen und schätzen zu lernen. Am 10. Mai kommt Marion Eckstein auch in die Klosterkirche nach Overbach und konzertiert mit dem Overbacher Kammerchor ein umfangreiches Bach-Programm. Aus diesem Anlass haben wir mit der Sängerin gesprochen, über ihr Leben in Aachen, ihre Freude an der Kulturbegeisterung des Publikums und haben dabei festgestellt, dass der Spruch „Wein, Weib und Gesang“ als Untertitel geeignet wäre.

Frau Eckstein, Sie kommen gerade von einem einwöchigem Destillationskurs an der Uni Hohenheim wieder zurück nach Aachen. Einen Meisterkurs in Musik wäre aus unserer Sicht naheliegender, warum der Ausflug in die Welt des Geschmacksinns?

Marion Eckstein: (lacht) Na ja, ganz so unmusikalisch war mein Aufenthalt in Stuttgart nicht. Ich habe tagsüber im Labor gestanden und abends mit meinem Stuttgarter Pianisten Stefan Leihenseder für einen Liederabend in der Stuttgarter Staatsgalerie Mahlers „Fahrenden Gesellen“ und Lieder von Brahms geprobt. Das klingt nach zwei komplett unterschiedlichen Welten – für mich lagen sie allerdings immer schon ausgesprochen nah beieinander, da ich aus einem Weingut an der Mosel stamme. Mit meinen Eltern betreibe ich dort eine Brennerei, die mir sehr am Herzen liegt, und die ich gerne weiterführen möchte. Wie in der Musik und im Gesang im Speziellen macht es mir auch dort Spaß, an den Feinheiten und den kleinen Besonderheiten zu feilen – daher der Destillationskurs, den ich wunderbar informativ und lehrreich fand. Besonders spannend und bereichernd war auch der ausgesprochene Milieuwechsel und die Begegnung mit ganz bodenständigen und handfesten Menschen, fernab der Musikwelt. Ich finde, das erdet ungemein.

Trotz Ihres öffentlichen Lebens mit internationalen Engagements sind Sie also nach wie vor mit ihrer Heimat sehr verbunden. Wie passt denn Aachen in Ihr Leben, auch nach den Stationen in Bayern und Baden-Württemberg?

Eckstein: Aachen war für mich einfach ein überraschender Glücksgriff. Zum einen persönlich wegen der erwähnten Nähe zu meinen Eltern, die mittlerweile ein gesegnetes Alter haben und ich gerne bei Bedarf zu ihnen fahren möchte, wenn sie mich brauchen. Und dann natürlich wegen dieser unverhofft, unglaublich reichen Musiklandschaft auf so hohem Niveau. Es war toll, auf dieses kulturbegeisterte und -interessierte Publikum zu treffen, das an Weltoffenheit einem Publikum in München oder Stuttgart in nichts nachsteht. Im Gegenteil, wenn ich an diese Begeisterung der Aachener bei den Chorbiennalen denke, dann ist das schon sehr bewegend. Denn dann ist die ganze Stadt auf den Beinen und es ist eine Spannung und ein Enthusiasmus für die Musik zu spüren, was einfach wunderbar ist und seinesgleichen sucht. Nun hat Jülich zwar keine Chorbiennale, aber durch befreundete Musikkollegen weiß ich von der regen Kulturtätigkeit in Ihrer Stadt und auch vom ausgeprägten Kulturinteresse der Jülicher. Ich habe schon von der hervorragenden Musikreihe der sogenannten „Schlosskonzerte“ gehört, sowie von einigen Musikensembles, sei es auf vokaler oder instrumentaler Ebene in und um Jülich herum, die auf sehr hohem Niveau musizieren. Beispielsweise der Overbacher Kammerchor, mit ihm veranstalte ich ja ein gemeinsames Konzert – und bei dieser Gelegenheit freue mich dann auch auf das Jülicher Publikum.

Wenn man Konzertbesucher befragt, Sie persönlich und Ihre Art des Singens zu beschreiben, fallen Begriffe wie etwa „herausragend“, „jugendlich frisch“, „gefühlsintensiv aber ohne aufgesetztes Pathos“. Auch von „charmanter Unkompliziertheit und echter Bodenständigkeit“ ist die Rede. Fühlen Sie sich geschmeichelt?

Eckstein: Was soll man da sagen… Natürlich schmeichelt das, aber es freut mich auch ungemein, wenn ich erlebe, dass sich das Publikum für die Musik begeistert und auch durchaus den Kontakt und das Gespräch sucht. Mit solch wunderbarer Resonanz lässt sich herrlich musizieren, da entsteht der neudeutsch als „Flow“ bezeichnete Zustand, der Musiker wie Zuhörer gleichermaßen beglückt.

Wenn man sich Ihr Repertoire anschaut, findet man eine Fülle verschiedener Musikgattungen, also Barock, Alte Musik, Oper, Romantik, aber auch Moderne Musik. Sie lassen sich nicht gerne auf etwas festnageln, oder?

Eckstein: Warum sollte ich? Ich liebe gerade das Wechselspiel unterschiedlicher Literatur und Komponisten, und wenn ich offen bleibe und mich stilistisch nicht einschränke, bleibt das Singen überaus reizvoll für mich. Was ich unglaublich gerne mache ist Kammermusik, weil ich da die Möglichkeit habe, Details zu schleifen und feinste Nuancen herauszuarbeiten. Und dann freue ich mich auch wieder, Oper zu machen. Im Sommer singe ich z.B. bei den Salzburger Festspielen in Purcells „Dido und Aeneas“. Im vergangenen Dezember war ich mit Beethovens „9. Sinfonie“ in Japan mit dem WDR Sinfonieorchester auf Tournee und im Juli werde ich Beethovens „Missa solemnis“ beim Rheingau-Musikfestival singen – da haben wir ihn schon wieder, den Wein (lacht). Diesen Wechsel der Stilrichtungen und Gattungen möchte ich nicht missen, er fordert Variabilität in der Stimme, in der musikalischen Gestaltung und vor allem auch im Ausdruck.

Bei aller Musikoffenheit, Frau Eckstein, haben Sie keine Lieblingskomponisten?

Eckstein: Doch, natürlich. Mein Herz schlägt von jeher im Besonderen für die Musik Gustav Mahlers und Johann Sebastian Bachs. Mahlers Sinfonien und Lieder sind von ungemein existentialistischer Kraft und Ausdruckstiefe. Die Vokalmusik Bachs ist gerade bei den ganz überwiegend geistlichen Werken von größter theologischer Deutung durchdrungen und musikalisch die hohe Schule überhaupt, ganz gleich, ob man die stimmliche oder musikalische Dimension betrachtet. Daher bin ich immer sehr glücklich, wenn ich an hochrangigen Aufführungen von Werken Bachs mitwirken darf.

Dazu haben Sie ja demnächst wieder Gelegenheit, wie Sie schon erwähnt haben. Sie geben ein Frühlingskonzert mit Bach, zusammen mit dem in Jülich sehr bekannten Overbacher Kammerchor. Wie kommt es zu dieser Kooperation?

Eckstein: Ja, richtig, am 10. Mai um 17 Uhr führen wir in der Klosterkirche Overbach ein Bachprogramm auf, das es in sich hat. Im Zentrum stehen die zwei Solokantaten „Widerstehe doch der Sünde“ sowie „Ich habe genug“. Bei letzterer wird die Aachener Oboistin Judith Schaible den obligaten Oboen-Part übernehmen. Wir hatten bei den Vorproben, bevor schließlich das Orchester hinzukommt, unglaublich viel Freude und teilen die Begeisterung für Bachs Musik. Im Gepäck haben wir dann noch die Kantate für Chor und Soli „Nach Dir, Herr, verlanget mich“ sowie die beiden Chor-Motetten „Ich lasse dich nicht“ und „Komm, Jesu, komm“. Alles in allem ein großartiges Bach-Repertoire, das ich diesmal zusammen mit Kerry Jago und seinem Overbacher Kammerchor zur Aufführung bringe. Dass dieses Ensemble einen sehr guten Namen hat, ist Ihnen und den Jülicher Musikfreunden ja bestens bekannt. Der Chor arbeitet auf einem ausgesprochen hohen musikalischen Niveau – die Musikerszene kennt sich eben. Dass die Overbacher singen können (lacht), konnte ich vor einiger Zeit feststellen, denn ich unterrichte selbst einige Kammerchormitglieder, die vormals schon lange Jahre hervorragenden Gesangsunterricht genossen haben. Insofern bin ich unglaublich gespannt auf den Chor, der als Summe der bereits großartigen Einzelsänger einfach nur wunderbar sein kann!

Bei aller Freude an der Musik, Frau Eckstein: Sie haben ja einen mit Terminen voll gefüllten Lebensalltag. Wie halten Sie sich fit?

Eckstein: Mit meinem Hund im Öcher Bösch! Sofern zu Hause, bin ich jeden Morgen dort unterwegs, egal ob es regnet oder schneit, das härtet ungemein ab. Ich kann nur jedem raten: Mit Hund bleibst du gesund! Und was die Ernährung anbelangt, bin ich eher ein Genussmensch und halte mich, seitdem ich in Aachen bin, an mein neues Leibgericht: Sauerbraten mit Öcher Weichprinten – köstlich.

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